Versöhnung braucht keine Wahrheit

„Versöhnung braucht Wahrheit“, diesen Satz kann man derzeit wieder viel hören. Dazu gesellen sich Überschriften wie, „Offener Dialog ist eine Stärke“ und: „Wer europaweite Annäherung wünscht, der darf schwierige Themen nicht tabuisieren und muß sich auf die Sicht des anderen einlassen.“

Solche schwierigen Themen sind besonders im Bereich der Geschichtspolitik zahlreich zu finden. Auch in diesem Jahr wieder wird beispielsweise das schwierige Thema der staatlich geförderten und organisierten polnischen Ausschreitungen gegen die Deutschen auf dem Staatsgebiet der Republik Polen im Sommer 1939 in keinem offenen Dialog erörtert werden. Diese Vorgänge gehören zu den Tabus, die ganz besonders eifrig von denen gehütet werden, die in ihren Broschüren den Abbau von Tabus fordern.

Das läuft in der Praxis auf die Förderung von Ressentiments gegen die damaligen Deutschen durch die heutige deutsche Geschichtspolitik heraus. Wer damals im Jahr 1939 so ganz und gar ohne Ursache zur Waffe gegriffen und Nachbarstaaten überfallen haben soll, kann nur ein gemeinsames Feindbild abgeben, auf dessen Sicht man sich auf gar keinen Fall einlassen darf. Das ist sicher nicht ganz ohne Absicht so gestaltet worden. Hier soll „Versöhnung“ offenbar in gemeinsamer Ablehnung der Deutschen von 1939 durch Polen und Deutsche von 2009 stattfinden.

Phantasiegeschichte statt historische Tatsachen

Wie das funktioniert, war innerdeutsch ganz beispielhaft bei den Reemtsmaschen Wehrmachtsausstellungen zu sehen. Dort entwickelte sich in den Diskussionsgruppen am Rand der Ausstellung geradezu ein Haß der Jungen gegen anwesende Veteranen, die etwa einwendeten, dies oder das sei gar nicht wahr oder blende Ursache und Wirkung aus. Solches will man buchstäblich nicht hören. Um diesen Effekt zu übertragen, hat das Deutsche Historische Institut Warschau dann eine eigene Ausstellung über angebliche Wehrmachtsverbrechen in Polen nachgeschoben, die in ganz Polen und in Deutschland gezeigt wurde.

Das wissenschaftliche Niveau dieser Ausstellung war katastrophal – wenn man davon ausgeht, es solle die Vergangenheit gezeigt werden, wie sie war. Das führt zur Frage nach dem Wahrheitsbegriff, der hier der Versöhnungsabsicht zugrunde liegt. In der Bundesrepublik scheint sich eine radikale Variante von Jürgen Habermas´ Wahrheitsbegriff durchgesetzt zu haben, wonach die Wahrheit aus der offenen Kommunikation und dem gesellschaftlichen Nutzen hervorgehe. Daraus ließe sich ableiten, daß wahr ist, was die Mehrheit als wahr und politisch nützlich ansieht.

Demnach war die Erde tatsächlich eine Scheibe, als dies alle glaubten. Auf dieser Basis ist man in der Geschichtspolitik derzeit anscheinend der Meinung, daß Versöhnung keine von historischen Tatsachen belegte Wahrheit braucht. Eine gemeinsam geglaubte Phantasiegeschichte könnte es auch tun.

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