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JF-Serie „Schlachtorte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg“: Krim 1944: Hitlers Haltebefehl kostete Zehntausende das Leben

JF-Serie „Schlachtorte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg“: Krim 1944: Hitlers Haltebefehl kostete Zehntausende das Leben

JF-Serie „Schlachtorte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg“: Krim 1944: Hitlers Haltebefehl kostete Zehntausende das Leben

Russische Infanteristen ziehen auf der Krim an einem zerstörten deutschen Sturmgeschütz vorbei Foto: picture-alliance / akg-images | akg-images
Russische Infanteristen ziehen auf der Krim an einem zerstörten deutschen Sturmgeschütz vorbei Foto: picture-alliance / akg-images | akg-images
Russische Infanteristen ziehen auf der Krim an einem zerstörten deutschen Sturmgeschütz vorbei Foto: picture-alliance / akg-images | akg-images
JF-Serie „Schlachtorte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg“
 

Krim 1944: Hitlers Haltebefehl kostete Zehntausende das Leben

Je länger der Zweite Weltkrieg dauerte, desto ungünstiger wurde das Zahlenverhältnis für die Wehrmacht an den unterschiedlichen Fronten. An der Ostfront war seit dem Sommer 1943 und der gescheiterten Offensive bei Kursk die Initiative endgültig an die Rote Armee übergegangen. Mit ihren nachdrängenden Massen an Panzern und Infanterie erlaubten sie den deutschen Divisionen nicht mehr, geordnete Offensivaktionen zu beginnen. Angesichts der abgekämpften Landser und der immer weiter ausblutenden Truppen wären entsprechende Pläne ohnehin utopisch gewesen.

Statt dessen gab Hitler seinen Militärs immer wieder Haltebefehle für Städte und Stellungen gegen den übermächtigen Feind aus. Der Kampf um die Krim im April und Mai 1944 war ein solcher Fall. Bereits seit Ende 1943 hatten die Russen begonnen, über einen Brückenkopf im Ostteil der Halbinsel Kriegsgerät dorthin zu verlegen. Deutsche Generäle und auch der rumänische Diktator und Verbündete des Reiches, Ion Antonescu, erkannten die Gefahr für ihre dort stationierten Männer. Doch Hitler lehnte die Evakuierungsbitten zunächst ab. Erst als der sowjetische Angriff am 8. April begann, willigte er ein.

Die Russen gingen auch in dieser Schlacht nach dem bewährten Muster vor. Ein Granathagel brach aus ihren knapp 6.000 Geschützen (fast doppelt so viele die auf deutscher Seite) auf die Verteidiger nieder. Zudem flogen die dort eingesetzten 1.250 Flugzeuge (Verhältnis ungefähr 9:1 zugunsten der Sowjets) schwere Luftangriffe und verstärkten das Inferno. Nach zweieinhalb Stunden berannten Infanteristen mit Panzerunterstützung die deutschen und rumänischen Stellungen.

Sewastopol hielt zunächst stand

Am Morgen des 10. April landeten weitere russische Soldaten im Rücken der Deutschen südwestlich von Kurajewka. Dadurch waren die Landser zum Rückzug auf die Linie am Staroje-See gezwungen. Der etwa zeitgleiche Versuch deutscherseits, auf der Halbinsel Kertsch eine neue Front zu errichten, schlug fehl und die gleichnamige Hafenstadt fiel am 11. April in russische Hand. Den Deutschen und Rumänen blieb in der aussichtslosen Lage nur der Rückzug auf die Festung Sewastopol.

Dort verschanzten sich die auf der Krim verbliebenen Einheiten und erwarteten die Russen. Als diese am 15./16. April eintrafen, waren sie überrascht, noch Verteidiger vorzufinden – hatten sie doch mit der Flucht ihrer Feinde gerechnet. Erste sowjetische Angriffe am 19. und 23. April konnten noch abgeschlagen werden.

Um ihre Einheiten neu so formieren und zu verstärken, warteten die russischen Befehlshaber einige Tage ab. Erst am 5. Mai gingen die Rotarmisten wieder gegen das Verteidigungsbollwerk vor. Ein Großangriff am 7. Mai, vorgetragen mit schwerer Luftunterstützung, brachte schließlich einen Frontdurchbruch von neun Kilometern Breite. Zwei Tage später gelang es den angreifenden Russen, in das Stadtgebiet von Sewastopol einzudringen und dieses zu besetzen.

Rotarmisten stürmen das Hafengelände von Sewastopol auf der Krim Foto: picture-alliance / akg-images | akg-images
Rotarmisten stürmen das Hafengelände von Sewastopol auf der Krim Foto: picture-alliance / akg-images | akg-images

Zehntausende Deutsche und Rumänen fielen

Die verbliebenen Deutschen und Rumänen zogen sich unter schweren Verlusten auf Kap Chersonnes zurück. Dort zerschlugen sich jedoch ihre Hoffnung, doch noch evakuiert zu werden. Schließlich gingen die letzten Soldaten der verbündeten Diktaturen in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Die Krim war verloren.

Die zu spät angeordnete Evakuierung der ukrainischen Halbinsel hatte Zehntausenden Landsern das Leben gekostet. Historiker gehen davon aus, daß zwar 45.000 deutsche und rumänische Soldaten von der Krim geholt werden konnten. Hinzu kamen demnach noch 16.000 Ostlegionäre und 3.800 Kriegsgefangene.

Als schließlich das sturmreif geschossene Sewastopol aufgeben wurde, starben von den abziehenden rund 100.000 Mann noch 31.700 Deutsche und 25.800 Rumänen. Zudem ging sämtliche Ausrüstung inklusive schwerer Waffen verloren.

Krim-Verlust war weitere Niederlage

Die russischen Verluste beliefen sich laut offiziellen Quellen auf 85.000 Soldaten, wovon 18.000 starben. Allerdings sind sowjetische Angaben vor dem Hintergrund der zuvor horrend hohen Zahlen mit Vorsicht zu betrachten.

Die sowjetische Rückeroberung der Krim war eine weitere Niederlage für das Deutsche Reich. Doch noch standen seine Armeen auf dem Gebiet der heutigen Ukraine und verteidigten sich.

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Hier finden Sie die weiteren Teile der JF-Serie „Schlachtorte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg“:

Erster Teil: Kesselschlacht bei Uman: mit den Verbündeten weiter nach Osten. 

Zweiter Teil: Kampf um Kiew1941: „Stehen, halten und notfalls sterben.“

Dritter Teil: Verlustreicher Kampf um Odessa.

Vierter Teil: Charkow 1942: Stalins Generäle sterben den Soldatentod.

Fünfter Teil: Fall Blau: Die Wehrmacht verkalkuliert sich.

Sechster Teil: Über den Don bis Stalingrad.

Siebter Teil: Charkow 1943: „Das Reich“ schlägt zurück.

Achter Teil: Letzte Schlacht um Charkow: Rückzug trotz Abwehrerfolgen.

Neunter Teil: Krim 1944: Hitlers Haltebefehl kostete Zehntausenden das Leben.

Zehnter Teil: Sommeroffensive 1944 bringt Sowjets die Kontrolle über die Ukraine.

Russische Infanteristen ziehen auf der Krim an einem zerstörten deutschen Sturmgeschütz vorbei Foto: picture-alliance / akg-images | akg-images
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