Wir müssen endlich aufklären

Herr Fujita, warum läßt Sie der 11. September 2001 nicht ruhen? Fujita: Weil die Welt durch ihn eine andere geworden ist: Sowohl der Afghanistan- wie wohl auch der Irak-Krieg wären ohne ihn nicht möglich gewesen. Und in beide Kriege sind japanische Truppen auf die eine oder andere Weise involviert. Da möchte man wissen: Stimmen denn überhaupt die Voraussetzungen dafür? Eine Frage, die sich deutsche Politiker nicht stellen. Fujita: Sie sollten es tun. Ihr deutsches Pendant, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, würde nicht auf die Idee kommen, in dieser Sache zu ermitteln. Fujita: Das ist bedauerlich, denn mir erscheint das kritische Bewußtsein in puncto 11. September in Deutschland wesentlich ausgeprägter zu sein als in Japan. Erfreulich viele Deutsche interessieren sich für die Frage nach all den Widersprüchen in diesem Fall. Und nicht nur mehr Deutsche interessieren sich dafür, der durchschnittliche Deutsche scheint mir zudem auch besser darüber informiert zu sein. In Japan ist die Neigung, die offizielle Geschichte zu glauben, viel ausgeprägter. Wer wie ich nachforscht, hat es nicht immer leicht. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen? Fujita: Zu Beginn sah ich keinen Anlaß, an der offiziellen Darstellung der Dinge zu zweifeln, aber je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, daß die offizielle Version des 11. September  2001 unmöglich zutreffen kann. Sie scheitert an ihren inneren Widersprüchen. Die zahlreichen Argumente der Kritiker sind bekannt. Doch sind für alle Kritikpunkte auch Erklärungen vorgebracht worden. Fujita: Die zumeist nicht überzeugend sind. Nehmen Sie zum Beispiel das Loch im getroffenen Pentagon, das viel zu klein ist. Es ist deshalb so klein, weil das einschlagende Flugzeug zuvor auseinandergebrochen ist. Fujita: Mal ehrlich, überzeugt Sie das? Sie sind weder Naturwissenschaftler noch Techniker. Liegt es nicht näher, davon auszugehen, daß die Erklärung physikalisch komplex ist, als eine Verschwörung zu wittern? Fujita: Man muß kein Naturwissenschaftler sein, um zu wissen, daß eine Boeing 757 unmöglich durch ein Loch hindurchgeschossen sein kann, dessen Radius kleiner ist als der ihres Rumpfes.  Wie reagieren Sie, wenn man Sie einen Verschwörungstheoretiker nennt? Fujita: Es war der Vorsitzende der 9/11-Untersuchungskommission selbst, Ex-Governeur Thomas Kean, der mehrfach öffentlich beklagt hat, daß die US-Regierung ihm nicht alle Informationen zur Verfügung gestellt hat, die er gebraucht habe. Und so wimmelt der offizielle Bericht von Widersprüchen. Es gibt sogar Widersprüche zwischen Vertreten der US-Regierung, etwa wenn Condoleezza Rice sagt: „Keiner konnte so etwas vorhersehen“, Donald Rumsfeld aber einräumt: „Es hat viele Warnungen gegeben.“ Diese Widersprüche können nicht hingenommen werden: Wir können in einer so wichtigen Sache nicht so tun, als spielten sie keine Rolle, und einfach zur Tagesordnung übergehen. Also gut, welche Theorie haben Sie für den tatsächlichen Hergang des 11. September 2001? Fujita: Es geht mir auch nicht darum, eine Theorie zu liefern. Es geht darum, daß die offizielle Darstellung nicht stimmen kann. Wagt man eine eigene Theorie, macht man sich angreifbar und die offizielle Version profitiert, weil die Fragen nach ihren inneren Widersprüchen mit dem Verweis auf eventuelle Widersprüche einer alternativen Theorie abgebügelt werden können. Nein, geben wir ihnen keine Chance abzulenken! Stellen wir Fragen und schauen wir, ob sie sie glaubhaft beantworten können. Was nach Ihrer Ansicht offenbar nicht der Fall ist. Fujita: In den letzten Jahren haben zahlreiche Politiker und Experten — ihre Zahl mag inzwischen vielleicht gar in die Tausende gehen — Zweifel angemeldet oder zumindest kritische Fragen gestellt. Darunter in Deutschland zum Beispiel der ehemalige SPD-Bundesminister für Forschung und Ex-Geheimdienstfachmann seiner Partei, Andreas von Bülow, aber auch Angehörige beider Kammern des US-Parlaments. Ich frage Sie mal ganz persönlich: Macht es Sie nicht stutzig, zum Beispiel zu erfahren, daß Ernst Welteke, SPD-Mitglied und von 1999 bis 2004 Präsident der Deutschen Bundesbank, auf einem Treffen der Europäischen Zentralbank bestätigt hat, daß es ein paar Tage vor dem 11. September 2001 zu ungewöhnlichen Verkaufsoptionen gekommen und daß der Preis für Gold und Öl ebenfalls gestiegen ist? Oder daß zum Beispiel Osama bin Laden, wie die offizielle Fahndungsliste verrät, bis heute vom FBI nicht wegen der Anschläge vom 11. September, sondern „nur“ wegen der Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania gesucht wird? Vor der Abstimmung über die Wiederaufnahme der Beteiligung an der US-Antiterror-Mission „Enduring Freedom“ im japanischen Parlament Anfang Januar machten Sie eine halbstündige Präsentation vor dem Oberhaus. Wie reagierten Ihre Abgeordnetenkollegen? Fujita: Zu meiner großen Überraschung habe ich nicht nur erstaunlich viel Zuspruch erhalten, sondern zudem so gut wie keine Kritik erfahren. Obendrein kam die Zustimmung nicht nur aus meiner eigenen Fraktion, sondern auch von Abgeordneten anderer Parteien, darunter sogar der Regierungspartei LDP, und sie kam nicht nur aus dem Ober-, sondern auch aus dem Unterhaus, und nicht nur von meinen Kollegen im Plenum, sondern auch von meiner Parteiführung! Offenbar hat meine Präsentation den Nerv getroffen. Es scheint, als hätten diese Fragen doch viele beschäftigt. In Deutschland ist eine solche Reaktion schwer vorstellbar. Wie erklären Sie sich diesen Unterschied? Fujita: Kann ich nicht. Sagen Sie es mir. Vielleicht, weil Ihre Annahmen doch jeder Grundlage entbehren? Fujita: Nein, ich vermute, der Unterschied ist vielleicht gar nicht so groß, denn vergessen Sie nicht, trotz all der Zustimmung bin ich der einzige japanische Parlamentarier, der solche Fragen zu stellen wagt. Ich vermute, auch bei Ihnen gibt es einige Abgeordnete, die mit Zustimmung reagieren würden. Der Unterschied ist vermutlich nur, daß es bei Ihnen bislang noch nicht den einen gibt, der das Schweigen bricht. Sie befragten auch Premierminister Yasuo Fukuda und Verteidigungsminister Shigeru Ishi­ba, wie die japanische Regierung hinsichtlich der Täterschaft der Terroranschläge des 11. September durch die USA informiert wurde. Waren Sie mit den Antworten zufrieden? Fujita: Nein, aber ich habe das auch nicht erwartet. Dennoch, trotz ihrer Zurückhaltung war deutlich zu spüren, wie wenig die japanische Regierung tatsächlich über die Vorgänge weiß. Obwohl 24 Japaner bei den Anschlägen getötet wurden und obwohl sie die Grundlage für den Einsatz unseres Militärs im „Kampf gegen den Terror“ bedeuten, hat unsere Regierung den Fall nicht selbst untersucht. Statt dessen verläßt sie sich auf die Aussagen der USA, die voller Lücken und Widersprüche sind. Also betrachten Sie die Beteiligung Japans am „Krieg gegen den Terror“ nicht im nationalen Interesse Ihres Landes? Fujita: In unserem nationalen Interesse ist es, die Wahrheit herauszufinden, um zu wissen, woran wir wirklich sind. Sie fordern eine erneute, diesmal internationale Untersuchung des 11. September 2001. Wie sollte diese aussehen? Fujita: Ideal wäre, wenn die Uno eine solche Untersuchung ausrichten würde. Immerhin geht es um Aufklärung über ein Ereignis, dessen Folgen heute die internationale Politik maßgeblich prägen. Zum Beispiel könnte die Vollversammlung ein internationales Expertengremium bestellen. Oder der internationale Gerichthof könnte sich des Falls annehmen. Da Terrorismus keine Form von Krieg, sondern von Kriminalität ist, wäre Den Haag durchaus zuständig. Oder aber Parlamentsabgeordnete aus verschiedenen Ländern bilden einen internationalen Untersuchungsausschuß. Es gibt viele Ansätze. Rechnen Sie sich ernsthaft Chancen für diesen Vorschlag aus? Fujita: Immerhin wäre solch eine Kommission sinnvoller, als in den USA eine zweite nationale Kommission zu bestellen, wie auch schon gefordert. Welche konkreten Schritte unternehmen Sie, um dieses Ziel zu erreichen? Fujita: Ich komme gerade von einer Reise nach Europa zurück. Ich habe dort diverse Persönlichkeiten getroffen wie zum Beispiel Michael Meacher, bis 2003 Umweltminister der Labour-Regierung Tony Blairs, oder den ehemaligen christdemokratischen Staatspräsidenten von Italien, Francesco Cossiga. Meacher nennt den „Krieg gegen den Terror“ „Betrug“, Cossiga betrachtet den 11. September als Werk des CIA und Mossad. Fujita: Außerdem war ich auf Einladung des sozialdemokratischen Abgeordneten Giulietto Chiesa zu Gast beim Europäischen Parlament, wo wir sechs weiteren Abgeordneten den neuen Film „Zero: An investigation into 9/11“ vorgeführt haben, der demnächst auch landesweit im russischen Fernsehen ausgestrahlt werden soll. Auch in Deutschland habe ich Gespräche geführt, bin aber leider nicht autorisiert, darüber zu berichten. Sie haben den ehemaligen Bundesbankpräsidenten Ernst Welteke getroffen. Hatten Sie auch Kontakt zu aktiven deutschen Politikern? Fujita: Leider nein. Trotz dieser Kontakte sind Sie immer noch Lichtjahre von einer neuen Untersuchungskommission entfernt. Fujita: Abgesehen von diesen internationalen Bemühungen arbeite ich daran, in Tokyo weitere Abgeordnetenkollegen für eine Parlamentsinitiative zu gewinnen. Ideal wäre natürlich, wenn wir stark genug würden, um von unserer Regierung zu verlangen, zu einer kritischen Haltung gegenüber Washington zu kommen und Aufklärung über alle offenen Fragen zu fordern. Was aber, wenn sich am Ende herausstellt, daß die offizielle Version doch zutrifft? Fujita: Lassen Sie uns doch einfach das Ergebnis einer künftigen, unabhängigen Untersuchung abwarten.   Yukihisha Fujita fordert eine internationale Kommission, die die Terroranschläge vom 11. September 2001 erneut untersuchen soll. In der vergangenen Woche bereiste er Europa, um dafür internationale Kontakte zu knüpfen. Im japanischen Parlament bemüht er sich um eine  fraktionsübergreifende Parlamentarierinitiative mit dem gleichen Ziel. Am 10. Januar 2008 erwirkte er bereits eine aktuelle Stunde im Oberhaus des japanischen Parlaments zum Thema 11. September, in der er unter anderem den Premierminister und den Verteidigungsminister befragte. Fujita ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Sangiin, der zweiten Kammer des japanischen Kokkai, der Nationalversammlung. Er gehört der Demokratischen Partei (DPJ) an, die im Oberhaus mit 40 Prozent stärkste, im Unterhaus mit 36 Prozent zweitstärkste Partei ist. Zuvor vertrat Fujita seine Partei bis 2005 im Unterhaus. Geboren wurde er 1950 in Hitachi auf der japanischen Hauptinsel Honshu.    Der Kokkai: Das japanische Parlament Kokkai besteht aus zwei Kammern, dem Oberhaus Sangiin und dem Unterhaus Shugiin. Zwar wählt nur das Unterhaus die Regierung, dennoch spielen ähnlich wie in den USA beide Kammern eine wichtige Rolle.   Demokratische Partei Japans: Die DPJ (Emblem oben) ist nach der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) die zweitgrößte Partei Japans. Gegründet 1996, gilt sie als Mitte-Links-orientierte Volkspartei. Foto: Terroranschläge von New York am 11. September 2001: „Mir scheint das kritische Bewußtsein in dieser Frage in Deutschland sehr viel ausgeprägter zu sein“

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