Kaviarproduktion
Kaviarproduktion: Steuergeld ist weg Foto: dpa

Meinung
 

Den Stör massieren und Hunderttausende kassieren

Die Firma „Vivace Caviar“ wollte in einer Fischfarm am Rande von Bremerhaven politisch korrekten Kaviar produzieren. Im Gewerbegebiet Loxstedt-Siedewurth sollte der Stör so schonend „gemolken“ werden, daß er die Prozedur überlebt. Das ist bislang nämlich das Problem der Kaviargewinnung: Der vom Aussterben bedrohte Urzeitfisch stirbt bei der Entnahme seiner Eier – des Kaviars. Nun sollte der teure Kaviar also schonender, nachhaltiger gewonnen werden: ganz fischfreundlich per Massage!

Vorteil: Der Stör überlebt und kann noch häufig Eier produzieren, die dann als Kaviar für bis zu 1.000 Euro pro Kilo verkauft werden. Eine schöne Idee, die um so glaubwürdiger war, weil es sich bei „Vivace Caviar“ um eine Ausgründung des renommierten Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven handelt. „Die Idee des Artenschutzes ist die Basis des Ganzen“, erklärte AWI-Professorin Angela Köhler der ARD. Eine Idee der „Stör-Freundin“ (taz), die allerdings zu schön war, um wahr zu sein: Tatsächlich behandelte man den Edelfisch mit Hormonen, die in Deutschland nicht einmal zugelassen waren.

Auch die Qualität der per Massage gewonnenen Fischeier ließ zu wünschen übrig. Branchenkenner fanden sie ungenießbar. Ergebnis: „Vivace Caviar“ ging 2015 mit zehn Millionen Euro Schulden in die Insolvenz. Besonders pikant: Kurz vor der Insolvenz förderte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium die bankrotten Fischmasseure noch mit 670.000 Euro Steuergeldern. Ein Grund für die Staatsanwaltschaft, jetzt Ermittlungen wegen Subventionsbetrugs einzuleiten. Der Bund der Steuerzahler will den Fall in sein Schwarzbuch aufnehmen.

Für den teuren Stör nimmt die Sache ebenfalls kein gutes Ende: Wegen der verabreichten Hormone darf er nur noch zu billigem Tierfutter oder Kosmetik verarbeitet werden.

Kaviarproduktion: Steuergeld ist weg Foto: dpa
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