Schavans leeres Füllhorn

Im aufkommenden Wahlkampf geht offenbar alles. Kein Versprechen ist zu absurd, um nicht gemacht zu werden. So hat man sich schon daran gewöhnt, angesichts des größten Schuldenbergs und der größten Neuverschuldung aller Zeiten trotzdem von manchen Parteien mit der Aussicht auf Steuersenkungen veralbert zu werden. Nun schien der Bildungssektor dranzukommen.

Vor kurzer Zeit gab es den bundesweiten Bildungsstreik der Studenten und natürlich sind auch Studenten schließlich beachtenswerte Wähler. Drei Wochen danach lud Bundesbildungsministerin Annette Schavan von der Union nun also am Dienstag zwanzig Studentenvertreter, Rektoren und Kultusminister nach Berlin zu einem runden Tisch ein, über die Probleme bei der Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge im Rahmen der Bologna-Reform.

Bisher gab es solche Probleme aus dem Blickwinkel der Politiker nur als Mißverständnis oder fehlende Umsetzung gutgemeinter und selbstverständlich alternativloser europäischer Vorschriften. Schließlich kommen diese Vorschriften aus Brüssel und sind damit hierzulande ohne Änderung umzusetzen.

Auch der Wahlkampf hat Grenzen

Da ändert es auch gar nichts, wenn die Bologna-Reformen an den Hochschulen fast einhellig abgelehnt werden. Dabei geht es nicht um Mißverständnisse, sondern nach überwiegender Ansicht um grundsätzliche Fehler im Konzept.

Wie so häufig drückt die EU mißglückte Konzepte in die tägliche Praxis nach unten durch, statt sich gemäß dem angeblich hochgehaltenen Subsidiaritätsprinzip zurückzuhalten. Insbesondere die Arbeitgeber reagieren völlig humorlos und stellen Bachelor-Absolventen so gut wie gar nicht ein, ein Fall für das Antidiskriminierungsgesetz scheint sich anzubahnen.

Frau Schavan wird nach allem Ermessen nicht zu jenen gehören, die im Oktober nach der Wahl vor die Kameras treten, um sowohl die dann eingetretene Opel-Pleite als auch die in Fachkreisen längst kolportierte Mehrwertsteuererhöhung auf 25 Prozent zu kommentieren.

Die Leitung der Konrad-Adenauer-Stiftung hat es ihr angetan, wie man hört. Da ist es fast schon konsequent, wenn die großen Versprechensblasen am Runden Tisch  Dienstag offenbar ausgeblieben sind. Auch der Wahlkampf hat irgendwo Grenzen.

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