Meinung

Moderne Pharisäer

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AfD-Sprecher Konrad Adam Foto: Imago/Jens Jeske

Als Bernd Lucke in seiner ersten Reaktion auf das knappe, für die AfD aber doch recht achtbare Wahlergebnis von einer Entartung der Demokratie sprach, wechselte ich mit Alexander Gauland, der neben mir stand, einen kurzen Blick.

Auch ohne jedes Wort war uns klar, was jetzt passieren würde und tatsächlich ja auch geschehen ist. Die Antifa, die weite Teile der etablierten Parteien und einen Großteil der Medien umfasst, hatte ihr Opfer gefunden und würde nun alles tun, es zu hetzen, zu stellen und zu zerreißen.

So kam es denn auch. Schon tags darauf sprach mich eine ZDF-Redakteurin, ganz Racheengel mit dem Flammenschwert, auf Luckes Lapsus an. Ich erwiderte, was ich in ähnlichen Fällen schon hundertmal gesagt habe: daß dies mein Sprachgebrauch nicht sei und sie etwas Ähnliches aus meinem Munde nicht zu hören bekommen werde. Die Nazis, fuhr ich fort, hätten doch auch andere Wörter der deutschen Sprache gekapert und mißbraucht: ob wir die denn nun alle meiden sollten oder müssten? Dann bliebe von der deutschen Sprache nicht viel übrig.

Verstoß gegen die politisch korrekt verlogene Sprache

Es nutzte nichts. Zusammen mit Bernd Lucke wurde ich haftbar gemacht für einen Verstoß gegen die politisch korrekt verlogene Sprache, wie sie in Deutschland Mode geworden ist, und in die rechte Ecke gestellt (die wegen Überfüllung längst geschlossen werden müßte!).

Da ich Bernd Lucke länger und besser kenne als Gesine Schwan, bin ich mir sicher, daß er von den ihm unterstellten Denkschablonen himmelweit entfernt ist. Die Vorkämpfer und Vorkämpferinnen für Meinungsvielfalt, Toleranz und Pluralismus wird das allerdings nicht beeindrucken: wer nicht so reden will wie sie, der hat zu schweigen.

Jeder, der in der Geschichte bewandert ist, kann und muß wissen, was die Nazis mit der deutschen Sprache angestellt haben, wie sie die Wörter verhunzt, entwertet und mißbraucht haben. Wie ist darauf zu reagieren, was ist daraus zu lernen?

Die Antifa lebt vom Dritten Reich wie die Fliege vom Kot

Vernünftigerweise doch nur dies: daß der Mißbrauch, einem alten lateinischen Diktum zufolge, den sinnvollen Gebrauch nicht ausschließt, im Gegenteil sogar nach ihm verlangt. Würde die allgegenwärtige Antifa ihren Namen ernstnehmen, müßte sie alles tun, um die deutsche Sprache von den Entstellungen (Entartungen darf man ja nicht mehr sagen) zu befreien, die ihr die Nazis aufgezwungen haben.

Das will die Antifa aber nicht. Und jeder weiß, warum: weil ihr der billige, der nachgeholte Widerstand gegen ein Regime, das es seit 70 Jahre nicht mehr gibt, Macht verleiht, Macht über die Sprache, Macht über das Denken und Macht über die Menschen. Die Antifa lebt vom Dritten Reich wie die Fliege vom Kot; ohne diese Nahrung müßten ihre Mitglieder verhungern. Sie stünden als die eitlen Pharisäer da, die sich vor laufender Kamera damit brüsten, nicht so zu sein wie dieser Zöllner.

Während sich die echten Pharisäer aber immerhin auf Taten berufen konnten, die sie für gottwohlgefällig hielten, geben sich ihre modernen Nachfahren mit bloßen Worten zufrieden. Die kosten nichts – und bringen alles.

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Dr. Konrad Adam, Jahrgang 1942, ist einer von drei Sprechern (Vorsitzenden) der Alternative für Deutschland (AfD).

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