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Trophäe des Grimme-Preises: Haltung statt Kreativität Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto | Revierfoto
Trophäe des Grimme-Preises: Haltung statt Kreativität Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto | Revierfoto

Auszeichnung für TV-Produktionen
 

Grimme-Preis: Wer braucht Kreativität, wenn er Haltung hat?

Die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach, deren Einrichtung jährlich die gleichnamigen Fernseh-Preise vergibt, jubelt. „Das Preisjahr 2021 offenbart einen kreativen Schub und zeigt bemerkenswert, was das Fernsehen der Gegenwart leisten kann. Bekannte Stereotype werden an vielen Stellen aufgebrochen, gewohnte Pfade verlassen und Bewährtes weiterentwickelt“, kommentierte sie die diesjährigen Preisträger, die am Dienstag bekannt gegeben wurden.

Wer an dieser Stelle wahrlich überraschendes, innovatives Fernsehen erwartet, dem sei versichert: Ganz so aufregend war es doch nicht. Daß die Ehrungen unter anderem an Berichte über Flüchtlinge an den Außengrenzen Europas, den Fall George Floyd oder über sexuelle Belästigung im Internet gehen, ist nun wahrlich nicht unerwartet.

Die WDR-Journalistin Isabel Schayani erhielt ihren Preis für ihre Berichte aus dem griechischen Flüchtlingslager Moria. In der Begründung wird ihre „kompetente, empathische und im deutschen Journalismus singuläre Berichterstattung“ betont. Schayani übersetze nicht nur von einer Sprache in die andere, sondern auch von einer Lebenslage in die andere.

Sendung zu Fall George Floyd beschert Kebekus einen Preis

Man sollte meinen, letzteres, sei schlicht die Kernaufgabe eines Reporters vor Ort. Anderenfalls könnte er schließlich auch aus dem Hotelzimmer im Nachbarland oder aus dem heimischen TV-Studio seine Einschätzung geben.

Weil sie das Publikum durch ihre Unberechenbarkeit überrascht und herausgefordert habe, ging einer der Preise in der Kategorie Unterhaltung an die Komikerin Carolin Kebekus und ihre gleichnamige Show. Sie hatte zum Tod des Afroamerikaners George Floyd einen Rassismus-„Brennpunkt“ in einer ihrer Sendungen gesetzt. Dort beklagten sich unter anderem prominente Schwarze über Alltagsrassismus in Deutschland; mit dabei war auch Malcom Ohanwe.

Betrachtet man die mediale Aufmerksamkeit rund um den Fall und insbesondere die Reaktionen darauf in der Unterhaltungsbranche, sei die Frage gestellt, wie überraschend es war, daß auch eine deutsche Komikerin das Thema aufgriff?

Aber Schwamm drüber, wenn die Haltung stimmt, kann das ruhig zu Lasten der anderen selbstgesteckten Kriterien gehen. Das erklärt dann auch die „Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschulverbands“ (DVV), der den Grimme-Preis stiftet, für „Tagesthemen“-Moderatorin Carmen Miosga.

Corona-Berichte erhalten ebenfalls einen Grimme-Preis

DVV-Präsidentin und Verteidigungsministerin, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), erklärte: „In Krisenzeiten ist seriöser, aufklärerischer und Orientierung gebender Nachrichten-Journalismus ganz besonders gefragt.“ Was das unbedingt mit den „Tagesthemen“ zu tun hat, die in ihren Kommentaren bisweilen ihren „woken“ Antirassismus zelebrieren, bleibt wohl das Geheimnis der Christdemokratin. Aber geschenkt.

Natürlich ging es in diesem Preisjahr nicht ohne ein Lob für die Corona-Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen. Quasi stellvertretend für die zahllosen ungenannten Helden des Gebührenfernsehens durfte sich die Journalistin Mai Thi Nguyen-Kim für ihre Beiträge zur Pandemie in den Formaten „Quarks – Corona in fünf Minuten“ und „maiLab“ über die Auszeichnung freuen.

Das ist wohl auch im Sinne von WDR-Intendant Tom Buhrow, der im vergangenen Sommer schon den Wert des Zwangs-Pay-TV herausstellte und die geplante Beitragserhöhung rechtfertigte. So zeigt das Grimme-Institut auch dieses Jahr wieder: Egal ob Flüchtlinge, Rassismus oder neuerdings Corona, die richtige Haltung wird belohnt.

Trophäe des Grimme-Preises: Haltung statt Kreativität Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto | Revierfoto
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