Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Moria und ein politisch korrekter Nobelitaliener

Kaisers royaler Wochenrückblick

Die selbsternannten Guten haben sich in dieser Woche mal wieder von ihrer schlechtesten Seite gezeigt. Daß sie dabei immer schlimmer werden, bewies auf ebenso anschauliche wie schockierende Art und Weise die Schleppercrew von Sea-Watch. 

Daß die linksradikale Vereinigung nur wenig für Gesetze übrig hat, wußte man ja schon lange. Mittlerweile schrecken die angeblichen Lebensretter aber nicht einmal mehr vor der Glorifizierung lebensgefährdender Straftaten zurück. Über die Brandstiftung von Moria hieß es auf dem Twitter-Account der Organisation: „Wenn sie das Feuer selber legten, taten sie das einzig Richtige. Ein mutiger Akt. Ein Aufstand der Verzweifelten. Unsere Aufgabe ist es nun, ihnen beizustehen.“

 Das Zitat stammte aus einem Artikel der Schriftstellerin Mely Kiyak. Darin heißt es: „Entkorkt die Champagnerflaschen, serviert erlesene Häppchen, feiert! Es gibt einen Gott, Moria brennt.“ Und weiter: „Nun geifern sie wieder, die Rechtsextremen, die Faschisten, die Niederträchtigen in Menschengestalt: Die Flüchtlinge hätten die Feuer absichtlich gelegt, um europäisches Asyl zu erpressen. Na und, muß ihnen jeder anständige Demokrat entgegenschreien: NA UND? Wer grundlos eingesperrt ist, muß sich wehren, muß laut und sichtbar aufbegehren, oder seine Seele ist längst tot. Wessen Haus sich als Gefängnis entpuppt, der hat keine andere Wahl.“

Wenn „Haltung“ auf der Speisekarte steht

So viel Poesie für so wenig Geist kennt man sonst nur von den Bildunterschriften 16jähriger Emo-Mädchen auf Instagram. Wenn die Tochter kurdischer Einwanderer aus der Türkei, die 1998 deutsche Staatsbürgerin wurde, aber meint, die Wirtschaftsflüchtlinge in Moria hätten nur die „Möglichkeit des Feuers oder des Selbstmords“, ist das eine Terroristen-Prosa, die durchaus als Anstiftung zu weiteren Straftaten verstanden werden kann.

Ganz besonders gut fühlten sich vermutlich auch die Betreiber des Calice D’oro in Berlin. In dem italienischen Restaurant Unter den Linden gibt es nicht nur „gehobene italienische Cucina mit weißen Tischdecken und erlesenen Weinen in warmer Atmosphäre“ (Eigenangabe), sondern auch ganz viel Haltung. Als dort neulich der ehemalige AfD-Politiker Andreas Kalbitz einkehrte, wurde er von den Gastronomen mit den tischdeckenweißen Westen offensiv zum Gehen bewogen.

In dem Lokal saßen zu diesem Zeitpunkt offenbar mehrere politische Nachwuchskräfte der CDU. Diese waren so begeistert über das Erlebte, daß sie nicht anders konnten, als es öffentlich kundzutun. Die Erfurter CDU-Stadträtin Lilli Fischer twitterte in bester Antifa-Manier: „Ich möchte euch allen den Laden „Ristorante calice d‘oro“ Unter den Linden Berlin empfehlen. Die haben hier gerade Kalbitz und noch einen AfD Mann rausgeschmissen. Großartig! Ganz stark!“

Küche „gegen Rechts“

Auch ihr Parteifreund, der Büroleiter des Mannheimer Unions-Abgeordneten Nikolas Löbel, zwitscherte vergnügt: „Sitze Unter den Linden beim Italiener und die Kellnerin hat grade zwei Afdler, unter anderem Kalbitz, aufgefordert, zu gehen. Und also falls jemand gut und in entspannter Gesellschaft essen gehen will: Ristorante Calice D‘oro, unter den linden 39.“

 Die Aufmerksamkeit, die die beiden „jungen Konservativen“ für den Laden damit generierten, war so groß, daß sich die neuen Lieblingsverköstiger des jungen politischen Establishments offenkundig genötigt sahen, sich zu dem Vorfall selbst zu äußern. Auf einem allem Anschein nach extra dafür eingerichteten neuen Twitter-Account schrieb das Calice D’oro über seinen sehr speziellen Gruß aus der Küche: „Wir haben Herrn Kalbitz höflich darauf aufmerksam gemacht, daß seine Anwesenheit in unserer Gastronomie unerwünscht ist. Wir haben ihm die Bewertung dieser Aussage überlassen, worauf er unser Restaurant verlassen hat. Das war kein Rauswurf, sondern eine freie Entscheidung des Gastes“.

Politisch korrekte „Systemgastronomie“

Diese Formulierung könnte ein völlig neues Zeitalter einläuten. Eines in dem es kein Mobbing und keine No-Go-Areas mehr gibt, sondern nur noch Freiwilligkeit. Auch eine Neuinterpretation sämtlicher Ausbürgerungen aus der Zeit der beiden deutschen Diktaturen wird Dank der geschickten Wortwahl möglich. Letzten Endes haben – so könnte man nach der Logik des Berliner Edelitalieners sagen – all diese Menschen ja doch freiwillig entschieden, ihre Heimat zu verlassen, nachdem man ihnen deutlich gemacht hat, daß sie dort mit ihrer politischen Meinung unerwünscht sind.

Die Frage ist allerdings, ob es dann in Zukunft überhaupt noch irgendwelche Flüchtlinge geben kann? In jedem Fall hat das Calice D’oro dem Begriff „Systemgastronomie“ eine ganz neue Bedeutung verliehen.

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