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Nahrungsmittelproduktion: Der grüne Futterneid: Konkurrenzkampf um das Getreide

Nahrungsmittelproduktion: Der grüne Futterneid: Konkurrenzkampf um das Getreide

Nahrungsmittelproduktion: Der grüne Futterneid: Konkurrenzkampf um das Getreide

Wie geht es weiter mit dem Getreideanbau, wenn die EU brach liegende Flächen verlangt? (Symbolbild) Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Ernst Weingartner
Wie geht es weiter mit dem Getreideanbau, wenn die EU brach liegende Flächen verlangt? (Symbolbild) Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Ernst Weingartner
Wie geht es weiter mit dem Getreideanbau, wenn die EU brach liegende Flächen verlangt? (Symbolbild) Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Ernst Weingartner
Nahrungsmittelproduktion
 

Der grüne Futterneid: Konkurrenzkampf um das Getreide

Die Ukraine-Krise ist nicht nur am Zapfhahn an der Tankstelle angekommen, sondern auch auf unseren Tellern. Neben den steigenden Energiepreisen, die die Produktion und Verarbeitung von Nahrungsmittel verteuern, sind es nun auch die begrenzten Anbauflächen, die der deutschen Nahrungsindustrie zu schaffen machen. In Deutschland wird deswegen kaum jemand Hunger leiden müssen, aber in anderen Teilen der Welt wird der Getreidemangel ein existenzielles Problem werden. Klar ist, ein radikales Umdenken ist unausweichlich und es fängt bei der Politik an, die Landwirten und Verbraucher enge Korsette schnürt.

Nun hat sogar Greenpeace gefordert, sich vom Biosprit abzuwenden. Die Umweltschutzorganisation, sonst für spektakuläre und oft illegale Aktionen bekannt, hat die drohende Hungersnot erkannt und fordert deshalb die Bundesregierung auf, Biosprit per Verordnung zu verbieten. Dies möchte ich an dieser Stelle explizit honorieren: Wenn ein guter Vorschlag kommt, dann muß man das auch annehmen, egal von welcher Seite er kommt. Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace machte klar: „Frisches Öl wie Raps-, Soja- oder Palmöl gehören nicht in den Tank, sondern auf den Eßtisch“.

Da hat er meine volle Zustimmung, die Realität auf den Feldern sieht allerdings anders aus und setzt grünen Öko-Träumen Grenzen. Seine Forderung, das Getreide solle weniger für Tierfutter und mehr für Nahrungsmittel verwendet werden, muß allerdings wieder kritisch kommentiert werden. Denn man kann nicht einfach, nur weil es Greenpeace so will, Weizen anbauen, wo vorher Raps oder Mais gewachsen ist. Weizen stellt höhere Ansprüche an Klima, Boden und Wasserversorgung, als andere Getreidesorten – dies mag der gemeine Balkongärtner nicht verstehen.

Nutztiere futtern uns nichts weg

2019/2020 lag der Verbrauch von Brotgetreide in Deutschland bei rund 77 Kilogramm pro Einwohner. Getreide ist zugleich eines der Hauptfuttermittel für landwirtschaftliche Nutztiere. Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft werden in entsprechenden Betrieben in Deutschland täglich rund elf Millionen Rinder, 26 Millionen Schweine und 173 Millionen Geflügeltiere versorgt. Dabei stammen fast 90 Prozent der Futtermittel aus Deutschland. Nun futtern uns die Tiere nicht egoistisch unser Essen weg, die Nutztiere liefern ihrerseits auch Nahrung für den Menschen.

Dieses Konkurrenzdenken verortet man erwartungsgemäß eher bei Vegetariern und Veganern. Aber Rinder liefern nicht nur Fleisch, sondern auch die Milch, aus der Käse, Butter und Joghurt gemacht werden. Die Hühner legen die Eier, die in einer Vielzahl von Lebensmitteln verarbeitet werden.

Große Flächen liegen brach

Angesichts der bevorstehenden Engpässe erscheint es geradezu grotesk, daß eine EU-Auflage die Landwirte dazu zwingt, ab 2023 mindestens vier Prozent ihrer Flächen stillzulegen, wenn sie die Einkommensgrundstützung von der EU erhalten wollen. Bei Betrieben mit über 15 Hektar sind es sogar fünf Prozent. Das würde bedeuten, daß trotz der drohenden Nahrungsmittelknappheit ab diesem Herbst in der gesamten Europäischen Union vier Prozent der Ackerflächen nicht mehr angesät werden. Dabei geht es um rund 4,22 Millionen Hektar (ca. sechs Millionen Fußballfelder), die einfach nicht mehr zur Lebensmittelversorgung benutzt werden können. Nach dem EU-Durchschnittswert ergibt ein Hektar etwa sechs Tonnen Weizen. Laut „agrarheute“ könnte man damit den Importbedarf von Ägypten, Marokko, Tunesien, Algerien und Äthiopien abdecken.

Bauernverbände fordern deshalb, die Brachflächen wieder beackern zu dürfen und die restriktiven Umweltauflagen zu überprüfen. Bleibt zu hoffen, daß die Politik schnell und weise entscheidet. Berlin und Brüssel sollten auch langfristig denken: Denn wer kein Brot in Äthiopien oder Algerien bekommt, holt es sich hier in Deutschland.

Wie geht es weiter mit dem Getreideanbau, wenn die EU brach liegende Flächen verlangt? (Symbolbild) Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Ernst Weingartner
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