Joachim Kuhs

 

Wo bleiben die Opfer?

Die Befürchtung, die RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt könnte bald nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen, ist berechtigt. Die tonangebenden Medien werden sich die Chance nicht entgehen lassen, Sensationsgier oder Mitleid linker Gutmenschen mit Tätern zu bedienen, die „die Gesellschaft“ zu Straftaten verleitet habe. Dabei wird auch nicht mit Honoraren gegeizt werden, die den Tätern die „Resozialisierung“ erleichtern. Ähnliches werden wir erleben, wenn sich in absehbarer Zeit auch Christian Klar wieder der Freiheit erfreuen und den begehrten Interviewpartner abgeben darf. Wo bleiben da die Opfer? Zwar haben sich dieser Tage Angehörige von Andreas von Mirbach und Heinz Hillegaart zu Wort gemeldet, die 1975 in Stockholm zu den ersten Opfern der RAF-Verbrecher zählten. Natürlich stehen ihre persönlichen Gefühle im Mittelpunkt ihrer Äußerungen. Doch hat das Schicksal der Ermordeten uns allen noch etwas zu sagen. Welche Lehren muß der Rechtsstaat aus den Verbrechen ziehen? Ist nur die Resozialisierung der Täter die adäquate Antwort? Das kann wohl nicht alles sein. Deshalb ist es gut, die Opfer des Terrorismus mehr in das öffentliche Gedenken miteinzubeziehen. Ob die Täter willens und in der Lage sind, die vielen Unklarheiten bei den RAF-Straftaten zu beseitigen, bleibt abzuwarten. Entsprechende Fragen sollten ihn nicht erspart werden. Wichtig ist aber, daß nicht die Täter das letzte Wort behalten.

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