Herr Hahne, …
Peter Hahne: Es tut mir leid, Sie unterbrechen zu müssen, lieber Herr Schwarz, aber ich fürchte, wir müssen das Interview abblasen.
Warum das?
Hahne: Weil ich mein Buch abgesagt und den Druck gestoppt habe.
Wie bitte?
Hahne: Ja, alles, was ich darin kritisiere, ist gegenstandslos, die Welt ist gerettet, die Probleme beseitigt, Deutschlands Zukunft gesichert. Denn vor wenigen Stunden hat die EU beschlossen: Plastikblumentöpfe werden zur Rettung des Weltklimas künftig verboten.
Sie scherzen.
Hahne: Nein, die EU meint das ganz ernst. Mein lieber Herr Schwarz, erkennen Sie denn die Tragweite nicht? Während Trump die Welt neu ordnet und wir in Europa und Deutschland im Verfall begriffen sind, wirtschaftlich, kulturell, politisch, verfügt Brüssel ein Verbot für Plastikblumentöpfe. Na, dann is’ ja alles gut! Man muß eben Prioritäten setzen. Dann können wir doch nun beruhigt Kaffee trinken gehen, statt ein sorgenvolles Interview zur Lage unseres Landes zu führen.
Hahne: „Mein persönliches ‘Unwort des Jahres’ heißt ‘CDU/CSU’“
Sie sind wütend?
Hahne: Wütend? Ich? Wie kommen Sie nur darauf … Nein, sagen wir, „engagiert“, das trifft es. Aber daß die EU sich mit solchen Dingen beschäftigt, während sich die Welt wandelt und bei uns die Hütte brennt, das sagt für mich alles. Und es macht mir deutlich, wie wichtig mein neues Buch doch ist. Denn angesichts dessen stellt sich um so dringender die Frage: „Warum macht ihr uns kaputt?“

So der Titel Ihres Buchs. Wer aber ist „ihr“?
Hahne: Ist das nicht klar? Wer bitte leitet denn die EU? Die uns von Söder und Merz empfohlene CDU-Politikerin Ursula von der Leyen – zusammen mit Manfred Weber von der CSU. Und deshalb ist das auch mein persönliches „Unwort des Jahres“.
Was?
Hahne: Na, „CDU/CSU“. Denn diese zwei Parteien sind es schließlich, die Deutschland zerstören. Im Frühjahr sind sie ein Jahr an der Macht, ein schreckliches, ein katastrophales Jahr, voller Lügen, Unfähigkeit und Selbstüberschätzung – schlimmer als die Ampel.
Gleich zu Beginn wurde das zentrale Merzsche Wahlversprechen eiskalt gebrochen: die Wahrung der grundgesetzlichen Schuldenbremse. Wozu sogar der Leichnam des abgewählten Bundestages noch einmal auferstehen mußte und auch gehorsam die Hand zur bösen Tat hob. „Staatsstreich“ nannte das Ex-Bundesverfassungsrichter Peter Huber.
Damit war der Grundstein gelegt für die größenwahnsinnige, großmäulige und durch und durch verlogene Politik der Regierung Merz – ich empfehle den C-Parteien die Lektüre der Zehn Gebote. Während Trump – der stets vorher sagt, was er tut und dann tut, was er kann – selbst umstrittenste Wahlversprechen im Detail erfüllt, bemühten sich Merz, Söder und Bas erst gar nicht darum. Folge: Eine nie dagewesene Staatsverschuldung – Pardon „Sondervermögen“ – auf Kosten unserer Kinder.
Höhepunkt war aber der 25. Oktober um exakt 12 Uhr mittags: als Söders CSU in Bayern das letzte funktionsfähige und TÜV-geprüfte Atomkraftwerk per Sprengung der Kühltürme zerstören ließ. Das ist für mich das traumatische Datum, neben allem, was CDU/CSU seit der Regierungsübernahme sonst noch angerichtet hat, wie Meinungsdiktatur, Migrationsmißbrauch oder Wirtschaftszerstörung.
Denn wie im Brennglas zeigt sich hier die Vernichtungswut dieser Kaputtmacher hinter ihrer Brandmauer, dem antidemokratischen Schutzwall. Sie schlagen alles in Scherben, um dem Volk dann zuzurufen: Was wollt ihr denn, Scherben bringen doch Glück!
„Das ist Selbstmord auf Raten, Vernichtung pur!“
Bei aller Kritik, aber ist das nicht etwas übertrieben?
Hahne: Herr Schwarz, mit Wattebäuschen werfen können Sie keinen „Krieg“ gewinnen. Das geht nur, wenn Sie den Leuten mit knallharten Thesen, die sie aufschrecken, die Augen öffnen.
Aber geht das nicht auch sachlich, warum sind Ihre Bücher immer so polemisch zugespitzt?
Hahne: Ich bin doch kein Langweiler! Und „zugespitzt“, ja, aber „übertrieben“? Nein! Sehen Sie, nicht der Meeresspiegel steigt, unser Lebensstandard sinkt – und zwar rasant. Die bestürzende Realität ist: Früher hat man gehofft, daß alles besser wird. Heute hofft man, daß es nicht noch schlimmer kommt.
Wenn wir mit diesem Interview fertig sind, sind wieder drei Firmen insolvent, weil hierzulande stündlich – ja, stündlich! – drei Unternehmen pleite gehen. Es ist Selbstmord auf Raten, Vernichtung pur: Deutschland zerstört sich auch ohne Putins Panzer.
Dann stellt sich in der Tat die Frage aus dem Titel Ihres Buchs: Warum machen die das?
Hahne: Ich habe eine Antwort darauf, aber ich fürchte, Sie haben den Titel etwas falsch verstanden.
Inwiefern?
Hahne: Mir geht es im Buch weniger um filigrane Analysen und akademische Ursachenforschung. Der Buchtitel ist ein Aufschrei, eine Anklage: Warum tut ihr das? Was ist los mit euch? Was ist los mit den Parteien, die Deutschland und Europa aufgebaut haben, die für Wirtschaft, Mittelstand, Meinungsfreiheit und politischen Pluralismus standen? Alles vorbei!
„Millionen Bürger leiden unter ‘Long Tagesschau‘“
Wie lautet Ihre Antwort?
Hahne: Manchmal glaube ich, Corona war in Wahrheit eine Hirnkrankheit … Nein, Spaß beiseite. Im Ernst: Ich glaube, die Antwort sind wir.
Wer? Wen meinen Sie?
Hahne: Uns, die Wähler. Die Frage im Buchtitel richtet sich nicht nur an die Politiker, sondern auch an ihre Wähler. Warum können Merz, Söder und die Union das machen: Weil sie immer wieder gewählt werden. Weil die Bürger unter politischer Demenz leiden.
Nehmen Sie die Landtagswahlen im März in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wo die Chancen nicht schlecht stehen, daß die CDU vorne liegt. Und zwar weil ein großer Teil der bürgerlichen Wähler die Brandstifter mit der Feuerwehr verwechselt.
Wer ruiniert denn die Region Stuttgart zum Detroit 2.0, wer hat bei der Ahr-Flut versagt: die CDU. Aber Hauptsache nicht die Schwefelpartei namens AfD wählen.
Warum ist das so?
Hahne: Tja, das frage ich mich auch. Tatsache ist, daß Millionen Bürger immer noch unter „Long Tagesschau“ leiden. Kein Wunder, holen sie sich doch täglich um 20 Uhr vor dem Bildschirm ihre Dosis MedienRNA, ein geistiger Totimpfstoff mit völlig unterschätzten Nebenwirkungen für das Gehirn. Diese oft faktenfreie Schwurbelei macht krank.
„Historiker könnten später von ‘spätgermanischer Dekadenz’ sprechen“
Aber ist das nicht Wählerbeschimpfung?
Hahne: Nein, das ist pure Realitätsbeschreibung. Leider! Mir geht es um diejenigen, die eigentlich AfD-Politik wollen – wirtschaftliche Vernunft, weniger Einwanderung, mehr Meinungsfreiheit und Sicherheit etc. –, aber dennoch weiter auf die Union reinfallen, weil CDU und CSU drei Wochen vor der Wahl dreist AfD-Sprüche plakatieren, um sie nach drei Tagen wieder zu vergessen.
Solche Leute begegnen mir immer wieder. Wenn ich sie frage, warum sie das tun, lautet die Antwort: „Weil die AfD doch ne Nazi-Partei und unwählbar ist.“ „Sagt wer?“, will ich wissen. „Das haben wir in der Tagesschau gesehen und in der Zeitung gelesen.“ Wenn ich dann um inhaltliche Argumente bitte, kommt meist nix, absolut nix.
Ich halte es nicht für Beschimpfung, wenn ich diese Leute frage: Warum wählt ihr weiter etwas, wogegen ihr eigentlich seid, nur weil ihr euch über Alternativen nicht informieren wollt? Warum macht ihr so unser Land wissentlich kaputt?
Und die schlimmste Form dieses Typus ist jener, der mir im gleichen Atemzug sagt, daß man die AfD ja nicht wählen könne, aber er auswandern werde, wenn das hier so weitergeht. Wie zynisch ist das denn! Die Kindergärtnerin, der Landwirt, der Familienunternehmer oder der Handwerker können nicht so einfach auswandern. Und trotzdem wählt man die „Täter-Parteien“ immer und immer wieder. Das ist doch krank, sorry.
Das klingt – wenn auch nicht zu Unrecht – allerdings doch nach Beschimpfung.
Hahne: Wissen Sie, Wahrheit kann weh tun. Doch letztlich ist es die höchste Form von Liebe, seine Mitmenschen vom Abgrund wegzureißen. Ich habe mein neues Buch nicht geschrieben, um diese Menschen zu beschimpfen, ja, ich habe es nicht gegen, sondern für sie geschrieben.
Denn das Buch trainiert mit vielen aktuellen Beispielen das kritische Bewußtsein: alles hinterfragen, wachsam sein, geistigen Widerstand entwickeln – auch gegen die „innere Tagesschau“, die, wie eine Sucht, in vielen noch ihr unheilvolles Werk verrichtet. Was ja auch kein Wunder ist, nach jahrelanger schwerer Abhängigkeit vieler bürgerlicher Medienkonsumenten.
Aber die Botschaft ist: Jeder kann den Ausstieg schaffen! Deshalb lesen Sie mein Buch und geben Sie es weiter, an jene in ihrem Umfeld, deren Denken der Mainstream bestimmt. Denn es verleiht den Stummen eine Stimme und macht politisch Blinde sehend. Das ist meine bescheidene Hoffnung. Ich schreibe gegen das Virus der Zerstörung und will Mut machen gegen die Pandemie der Panik.
Sonst werden Historiker einmal den Begriff „spätgermanische Dekadenz“ prägen, wenn sie Deutschland als Paradebeispiel der Selbstzerstörung beschreiben. Das aber muß nicht so kommen, wenn es uns gelingt, Ideologie und Idiotie wieder durch Verstand und Kompetenz zu ersetzen.
Nur gelingt das nicht, indem wir darauf warten, daß bei Merz oder Söder der Groschen fällt. Die ändern sich erst, wenn sie merken, daß ihnen die Wähler weglaufen. Und deshalb sind wir die Antwort: wir müssen immer mehr Bürger durch sachliche Argumente überzeugen. Aufgeben ist keine Option.
Und falls Sie sich diesbezüglich nun mutlos fühlen: Nein! Denn es ist so, wie es der große Mahatma Gandhi einst sagte: „Erst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich – und dann gewinnst du.“
„Trump würde ein solches Vorgehen gegen eine siegreiche AfD nicht dulden“
Außer den Landtagswahlen im März in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stehen im September noch die in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt an. Bringt dieses „Superwahljahr“ die Wende, für die Sie werben?
Hahne: Das hängt davon ab, ob die AfD die Chance bekommt, zu beweisen, ob sie es wirklich besser kann. Am aussichtsreichsten dafür ist die Wahl in Sachsen-Anhalt, wo die Partei vielleicht die absolute Mehrheit erreicht. Anders kann ein Politikwechsel wegen der Brandmauer nicht funktionieren.
Aber selbst wenn das gelingt, wird die AfD es denn besser machen?
Hahne: Das ist die zweite große Frage, neben der nach einer absoluten Mehrheit. Gerade hat Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sein 156seitiges Programm im Falle einer Regierungsübernahme veröffentlicht, das sich immerhin vielversprechend liest. Und es schlechter als die Etablierten zu machen ist ja auch kaum möglich, oder?
Kein Wunder, wenn zum Beispiel der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner von der CDU, bereits nach einem halben Tag Arbeit geistig so erschöpft ist, daß er mitten in einer Katastrophe erstmal Tennis spielen gehen muß.
Auffallend ist auch, daß man von dort, wo die AfD bereits regiert – die Kreisstadt Pirna in Sachsen und der Landkreis Sonneberg in Thüringen – nichts Negatives hört. Denn das würden sich Politik und Medien wohl kaum entgehen lassen. Übrigens, während wir hier sprechen, hat die Partei einen weiteren Sieg errungen und die Bürgermeisterwahl im internationalen Wintersportort Altenberg im Erzgebirge gewonnen. Geht doch!
Die Altparteien werden natürlich alles tun, um einen Erfolg der AfD in der Regierung zu sabotieren. Das ist doch nicht aus der Luft gegriffen. Nehmen Sie etwa den Umstand, daß der Bundestag unter der Führung seiner Präsidentin Julia Klöckner – zur Erinnerung: keine Grüne oder Linke, sondern eine CDU-Frau! – die zweitgrößte Fraktion in einen viel zu kleinen Sitzungssaal sperrt, ohne Rücksicht auf Leib und Leben der 151 AfD-Abgeordneten, die ihr angehören.
Denn, wie die Partei nun zu Recht beklagt: Im Falle eines Brandes würde diesen das gleiche Schicksal drohen wie den Opfern im Schweizer Touristenort Crans-Montana, da der Saal „aus Brandschutzsicht eine ähnliche Problemlage aufweist“, wie der Club dort, in dem in der Neujahrsnacht im Bereich einer verengten Treppe vierzig Menschen verbrannt oder erstickt sind.
Herr Hahne, im Herbst wurde diskutiert, was zu tun sei, sollte die AfD tatsächlich in Magdeburg an die Macht kommen. Die Gedankenspiele reichten von einer Dokumentenvernichtung wie 1945 in der Reichskanzlei bis hin zum „Bundeszwang“ gegen das Land.
Hahne: Auszuschließen ist leider gar nichts mehr. Die Altparteien haben Panik, daß die AfD das Regieren kann. Dann wäre Schluß mit der Brandmauer-Idiotie. Allerdings setze ich meine Hoffnung in Trump, vor allem in JD Vance, die weiterhin ein Auge auf Deutschland haben. Wir sind mehr als ein Stück Eis!
Die Amerikaner haben uns von Hitler erlöst, die KZ befreit, den Wiederaufbau der Bundesrepublik maßgeblich unterstützt und garantieren bis heute unsere militärische Sicherheit. Und ich bin sehr dankbar, daß sich die Administration Trump so interessiert zeigt, auch unsere Demokratie zu schützen.
Man muß sich das einmal vorstellen, sie macht Weltpolitik und hat sich dennoch um den Fall des AfD-Kandidaten von Ludwigshafen, Joachim Paul, gekümmert, der im Herbst auf antidemokratische Weise von der OB-Wahl ausgeschlossen wurde. Ich bin daher ganz sicher, sie würde es sich erst recht nicht bieten lassen, würde Herrn Siegmund bei einem Wahlsieg mit absoluter Mehrheit tatsächlich das Amt verwehrt. Ich hoffe jedoch, daß die Merz/Söder-Union es so weit nicht kommen läßt.
__________
Peter Hahne. Der 1952 im westfälischen Minden geborene Diplomtheologe und ehemalige stellvertretende Chefredakteur des ZDF-Hauptstadtstudios moderierte die „heute“-Nachrichten, das „heute journal“, „Berlin direkt“ sowie bis zu seiner Pensionierung 2017 die Talkshow „Peter Hahne“.
Auch als Bild am Sonntag-Kolumnist und Bestsellerautor mit Millionenauflage machte er sich einen Namen. Nach „Das Maß ist voll. In Krisenzeiten hilft keine Volksverdummung“ (2022) und „Ist das euer Ernst? Aufstand gegen Idiotie & Ideologie“ (2024) erscheint am 16. Februar im Verlag Langen-Müller sein neues Buch: „Warum macht ihr uns kaputt? Wie wir unsere Zukunft verspielen“
> Peter Hahne im Youtube-Interview auf JF-TV: „Warum macht ihr uns kaputt? Harte Kritik an Berlins CDU-Bürgermeister Kai Wegner und Blackout 2026“ und „Die CDU ist der Feind aller Konservativen“





