Former Vice President Joe Biden, 2020 Democratic presidential candidate, speaks while his wife Jill...
Ex-Vizepräsident Joe Biden mit seiner Frau (links) und seiner Schwester (rechts) Foto: picture alliance / Photoshot
„Super Tuesday“

Zwischen Sozialismus und Senilität

Für Bill Clinton war es wie eine Wiedergeburt. Nach seinem schwachen Abschneiden beim Caucus in Iowa 1992, wo er nur 2,8 Prozent holte, ebnete ihm sein zweiter Platz in New Hampshire den Weg ins Weiße Haus und brachte ihm den Ruf eines „Comeback Kid“ ein. Sollte der frühere Vizepräsident Joe Biden am Ende die Nominierung der Demokraten erhalten, wird es ein anderer Primary-Staat sein, an den sich Historiker dereinst erinnern werden.

Bidens Sieg in South Carolina mit fast 30 Prozentpunkten Vorsprung vor Bernie Sanders am vergangenen Samstag kann man kaum hoch genug bewerten. Gleich zwei aussichtsreiche Konkurrenten, die wie Biden im Lager der eher Moderaten fischen, erklärten daraufhin ihren Rückzug und unterstützen Bidens Kandidatur. Der Grundstein für das starke Abschneiden des früheren Senators von Delaware am „Super Tuesday“.

Bloomberg wäre für Trump der gefährlichste Gegner

Vor allem im Süden holte er Erdrutschsiege. In Alabama gewann er mit 63 Prozent der Stimmen, in Virginia mit 52 Prozent. Hinzu kamen Erfolge in North Carolina, Oklahoma, Tennessee, Minnesota, Massachusetts, Arkansas und Texas – dem Staat mit der zweitgrößten Einwohnerzahl nach Kalifornien. Im „Golden State“ triumphierte Sanders. Allerdings werden dort aufgrund des proportionalen Systems auch Biden und der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg einige Delegierte mitnehmen.

Für Bloomberg war es ein schwarzer Abend. Ihm blieb nur der Trostpreis Amerikanisch Samoa, wo er den dortigen Caucus (Parteimitgliederversammlung) gewann. Auch für Elizabeth Warren markierte der „Super Tuesday“ das Ende aller Hoffnungen aufs Weiße Haus, nachdem es ihr noch nicht mal gelang, Massachusetts zu gewinnen – den Staat, den sie als Senatorin in Washington vertritt.

Für Präsident Donald Trump sind all dies gute Nachrichten. Sein gefährlichster Gegner wäre zweifelsohne Bloomberg gewesen. Der Multimilliardär verfügt nicht nur über schier unbegrenzte finanzielle Ressourcen, sondern könnte als ehemaliger Republikaner und jetzt als einziger die kapitalistische Wirtschaftsordnung verteidigender Demokrat Unabhängige ansprechen, die nicht im Traum daran denken würden, ihr Kreuz bei Biden oder gar beim demokratischen Sozialisten Bernie Sanders zu machen.

Biden verwechselte seine Schwester mit seiner Ehefrau

Republikaner blicken fast schon mitleidig auf das verbliebene Bewerberfeld der Demokraten. Als „Schlacht zwischen Sozialismus und Senilität“ bewertete der Vorsitzende der Republikanischen Partei von Texas, James Dickey, im Sender Fox News den Zweikampf zwischen Biden und Sanders.

Einen erneuten Beweis für Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit lieferte Biden noch in der Wahlnacht. Diesmal verwechselte er seine Schwester mit seiner Ehefrau. Zuvor war ihm mehrfach entfallen, in welchem Bundesstaat er sich gerade befand. Trump spottete: „Ich glaube, er weiß noch nicht mal, für welches Amt er sich bewirbt.“

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Es war nicht Bidens erster Aussetzer. Vor der Vorwahl in South Carolina erklärte er seinen Anhängern, er habe 2015 das Pariser Klimaabkommen mit dem chinesischen Präsidenten Deng Xiaoping ausgehandelt, der freilich bereits seit 1997 tot ist. Zudem phantasierte er von einer Verhaftung 1977 in Südafrika, beim Versuch, Nelson Mandela im Gefängnis zu besuchen. Später mußte er einräumen, daß es einen solchen Vorfall nie gegeben hatte. „Sie werden ihn in eine betreute Wohneinrichtung stecken, während andere das Land regieren“ zeichnete Trump das Szenario nach einem Biden-Triumph im November.

„Crazy Bernie“ fordert Regelreform

Schon in der kommenden Woche zieht der Troß weiter. Am nächsten Dienstag stehen unter anderem Vorwahlen in Michigan und Missouri an, die Woche darauf messen sich „Crazy Bernie“ und „Creepy Sleepy Joe“ (Trump) in so wichtigen Staaten wie Ohio, Florida, Arizona und Illinois.

Spätestens danach könnten die Demokraten mit einer Realität konfrontiert sein, die bei manchen ein Dejavu mit 2008 hervorrufen könnte. Damals gelang es weder dem späteren Präsidenten Barack Obama noch seiner Herausforderin Hillary Clinton eine Mehrheit der gewählten Delegierten auf sich zu vereinigen. Die Superdelegierten gaben damals den Ausschlag. Diese dürfen nach einer Regelreform erst in einem zweiten Wahlgang auf der Democratic National Convention in Milwaukee im Juli abstimmen, wenn kein Kandidat im ersten Wahlgang eine Mehrheit erringen konnte.

Es wird erwartet, daß sich diese Superdelegierten im Zweifel für Biden entscheiden werden. Sanders sieht diese Gefahr bereits am Horizont heraufziehen und forderte mehrfach eine erneute Änderung der Regeln. Seiner Meinung nach sollte die Mehrheit der aus den Vorwahlen hervorgegangenen Delegierten den Ausschlag geben, wer am 3. November Donald Trump herausfordern wird. Der kann sich in der Zwischenzeit entspannt zurücklehnen. In der Schlacht zwischen Sozialismus und Senilität wirkt er geradezu präsidentiell.

Ex-Vizepräsident Joe Biden mit seiner Frau (links) und seiner Schwester (rechts) Foto: picture alliance / Photoshot

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