Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Verletzung der Grußpflicht

Ich dachte, diese Zeiten seien vorbei.“ Gabriele Kerntopf, Leiterin der „Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange (LKS) Land Brandenburg“, einer vom Potsdamer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie geförderten Lobbygruppe, zeigt sich entrüstet. Früher hätten homosexuelle Aktivisten „hart dafür kämpfen“ müssen, daß Rathäuser auf Wunsch die Regenbogenfahne der Schwulenbewegung hißten. Ausgerechnet bei der diesjährigen „Tour de Toleranz“ durch die nördliche Mark verweigern zwei Bürgermeister diese Ehrenbezeugung. Dabei habe sich mittlerweile das Klima total geändert, schwärmt die 52jährige: „Die meisten Stadtväter und -mütter heißen uns willkommen und finden die Idee mit der Regenbogenfahne toll.“ Vier Kommunen, die die durchschnittlich 15 (!) tourenden Aktivisten auf ihrer fünftägigen Reise ansteuerten, um mit Flugblättern, Luftballons und vielen Grußworten prominenter Politiker im Gepäck an Schulen und Jugendzentren „mit Vorurteilen gegen Homosexuelle aufzuräumen“, zeigten auch 2008 keine Vorbehalte. Nur in Prenzlau und Templin mußten sie die Regenbogenfarben missen. „Geht nicht“, kanzelte Ulrich Schoeneich, parteiloser Bürgermeister in Templin, deren Ansinnen knapp ab. Auch der Genosse Bürgermeister in Prenzlau, Hans-Peter Moser von der Linkspartei, will nur offizielle staatliche Symbolik an den Fahnenmasten erlauben. Der Rüffel ließ nicht lange auf sich warten: „Ich finde es schade, wenn Städte nicht bereit sind, ein deutliches Zeichen für Toleranz zu setzen“, fordert Brandenburgs Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD) nun politisch korrekte Selbstkritik ein.

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