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Gaspipelines in der Ostsee: Nord Stream-Sabotage ist „technisch problemlos machbar“

Gaspipelines in der Ostsee: Nord Stream-Sabotage ist „technisch problemlos machbar“

Gaspipelines in der Ostsee: Nord Stream-Sabotage ist „technisch problemlos machbar“

Gas entweicht aus den Nord Stream Pipelines
Gas entweicht aus den Nord Stream Pipelines
Könnten Unterwasserdrohnen die Nord Stream Pipelines beschädigt haben? Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited
Gaspipelines in der Ostsee
 

Nord Stream-Sabotage ist „technisch problemlos machbar“

Es gilt mittlerweile als sicher, daß die Beschädigungen an den Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2 das Ergebnis einer gezielten Sabotage sind. Für so einen Anschlag könnten Unterwasserdrohnen zum Einsatz gekommen sein. Wie hätte so ein Angriff abgelaufen sein können und was bedeuten die Vorgänge für die Zukunft? Die JF sprach mit dem Militärexperten Alexander Jag.

Im Zusammenhang mit der Sabotage der Pipelines Nord Stream 1 und 2 in der Ostsee gehen Vermutungen in die Richtung, dabei könnten Unterwasserdrohnen zum Einsatz gekommen sein. Können Sie erläutern, was das für Systeme sind und wie sie funktionieren? 

Alexander Jag: Im Grunde sind das etwas handfestere Modellbauer-Kits. Die sind etwas größer und technisch ausgeklügelter als die üblichen Modellbauten von Schiffen und U-Booten, wie man sie kennt. Was den Anschlag angeht, muß dann von einem Äquivalent von 100 Kilogramm TNT pro Sprengung ausgegangen werden. Die gleiche Wirkung ist allerdings schon mit wenigen Dutzend Kilogramm Composit-Sprengstoff zu erreichen.

Technisch ist so ein Angriff auf die Pipeline problemlos machbar in der Anordnung. Dafür reicht auch Privatpersonen schon der Zugang zu Sprengstoff, wenigen technischen Hilfsmitteln und ein wenig Ahnung von Elektronik, Pyrotechnik und Nautik , um so einen Angriff auszuführen.

Womit hätte so ein Angriff noch ausgeführt werden können? 

Jag: Es ist auch durchaus denkbar, daß ein Tauchkörper von einem Schiff bei der Überfahrt oder einem ferngesteuerten Schwimmfahrzeug abgeworfen wurde. Das hätte bereits vor Wochen geschehen können. Und über den Verlauf der Pipeline wissen genug staatliche und nichtstaatliche Akteure Bescheid.

„Bereich um Nord Stream Pipelines ist stark überwacht“

Aber derzeit halten sich in der Ostsee Kriegsschiffe mehrerer Nationen aufgrund des Ukraine-Krieges auf. Hätten Marine-Einheiten die Unterwasserdrohnen dann nicht orten können? 

Jag: Die Zündung – sowohl von einer Unterwasserdrohne als auch eines Tauchkörpers – ist mit Sicherheit durch einen Zeitzünder erfolgt. Sowas läßt sich mit entsprechender Vorlaufzeit planen, damit man im Moment der Zündung nicht geortet werden kann.

Diese Passage in der Ostsee ist eines der am besten bewachten Seegebiete der Welt. Polen und Deutschland haben dort beispielsweise Mikrofone und Sensoren vor Ort. Damit schließt sich aus, daß dort Schwimm- oder Tauchkörper verwendet wurden, die wesentlich größer waren als ein Delfin.

Wesentlich für eine Ortung ist neben der verwendeten Kommunikationstechnik die Größe. Für ein Unterwasserfahrzeug mit einer Verdrängungsmasse von wenigen hundert Kilogramm reicht ein Motor, der so leise ist, daß er auch an Land kaum zu hören ist. So ein kleines Objekt ist kaum zu orten. Unterm Strich gesagt, ist das, was bei den Pipelines passiert ist, technisch problemlos machbar.

„Alle Küstenstaaten verfügen über Unterwasserdrohnen“

Problemlos machbar? 

Jag: Sagen wir so, wenn ein staatlicher Akteur, welcher Seite auch immer, dahinter stecken sollte, werden da andere Gruppierungen verwendet worden sein. Seien das nun Rebellen, irgendwelche Agenten ohne offizielle Deckung oder sonstige Privatpersonen, es werden keine offiziellen staatlichen Organisationen gewesen sein. Möglicherweise waren es auch Söldner. Dann allerdings keine Söldner wie die der russischen Wagner-Gruppe, da die zu nah am Staat dran sind.

Aber solche nichtstaatlichen Akteure werden nicht im Alleingang gehandelt haben. Doch da sie nicht offizielle Einsatzkräfte sind, können die dahinterstehenden Staaten sich öffentlich davon distanzieren. Aber ohne Rückendeckung würden solche Gruppierungen nicht aktiv werden.

Was kosten Unterwasserdrohnen und welche Staaten haben sie bereits? 

Jag: Die Kosten reichen von einigen zehntausend bis Millionen Euro. Das hängt natürlich davon ab, was die Drohne leisten soll. Generell ist davon auszugehen, daß alle Küstenstaaten in irgendeiner Form über Unterwasserdrohnen verfügen.

Halten Sie den Einsatz von Unterwasser- und Flugdrohnen auf die Energieversorgung des Feindes für eine Kriegstaktik, die sich etablieren könnte? 

Jag: Ich denke ja. Stark gefährdet sind neben Pipelines Kraftwerke, Internetkabel, Stromnetze und Radarstationen.

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Alexander Jag ist Büroleiter des privaten Sicherheitsunternehmens Global AG und Autor des Strategiepapiers „Der ewige Krieg“.

Könnten Unterwasserdrohnen die Nord Stream Pipelines beschädigt haben? Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited
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