Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Demokratieweltmeister

Was eine „Demokratiemeile“ ist, das habe ich mich auch gefragt. Offenbar ist es das, was am vergangenen Sonntag auf der Straße des 17. Juni in Berlin zu finden war: Laute Technomusik, eine Bier- und Wurstbude nach der anderen und zwischen drin leere Stände der verschiedenen Bundesländer und -ministerien. Offenbar ist dies die richtige Art, sechzig Jahre Bundesrepublik zu feiern.

Wenn ich nicht schon so lange in Deutschland leben würde, wäre mir auf dieser Festmeile nicht klar geworden, was man dort eigentlich feierte. Dennoch konnte ich auch erahnen, wie es den ganzen ausländischen Touristen ergangen sein muß, die dort an diesem Tag vorbeikamen. Falls sie mitbekommen haben, daß hier der sechzigste Geburtstag der Republik gefeiert wurde, dann dürfte für sie Deutschland künftig aus Biersaufen, Loveparade und „Toleranz“ bestehen.

Unwürdig und peinlich ist das, und traurig. Statt die Nation zu feiern, feiern die Deutschen Demokratie. Volksherrschaft ist ja ganz gut – nicht, daß man mir hier noch Demokratiefeindlichkeit vorwirft. Aber ist sie wirklich das Einzige, was von Deutschland noch übrig geblieben ist? Ist Demokratie die Quintessenz dieser uralten Nation?

Demokratie gilt nicht für jeden

Mag sein. Aber sein Land und seine Nation kann man auch feiern, ohne ständig die Staatsform zu betonen. Nichts auf diesem Volksfest sorgte für patriotische Gefühle. Und das lag nicht nur an der Siegespose des riesigen Rotarmisten oben auf dem sowjetischen Ehrenmal unweit dem Brandenburger Tor. Spätestens beim Anblick des Standes „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ verging einem jeglicher Stolz auf dieses Land.

Es scheint so, daß mit allen Mitteln versucht wird, die Deutschen zu einem unpatriotischen Volk zu erziehen. Stolz auf das Grundgesetz, das soll jeder Deutscher sein. Demokratieweltmeister!

Nur all zu weit ist es mit Toleranz und Demokratie eben auch nach sechzig Jahren Bundesrepublik noch nicht: Auf großen Tafeln konnten Festbesucher die verschiedenen Grundgesetze kommentieren. Bei Meinungsfreiheit hatte jemand geschrieben: „Nicht jede Meinung kann toleriert werden!“ und „Dieses Recht gilt nicht für NPD und DVU“.

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