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Politische Virologie: Impfpflicht als Belohnungs-Zuckerl für die Braven

Politische Virologie: Impfpflicht als Belohnungs-Zuckerl für die Braven

Politische Virologie: Impfpflicht als Belohnungs-Zuckerl für die Braven

Impfpflicht
Impfpflicht
Hendrik Wüst (CDU) will die allgemeine Impfflicht als Zeichen an die bereits Geimpften Fotos: picture alliance / NurPhoto | Artur Widak / Screenshot: ARD / JF-Montage
Politische Virologie
 

Impfpflicht als Belohnungs-Zuckerl für die Braven

Die politische Begründung, warum man sich gegen das Corona-Virus impfen lassen soll, ist seit dem gestrigen Sonntag um eine Variante reicher. Nach Ansicht der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) müsse die Politik die allgemeine Impfpflicht beschließen, um ein Zeichen an diejenigen zu senden, die sich bereits hätten impfen lassen. So zumindest begründete er die geplante Maßnahme in der ARD-Talkrunde „Anne Will“.

„Sinn und Zweck (der geplanten Impfpflicht, Anm. d. Red.) ist, daß wir den Menschen signalisieren können, die alles getan haben in den letzten zwei Jahren, sich impfen lassen, die vorsichtig waren, die sich testen lassen, die Maske tragen. Jetzt sind die anderen dran, die sich bislang geweigert haben, damit wir alle gemeinsam wieder ein Stück mehr Normalität kriegen. Schritt für Schritt, aber ganz sicher im nächsten Winter nicht wieder in den nächsten Lockdown.“

Politische Virologie

Auf die verwunderte Nachfrage der Moderatorin, ob es nicht darum ginge, die Ungeimpften dazu zu bringen, sich impfen zu lassen, bekräftige Wüst, der immerhin Jurist ist, nochmals, es gehe um „ein Zeichen an die Geimpften: jetzt sind die anderen dran“.

Es gebe viele Menschen, die sich hätten impfen und boostern lassen und weiterhin vorsichtig seien aus Rücksichtnahme auf Nicht-Geimpfte. „Und jetzt müssen wir uns mal bitte liebevoll um die Nicht-Geimpften kümmern.“

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Wüsts Ausführungen sind nicht der erste Fall einer sogenannten politischen Virologie, bei der der eigentliche Gesundheitsschutz vor der Pandemie in den Hintergrund tritt. Erst im Dezember stellte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt bei Anne Will klar: „Wenn ich am Leben teilnehmen will, muß ich mich impfen lassen.“ Damit offenbarte die Grünen-Spitzenpolitikerin, daß die Entscheidung, ob man sich impfen läßt oder nicht, schon längst keine freie und persönliche und ausschließlich medizinisch begründete mehr war.

Jetzt geht es um Impfgerechtigkeit

Galt anfangs noch, man solle sich impfen lassen, um sich nicht mit Corona zu infizieren oder einen schweren Verlauf abzuwenden, wurde die Impfung schon bald zum moralischen Imperativ erhoben, um andere zu schützen. Doch in Zeiten eines abnehmenden Impfschutzes durch neu auftretende Varianten wie Omikron, einer wachsenden Zahl sogenannter Impfdurchbrüche und immer kürzeren Impfintervallen läuft auch diese Argumentation zunehmend ins Leere.

Also müssen nun eben alle, die sich bislang den Vakzinen von Biontech und Co. verweigert haben, mittels einer Impfpflicht zu ihrem Glück gezwungen werden. Ob diese medizinisch sinnvoll sowie pandemisch notwendig ist und zudem verfassungsrechtlich Bestand hat, steht dabei auf einem anderen Blatt. Jetzt geht es um Impfgerechtigkeit. Hauptsache, niemand kommt ins Grübeln oder fühlt sich am Ende gar als Verlierer, nur weil der ungeimpfte Nachbar oder Kollege die Pandemie ebenfalls überlebt hat.

Hendrik Wüst (CDU) will die allgemeine Impfflicht als Zeichen an die bereits Geimpften Fotos: picture alliance / NurPhoto | Artur Widak / Screenshot: ARD / JF-Montage
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