Die Bluthunde haben die Fährte aufgenommen

„Sie sind Rassist“ – „Nein, Sie sind ein schlimmerer Rassist.“ – „Nie im Leben, Sie verkehren mit den Libertären um Hoppe, Rockwell und Ron Paul; allesamt bekannte Rassisten, ergo müssen Sie Rassist sein!“ So der Zank zwischen Vertretern der regierungskritischen libertären Strömung in den USA und einer Pro-Establishment-Libertären – einer „Regimistin“, wie Rockwell sie gerne nennt.

Die besagte „Regimistin“ heißt Cathy Reisenwitz und ist eine Konvertitin, die der gestandene Libertäre Justin Raimondo jüngst dafür zur Rede stellte, daß sie Paul, Murray Rothbard, Lew Rockwell und Hans-Hermann Hoppe als Rassisten verunglimpfte.

Wenigstens predigt Reisenwitz nicht die Umstrukturierung des Einkommensgefälles. Aber wie alle Anhänger des egalitären Projekts schwafelt sie von der Verpflichtung, die strukturellen und institutionalisierten Ungleichheiten abzuschaffen, von denen die US-amerikanische Gesellschaft angeblich durchsetzt ist. Daher ihr Eifer, „Homophobie“, „Sexismus“, „Fremdenfeindlichkeit“ und „Rassismus“ aufzudecken und auszumerzen.

Stalinistische Schauprozeßtaktik

Was um Himmels willen ist in der amerikanischen Politik los? Warum haben seriöse Libertäre sich überhaupt auf einen derart kindischen Streit eingelassen? Sind die Libertären etwa auf republikanisches Niveau herabgesunken? Letztere haben die stalinistischen Schauprozeßtaktiken ihrer politischen Widersacher in den Rang eines ernstzunehmenden Arguments erhoben, indem sie sie an antirassistischer Selbstgerechtigkeit zu übertreffen versuchen: „Die Demokraten sind die wahren Rassisten; die Republikaner sind die Partei von Lincoln, der die Sklaven befreit hat. Wir sind gegen Abtreibung und Sozialhilfe, weil wir die Schwarzen lieben … Blablabla.“

Reisenwitz stützte ihre Anschuldigungen auf keinerlei dokumentarische Nachweise. Aber was will Raimondo machen, wenn eine pikierte Reisenwitz ihre Entschuldigung zurückzieht und politisch inkorrekte Zitate der Männer, die sie aufs Korn genommen hat, ausgräbt. Res ipsa loquitur. Intelligente Männer (und gelegentlich auch Frauen) reden unweigerlich Tacheles. Man bedenke beispielsweise folgende Passagen aus einem vortrefflichen Essay, den Murray Rothbard im Dezember 1994 zu Charles Murrays und Richard Herrnsteins gerade erschienenem Buch „The Bell Curve“ veröffentlichte:

„Buchstäblich bis Mitte Oktober 1994 galt es als schandhaft und tabu, bestimmte Fakten öffentlich auszusprechen oder zu schreiben, die alle – und zwar wirklich: alle – in ihren Herzen und insgeheim wußten: nämlich geradezu selbstverständliche Fakten über Rasse, Intelligenz und Erblichkeit. Wissen zum Thema Rasse und Ethnizität, das einst unter Schriftstellern, Publizisten und Wissenschaftlern weitverbreitet und allgemein bekannt war, wurde in den 1930er Jahren von dem kommunistischen Anthropologen Franz Boas und seinen Verbündeten aus der öffentlichen Sphäre gedrängt und gilt seither als tabu. Im wesentlichen meine ich damit die offensichtliche und beinahe selbstverständliche Tatsache, daß Individuen, ethnische Gruppen und Rassen sich voneinander in bezug auf Intelligenz und viele andere Eigenschaften unterscheiden und daß Intelligenz ebenso wie weniger umstrittene Merkmale des Temperaments zum großen Teil erblich ist.“

Oho! (Oder auch OMG, wie man heute sagt.)

Geistiger Zwerg

Libertäre wären gut beraten, diesen vom Polit-Establishment inszenierten Tanz nicht mitzumachen, dient er doch einzig und allein dazu, unliebsame Kritiker in die Defensive zu drängen. Libertäre, die sich in derartige Streitereien verwickeln lassen, gestehen ihren Gegnern das Recht zu, Meinungsäußerungen zu überwachen und alle, die gegen die von der PC-Polizei festgelegten Normen verstoßen, aus dem Kreis der salonfähigen Mitbürger auszustoßen.

Nebenbei bemerkt hatte ich gehofft, mit meinem Beitrag „Libertarian Feminists Make A Move On Von Mises“, in dem ich die fadenscheinigen Logik der Cathy Wiehießsienochgleich dekonstruiere, den Libertären aufzuzeigen, mit was für einem geistigen Zwerg sie es hier zu tun haben. Leider haben sie sich stattdessen zumeist dafür entschieden, öffentliche Penetranz für intellektuelle Signifikanz zu halten, und sind mit der Begründung, immerhin sei sie ja „prominent“, ausführlichst auf ihre Argumentation eingegangen.

Daß jemand sich gut zu verkaufen weiß und schöne Selfies knipsen kann, ist noch lange kein Nachweis intellektueller Gravität. So eifrig Reisenwitz auch als das neue Antlitz der libertären Bewegung beworben wird, so geschickt sie darin sein mag, ihr Gesicht den richtigen Kameras zuzuwenden, so wenig wahrscheinlich ist es, daß sie je eine Meinung oder Analyse von sich geben wird, die nicht abgedroschen ist.

Kainsmal des „Rassisten“ 

Die JUNGE FREIHEIT, die sich den Kampf gegen die Gedankenpolizei an der europäischen Front auf die Fahnen geschrieben hat, hat die Verfasserin dieser Zeilen kürzlich interviewt und dabei unter anderem die Frage gestellt: „Wurde Ihnen aufgrund der Thesen, die Sie in Ihrem Buch ‚The Cannibal’s Pot‘ vertreten, Rassismus vorgeworfen? Was würden Sie auf solche Vorwürfe erwidern?“

Die Antwort, die fast wörtlich ebenjenem Buch entnommen ist (S. 41-42), sollte dazu beitragen, die Bluthunde von ihrer Fährte abzubringen:

„Denen, die mir einen Strick daraus drehen wollen, daß ich allgemeine Aussagen über die Merkmale der Angehörigen bestimmter Gruppen mache, etwa zum Thema Kriminalität, würde ich folgendes antworten: Verallgemeinerungen sind nicht per se unrichtig, vorausgesetzt sie stützen sich auf handfeste Belege statt auf Vermutungen. Sozialwissenschaftliche Forschung beruht auf dem Prinzip, die Ergebnisse repräsentativer Umfragen auf die Gesamtbevölkerung hochzurechnen. Wir alle treffen im Alltagsleben vernünftige Entscheidungen auf der Grundlage von Wahrscheinlichkeiten und Verallgemeinerungen. Die Entscheidung, nicht in einem spezifischen Landesteil oder Land zu leben, wo die Kriminalität besonders hoch ist, impliziert keineswegs, daß man sämtliche Einwohner des betreffenden Landes für Verbrecher hält, sondern lediglich, daß man auf der Basis statistisch aussagekräftiger Daten eine vernünftige Entscheidung getroffen hat, wo man knappe und wertvolle Ressourcen – das eigene Leben und Eigentum – am sinnvollsten investiert.“

Bevor man sich unbedacht in die düsteren Niederungen des Reisenwitzschen Weltbilds begibt, lohnt es sich, etwas zu beherzigen, was der deutsche politische Philosoph Hans Hoppe mir sagte, nachdem wir beide mit dem Kainsmal des „Rassisten“ gezeichnet wurden: „Wenn man nicht als Rassist bezeichnet wird, steckt man offensichtlich geistig in der Klemme, und es wird höchste Zeit, die eigene Position zu überdenken.“

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