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„Viele werden ihr Vermögen verlieren“

Herr Borgsmüller, der Jammer ist groß, aber der Krach war ja auch nicht vorauszusehen. Borgsmüller: Das stimmt nicht, man wollte auf Warner wie uns lange nicht hören. Wie ist diese Taubheit zu erklären? Borgsmüller: Die politischen Institutionen sind von Wahl-, die Banken von Verkaufs- und die Konjunkturforschungsinstitute von Partei- und Verbandsinteressen abhängig. Diese Konflikte sind zu groß, als daß man den Institutionen vertrauen könnte. Welchen Informationen soll der Bürger denn dann Glauben schenken? Borgsmüller: Um ehrlich zu sein, er hat praktisch keine Chance, sich adäquat zu informieren. Er wird vom täglichen Informationsmüll erdrückt. Etwa entsprechen die US-Arbeitsmarkt- und Inflationsstatistiken nicht der Wahrheit. Das Ende vom Lied ist, daß selbst der aufmerksame Zeitungsleser nicht mehr in der Lage ist, den roten Faden aufzunehmen und das Wahre vom Unwahren, das Wichtige vom Unwichtigen und das Seriöse vom Unseriösen zu trennen. Ihr Institut ist auch nicht frei von Interessen. Borgsmüller: Stimmt, aber unsere Interessen entsprechen denen unserer Kunden. Das behaupten viele. Vermutlich empfehlen Sie uns gleich, Gold zu kaufen. Borgsmüller: Da die Partner der PSM kein Gehalt bekommen, sondern über ein Gewinnhonorar an ihrer Leistung partizipieren, ist unser Interesse tatsächlich mit dem unserer Kunden identisch. Ansonsten: Ja, Gold ist all jenen zu empfehlen, die einen langen Atem haben. Generell gilt, sich für die nächste Zeit von allen Sachwerten — Aktien, Immobilien, Rohstoffe — fernzuhalten. Geldwerte — Liquidität, Staatsanleihen — sind dagegen Trumpf, sofern durch staatliche Sicherheiten gedeckt. Ihre Dienstleistung beginnt ab 100.000 Euro. Was empfehlen Sie allen, die eine solche Summe nicht zur Verfügung haben? Borgsmüller: Für diese Vermögensbesitzer gelten die gleichen Empfehlungen. Es ist allerdings eine traurige Realität der Geschichte, daß die Kleinsparer in regelmäßigen  Abständen durch Inflation oder Deflation immer wieder ihr Vermögen verlieren. Das war schon im alten Rom so. Wer geglaubt hat, daß nach der Erfahrung der Weltwirtschaftskrise von 1929/33 so etwas nicht mehr möglich sei, der ist wohl Opfer der Desinformation der Institutionen geworden, die ich eingangs beschrieben habe. Die Medien berichteten in den letzten Tagen von Rentnern, die durch die Banken-Krise ihre gesamten Lebensersparnisse verloren haben. Müssen Banken und Politik nicht zur Verantwortung gezogen werden? Borgsmüller: Wir geben natürlich keine politischen Empfehlungen. Ich rechne aber in der Tat damit, daß in naher Zukunft durch die Unzufriedenheit der Bürger die politischen Extreme stark zunehmen werden. Denn das, was wir bis jetzt erlebt haben, ist noch nicht der Höhepunkt der Krise. In den Jahren 2009/10 werden wir leider wohl eine Weltwirtschaftskrise erleben. Stefano Micossi (siehe Interview oben) meint, daß erfolgreich gegengesteuert werden kann. Borgsmüller: Das sehe ich nicht. Im Gegenteil, es wird aufgrund der aktuell historischen Höchstverschuldung der Staaten, Unternehmen, Konsumenten und Finanzinstitute zu einer schweren Wirtschaftskrise kommen. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt ist die weltweite Verschuldung heute insgesamt dreimal größer als vor dem Börsensturz von 1929. Die Folgen werden sein: erhebliche Verwerfungen am Finanzmarkt, steigende Arbeitslosigkeit und weiterer Druck auf den Mittelstand. Die Krise wird die Vorstellungen der meisten übertreffen. Ist jetzt durch das Billionenversprechen der Koalition an die Sparer nicht alles sicher? Borgsmüller: Nein, denn zur Eindämmung der Wirtschaftskrise und zur Reaktivierung der Kreditvergabe der Banken benötigen wir weltweit staatliche Rettungsmaßnahmen von mehreren tausend Milliarden Euro. Die Regierungen — durch Staatsprogramme — und die Notenbanken — indem sie Geld drucken — müssen und werden zum Schluß alles unternehmen, um eine wirtschaftliche und politische Systemkrise zu vermeiden. Würden sie es zu Zusammenbrüchen im Stil der dreißiger Jahre kommen lassen, würden sie von der Bevölkerung aus dem Amt gefegt werden. Deshalb wird man sich, getreu dem Motto „Inflate or die“ also „Inflationieren oder sterben“, in die Inflation flüchten. Irgendwann — vielleicht bis 2011 — wird die Krise damit langsam überwunden sein: Freilich auf Kosten der Sparer, deren Sparguthaben dann entwertet sein werden.   Ralf Borgsmüller, Jahrgang 1964, arbeitet als Partner der PSM Vermögensverwaltung, der ältesten bankunabhängigen deutschen Vermögensverwaltung. Kontakt: Hochleite 2, 81545 München, Telefon: 089 / 64 94 49 0, im Internet: www.psm-vermoegensberatung.de

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