Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Jetzt sollen die Reservisten ran

Die Bundeswehr wird verkleinert, im Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn auf eine grotesk kleine Zahl von Soldaten. Das alles verbunden mit dem marketingtechnischen Taschenspielertrick, allein dadurch könne die Effizienz der Truppe verbessert werden. Eine Nebenfolge dieser Verkleinerung ist – wen mag es überraschen? – der Personalmangel.

Deswegen sollen jetzt die Reservisten ran: „Neben der Rolle der Reserve für die Personalergänzung und –verstärkung sowie der Mittlerfunktion für die Bundeswehr in der Gesellschaft wird der Heimatschutz als wesentliche Aufgabe der Reserve verstärkt“, heißt es in der neuen, vom Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) herausgegebenen „Konzeption der Reserve“.

Zum Beispiel in den Landeskommandos. In diesen Dienststellen, die in einem Katastrophenfall wie Hochwasser die zivil-militärische Zusammenarbeit koordinieren sollen, ist das natürlich sinnvoll. Doch auch anderswo kann die Bundeswehr profitieren: Wenn nämlich gewisse Spezialfähigkeiten, sei es im Bereich der Wasseraufbereitung, der medizinischen Betreuung oder der Öffentlichkeitsarbeit in der Truppe fehlen. Auch bei der „Entwicklung neuer Fähigkeiten“, wie es in der Konzeption heißt, kann ziviler Sachverstand mit militärischer Vorerfahrung sehr nützlich sein.

Reaktion auf die zu klein gewordene Zahl der Soldaten

„Als Mittler zwischen Bundeswehr und Gesellschaft erfüllen Reservisten eine Bindegliedfunktion“, erklärt der Minister in seiner Konzeption, und er hat Recht. Vor allem nach dem Ende der Wehrpflicht und den leidigen Debatten über Jugendoffiziere in Schulen sind die Reservisten nicht nur in fachlicher, sondern auch in gesellschaftlicher Sicht von Bedeutung für die Bundeswehr. Sie halten die Verbindung zwischen der zivilen und der militärischen Welt in der Bundesrepublik.

Leider ist diese verstärkte Integration der Reserve nur eine Reaktion auf die zu klein gewordene Zahl der Soldaten. Trotzdem ist sie – unabhängig davon – eine erfreuliche Entwicklung. Abgesehen von der wichtigen Mittlerfunktion kann die Bundeswehr von externem Fachwissen profitieren. Allerdings muß der Eindruck vermieden werden, daß die Reservisten nur eine Lückenbüßerfunktion erfüllen und nur dort eingesetzt würden, wo aktive Zeit- und Berufssoldaten fehlen. Damit würde die Bundeswehr ihrer Qualifikation und Bedeutung nicht gerecht.

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