Personal statt Kapital

Den Ausdruck „Phantompartei“ für die DVU kann Matthias Faust, frisch gewählter Bundesvorsitzender der Deutschen Volksunion, nicht mehr hören. Er nennt es „ein Klischee“, gibt jedoch zu, daß er das früher einmal „auch so gesehen“ hat. Solche Offenheit ist neu und stellt in Aussicht, daß mit dem Wechsel an der Parteispitze (JF 4/09) ein tiefergreifender  Wandel möglich ist. Schon rein äußerlich sind die Veränderungen immens: Auf den Mittsiebziger Gerhard Frey folgt der Enddreißiger Faust, auf einen der prominentesten deutschen (Alt-)Rechten aus München ein relativ unbekannter Hamburger. Der hat jetzt jede Menge Arbeit, will er in seiner – 1987 aus einem gleichnamigen Verein als Partei hervorgegangenen – DVU (www.dvu.de), die bislang in ihrer Mehrheit nur aus passiven Beitragszahlern besteht, etwas ändern. „Wir müssen aktiver werden!“ faßt Faust seine Vorsätze zusammen, künftig allen eine wählbare Alternative zu bieten, denen die Etablierten zu unpatriotisch, die Republikaner zu erfolglos und die Nationalisten der NPD zu radikal erscheinen. Der 1971 geborene Hanseat spricht aus Erfahrung: Mit 16 trat er der CDU bei, wechselte nach einer Pause im politischen Engagement Ende der neunziger Jahre zu den Republikanern, die in Hamburg damals allerdings de facto schon kaum mehr existierten. Gemeinsam mit deren Ex-Vorständen sei er dann, so schildert es Faust, quasi in die NPD „hineingeschliddert“, verließ diese jedoch 2007, als der berüchtigte Rasse-rasselnde Rechtsanwalt Jürgen Rieger dort das Ruder übernahm, in Richtung Deutsche Volksunion. Auch weil deren politische Ziele mit den geschäftlichen Gerhard Freys, seinem Devotionalien- und Zeitschriftenversand, verknüpft waren, ist die Partei nicht gut beleumundet. Zudem endeten ihre kurzzeitigen Höhenflüge bei Landtagswahlen – ob in Bremen, Schleswig-Holstein oder Sachsen-Anhalt – meist in einem Fraktions-Fiasko. Der neue Mann an der Spitze will nun auf mehr Basisarbeit statt der sonst üblichen „Materialschlacht aus München“ in Form ungezählter Postwurfsendungen setzen, will die Landesverbände unabhängiger machen und geeigneten Nachwuchs fördern – Personal statt Kapital! Begonnen habe immerhin bereits die Trennung der Parteizentrale vom Geschäftsimperium des Verlegers Frey sowie die finanzielle Konsolidierung. Bislang soll die Partei bei Frey tief in der Kreide gestanden haben. Als Faust, der sich nach dem Abitur acht Jahre bei der Bundeswehr verpflichtete und dort eine Ausbildung als Kaufmann und Netzwerkadministrator absolvierte, 2008 als DVU-Spitzenkandidat zur Wahl in Hamburg antrat, setzte er bereits auf Personalisierung und modernen Internetwahlkampf. Mit 0,8 Prozent fuhr er keinen Wahlerfolg, aber immerhin mehr ein als alle Konkurrenten rechts der CDU zusammen. Kein schlechter Anfang, wenn denn Fausts vollmundigen Versprechen jetzt auch Taten folgen.

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