Auf der schiefen Ebene der Selbstaufgabe

Was man schon lange erkennen konnte, hat sich beim Schweizer Minarett-Volksentscheid erneut deutlich gezeigt: Es gibt eine wachsende Kluft zwischen den Funktionseliten und dem wirklichen Volk, zwischen dem pays légal und dem pays réel, wie Julien Benda einst sagte. Man wird an den bekannten Satz erinnert: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Aber wo geht sie hin?“

 Die Vorwürfe des politisch-medialen Establishment zeugen nicht eben von der Achtung vor der realen Demokratie. Das gemeine Volk überblicke nicht die „Komplexität“ der Verhältnisse, es entscheide „irrational“. Dabei gehört es doch zum „Berufsrisiko“ der demokratischen Regierungsform, „daß das Volk manchmal anders denkt und fühlt als seine Regierung  und seine medialen Vertreter“ (Roger Koeppel in der Weltwoche).

Doch die Leute draußen im Land kennen die Statistiken, die ausweisen, daß in den westeuropäischen Ballungszentren heute schon die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund nahezu die Hälfte ihrer Alterskohorten ausmacht und absehbar wird, daß sie in wenigen Jahrzehnten die Mehrheit bilden werden. Die politische Klasse will diese Langzeitfolgen mit allen Mitteln verschleiern.

Der Schweizer Widerstand richtet sich nun auch gegen eine Theorie und Praxis westlicher „Toleranz“, die sich längst auf der schiefen Ebene zur Selbstpreisgabe befindet und vor islamischer Militanz hartnäckig die Augen verschließt.

Der 29. November in der Schweiz sollte zu einem Datum werden, das die Europäer insgesamt aufrüttelt zu einer breiten Debatte über die Konsequenzen der islamischen Einwanderung im alten Kontinent, die die Grenze zur Landnahme überschritten hat. Eine Grenze, bei der es für die Europäer um die Entscheidung zwischen Selbstpreisgabe und Selbstbehauptung geht.

Vor zwanzig Jahren hat der November 1989 gezeigt, wie die Geschichte eine überraschende Wendung nahm, die die Meinungsdiktatoren des Tages und Marktes weder vorausgesehen noch gewünscht hatten. Der 29. November 2009 in der Schweiz sollte in gleicher Weise zu einem Fanal des europäischen Widerstands gegen die islamische Expansion wird. Heute geht es darum, die „Diktatur des Relativismus“ (Benedikt XVI.), des linksliberalen Weltbildes zu überwinden, die dabei ist, Europa aus der Geschichte verschwinden zu lassen.

Prof. Dr. Klaus Hornung lehrte Politikwissenschaft an der Universität Hohenheim.

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