3sat auf dem Rittergut Schnellroda

Gestern Abend brachte 3sat im Rahmen der „Kulturzeit“ einen kurzen Beitrag über das Rittergut Schnellroda und die dort ansässigen Protagonisten der „Neuen Rechten“, vor allem Götz Kubitschek und Ellen Kositza. Der beinahe exakte Wortlaut des Berichts fand sich bereits vorher im Internet.

Wo die deutschen Breiviks wohnen

Entgegen der vorab geäußerten Vermutungen war der Bericht jedoch nicht „Auf dem Rittergut – Begegnung mit Deutschlands neuen Rechten“ betitelt. Statt dessen prangte gleich im Intro der Sendung „Gefährliche Denker“ in großen, warnenden Lettern auf dem Bildschirm.

Die Einleitung begann mit einem Verweis auf das Massaker Anders Breiviks in Norwegen und darauf, daß nun neue Details darüber vorlägen, wie bestialisch er die Jungsozialisten hingeschlachtet hätte – nur um mit der Überleitung, daß es „solche Rechtsradikale“ auch in Deutschland gebe, im Hintergrund das Bild kahlrasierter Köpfe mit Spinnentätowierungen einzublenden. Von dieser Schlüsselreiz-Präsentation kam die Moderatorin dann zum hierzulande „erfolgreichsten rechten Verleger“, den man einmal „in der Provinz Sachsen-Anhalts“ besucht habe.

Hauptsache Hitler

So begann dann die Reportage selbst, und zwar zuallererst und prominent mit der Kamerafahrt auf einen Polit-Gartenzwerg, der gleich im Einleitungssatz vom Sprecher entsprechend gewürdigt wurde. „Unter einem Gartenzwerg mit Hitlergruß sitzt“ Götz Kubitschek (im Beitrag auch „Jörg“ getauft), der – ebenso wie Ellen Kositza, Martin Lichtmesz und Felix Menzel – verhältnismäßig ausführlich zu Wort kam. So ausführlich jedenfalls, wie es ein knapp siebenminütiger Beitrag mit viel „erklärendem“ Beiwerk erlaubte. Dabei waren die Methoden der medialen Gestaltung teilweise sehr geschickt: Bei einem Auszug aus dem YouTube-Positionsvideo der konservativ-subversiven Aktion erkannte man kaum das Datum, an dem das Filmchen hochgeladen wurde.

So erschloß sich dem Unbedarften auch nicht, daß die erste KSA vor bald vier Jahren stattfand und das Aktionskonzept selbst bereits der Vergangenheit angehört. Dazu paßte auch, daß Kubitscheks Spekulationen darüber, was bei der Aktion gegen Günther Grass hätte passieren können, „wenn wir da anders drauf gewesen wären“, der 3sat-Redaktion offenbar zum Indiz für die Sehnsucht nach mehr Radikalität gereichten.

Gefährliche Denker müssen gefährlich aussehen

Beim Portrait Ellen Kositzas, das sich ausschließlich auf ihre antifeministische Haltung und ihre Rolle als achtfache Mutter auf dem Rittergut beschränkte, gab es einen Auszug aus der filmischen Dokumentation der Löwenthalpreisverleihung 2008 zu sehen. Diesmal allerdings so vom Bildschirm abgefilmt, daß man fast den Eindruck bekommen hätte, die tapferen Schneiderlein von 3sat hätten sich höchstpersönlich bei der „stramm rechtskonservative(n) Zeitung Junge Freiheit“ eingeschlichen, um die Aktivitäten dieses finsteren Zirkels endlich ans Licht der Wahrheit zu zerren.

Zusammen mit etlichen recht offensichtlichen Versuchen, die „gefährlichen Denker“ nicht nur möglichst gefährlich aussehen zu lassen, bemühte sich die 3sat-Redaktion auch redlich, ihnen eine gehörige Portion Schrulligkeit nachzuweisen. Dazu gehörte der eingangs erwähnte Gartenzwerg, aber auch der Exkurs Kositzas über die Namen ihrer Kinder sowie – bei einem Abstecher zu Felix Menzels Blauer Narzisse – der längere Auszug aus dem experimentellen Gedichtvideo zu Johannes Schüllers „Suche“. Endgültig lächerlich wurde es dann aber zum Abschluß durch die Moderatorin, die sich an die Zuschauer wandte: „Ich weiß nicht, wie es Ihnen gerade gegangen ist, aber mir ist bei diesem Bericht mehr als ein Schauer über den Rücken gelaufen.“

Damit hat sich die nur scheinbare „Kulturzeit“ selbst entlarvt – so stumpf ist wohl selten ein volkspädagogisches Anliegen vorgebracht worden. Als der Edition Antaios und dem Institut für Staatspolitik zugeneigter, rechter Zuschauer kann man nun natürlich wieder – denn derartige Berichterstattung ist ja nicht selten – im sprichwörtlichen Dreieck springen und sich über die furchtbare Bösartigkeit beklagen, mit der man von den „Systemmedien“ überzogen wird. Ich denke aber, daß man diesen Beitrag, bei aller gerechtfertigten Wut, auch anders betrachten kann.

Fernsehen für rotweinschlürfende Linksliberale

Zuerst einmal: Wer schaut denn die 3sat-„Kulturzeit“? Abgesehen von saturierten, rotweinschlürfenden Linksliberalen mittleren Alters zumindest am heutigen Abend wohl vor allem Sympathisanten der „Sache“, die kurzfristig via Internet aufmerksamgemacht wurden. Zumindest keine gänzlich unkundigen Angehörigen der Zielgruppe von IfS und Sezession: Sinnsuchende, aufgeschlossene und vor allem junge Intellektuelle. Daher kann man zumindest schon mal ausschließen, daß potentielle Interessenten durch diesen tief tendenziösen Beitrag vergrault worden sein könnten.

Diejenigen, die ihn tatsächlich gesehen haben, kann man wohl in drei Gruppen aufteilen: Jene, die vorher schon „dafür“ waren und es auch bleiben werden. Jene, die vorher schon „dagegen“ waren und es auch bleiben werden. Und einige wenige, die wirklich zufällig über den Bericht stolperten und nun – gerade aufgrund des überdeutlichen moralischen Zeigefingers – zumindest aufmerksam geworden sind und immerhin wissen, daß es Edition Antaios, Blaue Narzisse, Reconquista und die Quellentexte-Schriftenreihe gibt. Der eine oder andere wird gewiß nicht widerstehen können, einmal Fühlung mit dieser seltsamen Welt der großen, bösen Rechten aufzunehmen.

Right is right und das ist gut so

Letztlich kann man den Bericht, der sich inzwischen (natürlich ohne freche An- und Abmoderation) auch in der Mediathek des Senders findet, als Sympathisant auch durchaus genießen; dann nämlich, wenn man das anbiedernde Geseier ausblendet und nur die direkten Wortbeiträge der Protagonisten beachtet. Schon in der Einführung wirkt Martin Lichtmesz, stilecht in einem verwaisten Café sitzend, mehr als elektrisierend, wenn er mit Nachdruck fordert: „Wir müssen das Steuer umlegen, und zwar so bald wie möglich!“ Alle Gesprächsauszüge wirken kraftvoll und selbstbewußt, fast schon ein wenig spielerisch. Innerlich müssen die 3sat-Büttel getobt haben: Die „wahren, guten und schönen Rechten“ bekennen sich freimütig zu ihrem Sosein, erhobenen Hauptes und ohne Furcht. An diesen Stellen ist die Reportage wirklich erbaulich.

So oder so: An 3sat wird die „Neue Rechte“ sicher nicht zugrundegehen. Ich selbst habe die Sendung gemeinsam mit meinen weniger politisierten Eltern angesehen, und nach einigen nachträglichen Richtigstellungen von meiner Seite blieb bei ihnen von der anfänglichen Ablehnung nur die Freude, einen kurzen Einblick in mein Betätigungsfeld gewonnen zu haben. „Gefährliche Denker“ sind Kubitschek, Kositza, Lichtmesz und Menzel zwar, aber nur für solche, die meinen, Deutschland für dumm verkaufen zu können – zum Beispiel die Redaktion der „Kulturzeit“.

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