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Täter überführt sich selbst

Der zwanzigste Jahrestag des Mauerfalls wirft seine Schatten voraus. Natürlich freuen sich in der Rückschau alle, aber auch wirklich alle, daß es mit der Wiedervereinigung geklappt hat, so auch der Großschriftsteller Günter Grass. In der kommenden Woche präsentiert er seinen vielversprechenden Titel „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“, der die Tagebuchaufzeichnungen des Blechtrommlers aus dem Wendejahr 1990 wiedergibt. Anders als beim verstorbenen Walter Kempowski, der in seinen 89er- und 90er-Tagebüchern „Alkor“ und „Hamit“ Privatestes mit Allgemeinem vorzüglich zu verbinden verstand und dessen tiefe Sympathie für ein geeintes Deutschland aus jeder Zeile spricht, weist bei Grass kaum Privates auf diesen Umstand hin. Auf die Frage im aktuellen Zeit-Interview, ob ihm die Einheit nicht „suspekt“ gewesen sei, antwortet er voller Überzeugung: „Nein! Alle Texte, die ich vorher geschrieben habe, zielen in diese Richtung.“ Auch das Argument, die deutsche Teilung sei zu akzeptieren als Sühne für deutsche Schuld, weist der 81jährige energisch von sich: „Das ist nie mein Argument gewesen.“ Leider spricht das an gleicher Stelle beworbene Tagebuch eine völlig andere Sprache. Gleich unter dem 2. Januar schreibt er, eine in Frankfurt zu haltende Vorlesung im Blick: „Will versuchen, in der Frankfurter Rede das angebliche Recht auf deutsche Einheit im Sinne wieder-vereinigter Staatlichkeit an Auschwitz scheitern zu lassen.“ Es kann nur spekuliert werden, ob Grass damit eine ungeheuerliche Chuzpe präsentiert oder ob er an Amnesie leidet. Auf jeden Fall handelt es sich um eine klassische Wiederholungstat des früheren SS-Recken.

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