Hussein Badiny: Im Visier der Ermittlungsbehörden Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress
Berlin

Täuschte Restaurantbesitzer rechtsextremen Überfall vor?

BERLIN. Die Nachricht sorgte für Empörung. Rechtsextreme Täter hatten angeblich Ende Mai das Lokal eines Ägypters in Berlin Friedrichshain verwüstet und „Ausländer raus“ an die Wände geschmiert. „Neonazis haben mein Lokal zerstört!“, klagte Hussein Badiny. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen Vortäuschung einer Straftat.

Die Polizei durchsuchte am Mittwoch die Wohnung, das Auto und den Keller des 43jährigen Restaurantbetreibers. Über das Motiv von Badiny, der hochverschuldet sein soll, ist nichts bekannt. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Ermittlungen gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Angesichts des laufenden Verfahrens könne jedoch noch nichts über die Hintergründe gesagt werden. Der Fall hatte Politiker von Grünen, SPD und Piraten auf den Plan gerufen, die sich mit dem vierfachen Vater solidarisierten. Vor dem Lokal wurde unter anderem ein Straßenfest „gegen Rechts“ veranstaltet. Zudem sammelten Nachbarn Spenden für das angebliche Opfer.

Grüne zeigen sich empört

Badiny äußerte heftige Kritik an der Staatsanwaltschaft: „Sie verschwendet ihre Zeit mit mir, statt die Täter zu finden. Die nehmen das nicht ernst“, sagte er nach Angaben der Berliner Zeitung. Unterstützung erhielt er dabei von den Grünen. „Ich sehe derzeit keine Anhaltspunkte für den Verdacht gegen Badiny“, empörte sich Canan Bayram, die für ihre Partei im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt.

Sie rückte die Tat und die Ermittlungen gegen den Restaurantbesitzer in die Nähe der mutmaßlich vom NSU begangenen Morde. „Badiny droht, durch staatliches Handeln ein weiteres Mal Opfer zu werden.“ Die Bürger hätten einen Anspruch darauf, daß „sie nicht ohne triftigen Grund selbst in den Fokus der Ermittlungen geraten, wenn sie Opfer geworden sind.“ (ho)

Hussein Badiny: Im Visier der Ermittlungsbehörden Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

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