Als Reiseziel nicht zu empfehlen

Eine in Filmfreunde-Kreisen ge pflegte Attitüde ist die Freude an sogenannten B-Movies, unter denen so manches Schnäppchen zu finden sei, daß den Aufstieg zum „Kult-Film“ verdiene. In der Regel ermöglichen derartige B-Movies allerdings im Grunde vor allem Lacher an ungewollten Stellen. Doch möglichenfalls vermittelt das Gefühl des Betrachters, lachen zu können, ohne das dies in der Absicht der Medienmacher liegt, ein Gefühl der Unabhängigkeit, eine Ahnung von der Kraft, aufgrund eigener Intelligenz den Manipulationen der uns tagtäglich nahe gebrachten Bilder, welt entgehen zu können. Science-Fiction-Regisseur David Twohy jedenfalls sorgt mit seinem neuen Streifen „Pitch Black – Planet der Finsternis“ reichlich für derart erhebende Lacher. Und dies umso mehr, je stärker sich die dargebotene Geschichte in todernst gemeinte Kampfexzesse und Machtposen versteigt. „Totale Finsternis. Endlose Angst. Unvorstellbares Grauen“ verspricht der Streifen in seiner Ankündigung und schafft gespannte Erwartung, obgleich „Totale Unglaubwürdigkeit. Endlose Klischees. Unvorstellbare Peinlichkeit“ die ehrlichere, aber markttechnisch ungünstigere Umschreibung gewesen wäre. „Pitch Black“ spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft auf einem entlegenen Planeten, auf den Andock-Pilotin Fry (Radha Mitchell) mit ihrem Raumschiff zur Notlandung gezwungen wird. Dabei überleben einige der an Bord befindlichen Passagiere, darunter der Kopfgeldjäger Johns (Cole Hauser) und sein gefährlicher Strafgefangener Riddick (Vin Diesel). Gemeinsam versucht die kleine Gruppe, ihre Überlebenschancen zu sichern und einen Weiterflug zu organisieren, sieht sich aber ständig mit Bedrohungen konfrontiert. Scheint anfänglich der Mörder Riddick das Hauptproblem, so muß die Gruppe bald feststellen, daß der Planet nach Sonnenuntergang von echsenartigen, gefräßigen Monstern bevölkert ist. Und diese Monster sind durstig auf Menschenblut, was dazu führt, daß sich der Kreis der überlebenden Raumschiffpassagiere immer mehr zu lichten beginnt. „Pitch Black“ spielt mit der menschlichen Urangst vor der Dunkelheit und versucht die Frage nach Eigennutz und Verantwortung gegenüber dem Mitmensch anzuschneiden. Daß die Bemühungen nicht über den Versuch herauswachsen, liegt an der stereotypen Ansammlung von Klischees in dem Streifen, bei dessen Betrachtung man spätestens nach 15 Minuten beginnt, unruhig auf dem Kinositz hin und her zu rutschen: Der Mörder, der ständig mit rauher Stimme brutale Weisheiten von sich geben muß, die selbstbewußte Anführerin, die in brenzligen Momenten weibliche Schwäche zeigt, das wie eine Hardcore-Emanze wirkende Jungmädchen, das seine Faszination für Gewalt kaum verbergen kann und einen Kraftausdruck nach dem anderen absondern muß, der muslimische Geistliche, der nach dem Tod seiner im anvertrauten drei jungen Pilger einen fünfsekündigen Anfall der Trauer zeigt und dann zur Tagesordnung übergeht, die Monster, die wie eine Klonung aus „Alien“ und „Jurassic Park“-Flugdinosaurier wirken. Nachvollziehbare menschliche Reaktionen finden nicht statt, die Charakterzeichnung der Protagonisten gerät zur Aneinanderreihung von fast beliebig zusammengestoppelten Platitüden. Die Geschichte besitzt weitgehend plagiatorischen Charakter, was den stellenweise vorhandenen Spannungsfaktor leider vermindert, die schauspielerische Inszenierung ist fast durchgehend miserabel, allenfalls das bisweilen gelungene Spiel mit bildtechnischen Mitteln kann von Zeit zu Zeit einige „Fehler wettmachen. Der „Planet der Finsternis“ ist nicht unbedingt das zu empfehlende Reiseziel für anspruchsvollere Filmästheten, der Sommerurlaub sollte in anderen Gefilden verbracht werden.

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