Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Es geht um die Freiheit

Ein unikulturelles Mädchen reckt, nach höherem strebend, die Hand nach oben. Dazu die Aufschrift: „Es geht um die Freiheit!“ Bild jubelt: „Klatsche für Wowereit!“ Mit dem Volksbegehren „Pro Reli“ wähnen sich die Kirchen am Ziel. Assistiert von der Jüdischen Gemeinde und von der Türkisch-islamischen Union des Amtes für religiöse Angelegenheiten Ditib (nationalislamische türkische Religionsbehörde) kämpfen sie seit Monaten für Wahlfreiheit an Berliner Schulen zwischen Ethik (Pflichtfach) und Religion. Am Ziel? Sie stehen vor der nächsten Hürde:  Volksentscheid. Wie das „Volk“ entscheidet, wenn die rot-rot Regierenden, meist atheistisch beengte Freidenker, dem Fußvolk den Einsatzbefehl geben, läßt sich denken. Lange im Zweifel bezüglich der Unterschrift zum Heil der Schuljugend, empfand ich zum einen den Satz im Werbeblatt als irritierend: „Berlin ist multikulturell.“ Keine Frage, das ethnische Kunterbunt nimmt täglich zu. Nur, was folgt daraus? Soll der Steuerzahler mehr als ohnehin die von grüner Einfalt bejubelte Vielfalt, den angelagerten sozialen Sprengstoff finanzieren? Multipolitkulturell geht es derzeit wegen des Gaza-Krieges auf den Straßen zu, noch relativ friedlich. Wäre zum Zwecke der Interkultur, des Gemeinsinns, des postdeutschen Patriotismus nicht zivilreligiöses Training in „Ethik“ vorzuziehen? Seit langem treibt mich die Frage um, wie junge Neubürger die Verantwortung der Deutschen für deren singuläre Geschichte verinnerlichen sollen. Schon in der Kita? Und die höheren Lernziele von Ethik? Gut, die Kleinen lernen, daß man keine silbernen Löffel stehlen soll, auch keine Dienstwagen der P(olit)-Klasse. Zum anderen frage ich als Vater, der seinen Kindern Berliner Unterweisung in Religion angedeihen ließ, ob sich der Aufwand denn lohnte. Von einer alten Katechetin abgesehen, war der Ertrag dürftig. Von der Liebesbotschaft bezüglich des „Fairteilens“ in der Dritten (heute Einen) Welt jede Menge, von Vergebung recht wenig, dazu die Erleuchtung durch die „Heilige Geistigkeit“, die „weibliche Dimension der Trinität“. Der Rest zielte auf deutsche Schuld, protestantische Vertiefung der Zivilreligion. Pro oder contra Reli? Mehr Steuergelder für Ditib und multimuslimische Vereinigungen? Eine ausweglose Entscheidung, bekannt aus der Antike. Der Stoff zur Tragödie wächst im Maße der Migration.   Herbert Ammon lebt als Historiker und Publizist in Berlin.

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