AfD
AfD-Wahlparty am 24. September Foto: picture alliance/ dpa
Die AfD zieht in den Bundestag ein

Ein historischer Wahlabend

Das ist der Tag, auf den wir gewartet haben. Die AfD zieht in den Bundestag ein. Sie hat nach den letzten Hochrechnungen mehr als 13 Prozent der Stimmen gewonnen und wird sich als drittstärkste Kraft etablieren. Diejenigen, die über Wochen und Monate auf dieses Ergebnis hingearbeitet haben, können zufrieden sein, und mehr als zufrieden, bedenkt man, daß es einen vergleichbaren politischen Erdrutsch in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben hat.

Das mit dem Widerwillen gegen die Kanzlerschaft Merkels oder dem Unmut über die sogenannte „Flüchtlingskrise“ zu erklären oder mit der bleibenden Konjunktur des Populismus in den westlichen Ländern, greift zu kurz. Denn die dramatischen Verluste der Altparteien zeigen auch, daß die AfD eine Lücke füllt, die die Etablierten geschaffen haben: die SPD, indem sie die tatsächlichen Sorgen der kleinen Leute überging, die FDP, indem sie das Erbe des nationalen Liberalismus verriet sowie CDU und CSU, indem sie die Konservativen abdrängte und isolierte. Die AfD nutzte eine historische Chance, füllte ein Vakuum und formierte eine neue politische Kraft.

Die Antifa von der Leine gelassen

Erinnert man sich an das Gedankenspiel, das Michael Klonovsky vor fast zehn Jahren im Focus angestellt hat, als er das Programm einer neuen Partei rechts der Union entwarf, wird man feststellen können, daß seine Einschätzung, es gebe ein nach Millionen zählendes Potential für eine derartige Formation, die Sache traf. Was damals wie eine Utopie aussah, wird jetzt Realität. Die AfD hat das Zeug zur neuen Volkspartei und zur Schaffung eines Machtfaktors, an dem niemand mehr vorbeikommt.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, gegen welchen Widerstand dieses Ziel erreicht wurde. Die Einheitsfront reichte von den Altachtundsechzigern in jedem Gremium bis zum Nachtrab akademischer Bildung, von den Grünen bis zur NPD, von der Linken bis zur CSU, vom Führungspersonal der Kirchen bis zum Zentralrat der Muslime, von der ARD bis zum kleinsten Privatsender, vom Anzeigenblatt bis zu Bild, vom Neuen Deutschland bis zur Frankfurter Allgemeinen. Und das Establishment hat nicht nur die eigenen Kräfte mobilisiert, sondern auch die Antifa von der Leine gelassen, wenn es darum ging, handgreiflich zu werden, und halbstaatliche wie staatliche Organisationen eingespannt – etwa die Bundeszentrale für politische Bildung –, um diesen Feind zu bekämpfen.

Rasch, klug und konsequent

Ohne Erfolg! Was für die Urteilsfähigkeit und demokratische Reife des gemeinen Mannes spricht. Und von der AfD genutzt werden muß, indem sie sie rasch, klug und konsequent handelt:

  • rasch, weil der Gegner jedes Zögern nutzen dürfte, um Boden gut zu machen und die Fehler, wenn nicht zu korrigieren, dann doch zu kaschieren, die er über die letzten Jahre gemacht hat; schon heute Abend wird man beginnen, sich in Stellungen einzugraben, die man über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte als selbstverständliche Pfründe betrachtete;
  • klug, weil der parlamentarische Betrieb für die Neulinge die eine oder andere Falle bereithält und sie auf Hilfe der Etablierten nicht rechnen dürfen. Man wird die AfD-Abgeordneten auflaufen lassen, demütigen, schneiden und behindern. Das zu ertragen nach den Angriffen während des Wahlkampfes, bedarf eines erheblichen Maßes an Charakterstärke und Besonnenheit, zumal dann, wenn man nicht aus dem Blick verliert, daß der Erfolg, der jetzt errungen wurde, nur der erste Schritt sein kann, hin zum Aufbau einer breiten Sammlungsbewegung;
  • konsequent, weil der Sieg naturgemäß Begehrlichkeiten weckt, und die einen glauben, daß man nun jede Zurückhaltung fahren lassen dürfe und die anderen meinen, daß die entscheidende Qualifikation für ein Amt oder eine Funktion in der niedrigsten Mitgliedsnummer liegt. Es muß deshalb deutlich werden, daß Parteilichkeit für eine Partei legitim ist, aber nicht darin bestehen kann, die Pflege ideologischer Hobbies zu fördern, kompetente Neuzugänge wegzubeißen und sich in einer Subkultur einzurichten.

Diejenigen, die die Hauptlast des Wahlkampfes getragen haben, verdienten eine Ruhepause. Aber dafür ist keine Zeit. Die AfD hat noch keineswegs alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Ganz im Gegenteil. Die eigentliche Arbeit beginnt erst. Jetzt heißt es, Geschlossenheit wahren und die Kräfte anspannen. Jetzt gilts!

AfD-Wahlparty am 24. September Foto: picture alliance/ dpa

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