Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Ulla

Grau ist alle Politik in Deutschland. So grau, daß nicht einmal die Skandale ihr ein paar Farbtupfer aufsetzen können. Grau wie Frau Schmidt eben. Die einstige K-Gruppen-Aktivistin, zwischenzeitliche Milieukellnerin und Bundesgesundheitsministerinnendarstellerin, die sich auf Urlaub in, natürlich, Spanien den S-Klasse-Daimler klauen läßt: Es ist ein Graus.

Können unsere Politiker nicht mal richtige Skandale produzieren? Sich auf Jet-Set-Touren mit den Schönen, Reichen und Strippenziehern der Welt umgeben, wie der französische Staatspräsident? Als ewiger Stenz den Satyr an der Staatsspitze geben, wie der Italia-Silvio? A bisserl was geht allerweil, aber in Deutschland geht nur Mittelmaß.

Die piefige Phantasielosigkeit deutscher Politiker beim Ausnutzen von Position und Privilegien ist verräterisch. Die Ulla Schmidts, Rita Süssmuths und Cem Özdemirs dieser Republik, all die Bonusmeilen- und Dienstwagenmogler, Spenden-, Spesen- und Pensionskassenschummler, sie haben offensichtlich kaum einen Begriff von der Würde und Bedeutung ihrer Ämter, der über die Schweinchen-Schlau-Mentalität des Durchschnitts-Bundesrepublikaners hinausgeht.

Nur Schröder ragte ein wenig heraus

Ein wenig mogeln und tricksen, Vorteile mitnehmen, wo sich’s anbietet und ohne große Mühe und Aufsehen machen läßt, da ein bißchen die Steuererklärung oder Spesenabrechnung frisieren und dort im Vorbeigehn noch ein Subventiönchen einsacken, immer Augen und Ohren aufsperren, damit man bloß kein Schnäppchen verpaßt und auch ja nicht aneckt, so läßt es sich bequem durchs Leben kommen. Wir haben wohl schon die Politiker, die wir verdienen, im Durchschnitt, versteht sich.

Allenfalls Gerhard Schröder ragte ein wenig aus dieser Mediokrität heraus. Der Mann, der als Kanzler richtungweisende außenpolitische Marken gesetzt hat, ist auch bei der persönlichen Vorteilsnahme ganz groß eingestiegen – im ersten Kreis der Kreml-Oligarchie, wo er nicht nur gut verdient, sondern auch politisch noch ein Rädchen mitdrehen kann.

Verwalter statt Kapitäne

Wer Macht nicht zu gebrauchen versteht, der weiß sie auch nicht zu mißbrauchen – der Befund ist fatal und beruhigend zugleich. Stimmt schon, typische deutsche Skandale vom Ulla-Schmidt-Kaliber entlocken leidgeprüften Südländern, Osteuropäern oder Orientalen allenfalls ein belustigtes „Daß-man-sich-über-sowas-überhaupt-noch-aufregen-kann“. Ist das ein Trost?

Die Klasse der Politikverwalter und die nach Harmonie und Harmlosigkeit dürstende Konsumenten-Masse, sie sind sich stillschweigend einig, vor allem nach dem eigenen Wohl zu schauen und sich und andere nicht mit strategischem Weitblick und gestalterischer Willenskraft zu plagen. In windstillen Zeiten ist mit so einer Einstellung ja auch gut durchwursteln.

Bei schwerer See hätte man denn doch lieber Kapitäne auf der Brücke, die führen können, wissen, was sie tun, und dabei zuerst an Schiff und Mannschaft denken. Die ein oder andere menschliche Schwäche nähme man dafür dann gern in Kauf.

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