Dichtung und Wahrheit der RAF

Das frühere Mitglied der Roten Armee Fraktion, Verena Becker ist verhaftet worden. Als erster Eindruck erscheint diese Nachricht zunächst unzeitgemäß zu sein. Längst hatten doch die RAF-Terroristen entweder ihre Strafe abgesessen oder mittels Gnade die Entlassung aus dem Gefängnis geschafft. Danach folgte häufig der Sprung in die Talkshowsessel und auf die Interviewseiten der großen Gazetten.

Dort konnten sie die eigenen Biographien in Dichtung und Wahrheit ausbreiten, Filme über sich kommentieren und gelegentlich in immer neuen Wendungen die früheren Genossen als Mittäter bei dieser oder jener Aktion bezeichnen. Juristische Folgen hatte das schon lange nicht mehr.

Es blieb bei dem Stand der siebziger und achtziger Jahre, als die genauen Tatumstände besonders der Morde an Generalbundesanwalt Buback und Arbeitgeberpräsident Schleyer unaufgeklärt blieben und die Beteiligten lediglich pauschal wegen Mitgliedschaft in terroristischen Vereinigungen und vage nachgewiesener Mittäterschaft an den offen zugegebenen Einzeltaten dieser Vereinigungen verurteilt wurden. Damit schien die Sache erledigt zu sein.

Empörter Widerspruch des linken Sympathisantenmilieus

In der bundesdeutschen Öffentlichkeit führten außer den Tätern oft weiterhin diejenigen das Wort, die den Terror der RAF als bewaffneten Kampf gegen ein angeblich latent faschistisches Regime in der Bundesrepublik mehr oder weniger offen rechtfertigten. So fand Daniel Cohn-Bendit es angemessen, Schleyer nach seiner Ermordung in die Nähe von Reinhard Heydrich zu rücken, mit dem Schleyer damals 1942 in Prag regelmäßig im Auto gesessen habe.

Das stimmte zwar nicht, stellte aber die RAF in die Nähe eines Kampfes gegen den Nationalsozialismus und legitimierte sie insofern vor der Öffentlichkeit. Wer nun gedacht hatte, diese Zeiten seien ebenalls lange vorbei, mußte sich 2007 bei den Gnadendebatten über Christian Klar eines anderen belehren lassen.

Die Feststellung, daß Gnade etwas mit einer im Fall Klar nicht vorliegenden Reue zu tun haben müsse, traf auf empörten Widerspruch des linken Sympathisantenmilieus, das selbst im Grunde gar nichts bereut, sondern den radikalen Zeiten eher hinterhertrauert. Auch ein Stefan Aust mußte nach seiner Buchveröffentlichung über den „RAF-Komplex” angesichts eingeworfener Scheiben im eigenen Haus feststellen, daß die Zeit für eine Historisierung des Themas noch nicht reif sei – anders als von ihm erwartet.

Ob sich nun die Verhaftung der – 1989 ebenfalls begnadigten – Verena Becker als ein Stich ins Wespennest auswirken wird, bleibt abzuwarten. Das nötige linksextremistische Gewaltpotential dafür gibt es jedenfalls.

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