Wem gehört die Melone?

Welche zwei Dinge gehören jeweils zusammen? Melone, Hacke, Kartoffel, Messer. Die Antwort, die der Intelligenzforscher hören möchte, lautet: Melone und Kartoffel – Hacke und Messer.

Der Intelligenzforscher ist anscheinend Vertreter einer aristotelisch geprägten Ontologie, die das Seiende in bestimmte „an sich“ bestehende Bereiche unterteilt, etwa in Naturprodukte und menschliche Artefakte. Ist nun der Vertreter eines Pragmatismus notwendigerweise dümmer, weil er der Auffassung ist, daß man die Melone mit dem Messer schneidet und die Kartoffel mit der Hacke ausgräbt?

Schließlich ist die philosophische Entwicklung des Abendlandes – oder vielleicht sollte man sagen: des indoeuropäischen Raumes – global gesehen eher ein Sonderweg und der Pragmatismus die Regel. Trotzdem führen zweifelhafte Intelligenztests, in denen derart kulturabhängige Fragen vorkommen, bei ethnologischen Untersuchungen zu Ergebnissen, die dem Spiegel weniger willkommen wären als diejenigen der Studie von Satoshi Kanazawa, der bei Jugendlichen, die sich selbst als konservativ oder religiös bezeichnen, eine geringere Intelligenz als bei solchen mit progressiver und areligiöser Selbstzuschreibung festgestellt haben will.

Beim Geschlechtervergleich sind die absoluten Unterschiede gering

Kanazawas IQ-Differenzen entsprechen ungefähr denen, die auch zwischen Frauen und Männern gemessen werden, und sind deutlich weniger signifikant als diejenigen zwischen Farbigen und Weißen in den Vereinigten Staaten oder zwischen türkischen Einwandererkindern und ihren deutschen Altersgenossen. Beim Geschlechtervergleich sind die absoluten Unterschiede gering (Männer haben einen Vorsprung von rund vier Prozent), die relativen hingegen hoch, und zwar sowohl hinsichtlich der Ergebnisse in einzelnen Kompetenzgebieten (Logik und Mathematik, sprachliches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen) als auch bezogen auf die Abweichung vom Durchschnitt: Unter Männern gibt es bekanntlich viel mehr Schulversager und „Schwachsinnige“, aber eben auch mehr Genies.

Die unterschiedlichen Leistungen zwischen Angehörigen verschiedener Ethnien wurden trotz aller Political Correctness häufig und natürlich sehr kontrovers diskutiert und sind allgemein bekannt. Nur unverbesserliche Sozialpädagogen können meinen, alle Menschen werden gleich, wenn man nur genug Geld aus Füllhörnern über ihnen ausgießt; und doch sei hier nicht in das Horn von den Unterschieden zwischen den „Rassen“ gestoßen.

Entscheidend ist der kulturelle Faktor, der jedoch auf die „Begabungsprofile“ von Ethnien zurückwirken kann, wenn er über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende bestimmte Selektionsmaßstäbe und -vorteile schafft. So haben westeuropäische Juden aufgrund des Zusammenwirkens von ausgeprägter Schriftkultur und lange Zeit eingeschränktem Zugang zu Berufen, in denen eine höhere Intelligenz keine wesentlichen Vorteile verschaffte, eine erhöhte Intelligenz; und eine ähnlich vorteilhafte Wirkung hatten bei „white anglo-saxon protestants“ und asiatischen Immigranten kulturelle Hintergründe, die der Verantwortung des Einzelnen breiten Raum gaben und Leistungen honorierten (calvinistisches Leistungsdenken beziehungsweise buddhistischer Selbsterlösungsgedanke).

Der eine greift zum Messer, der andere steht sinnend abseits

Fatalistisch geprägte Kulturen, die – wie insbesondere der Islam – eine absolute Differenz zwischen einem allmächtigen Gott und einem machtlosen Ich behaupten, Individualität, Fleiß und persönlichen Erfolg geringschätzen und die Aufgabe des Einzelnen vor allem in der Unterordnung unter religiös begründete, unveränderliche Gesetze sehen, sind für Hochbegabte kein förderliches „Biotop“, so daß es über Generationen hinweg zur „genetischen Implementierung“ ursprünglich rein kultureller Faktoren kommen muß.

Letztlich ist doch entscheidend, wie wir die Welt sehen, und unsere Sichtweisen wirken auf unser Sein zurück. Der eine greift zum Messer, haut die Melone in Stücke und hackt die Kartoffeln aus der Erde; der andere steht sinnend abseits, schaut zu und unterteilt die Dinge in solche, die von selber wachsen, und solche, die Menschen erst herstellen müssen.

Und weil der Denker dabei „nichts Gescheites“ arbeitet, ist er darauf angewiesen, daß der Zupacker ihm ein Stück Melone abgibt oder daß die Gesellschaft seine Muße duldet. In archaischen Kulturen ist zweckfreies Denken ein seltener Luxus, und doch können sich die Verhältnisse so sehr ändern, daß dem Zählenden und Wägenden irgendwann die Melonen gehören.

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