Mehr allein hilft nicht

Zwei Themen dominieren den 12. Kinder-und Jugendbericht: Kinderarmut und die vermeintlich mangelhafte Betreuungslage der Heranwachsenden. In beiden Fällen schlägt die verantwortliche „Expertenkommission“ altbekannte Holzwege ein: Weder das bloße Mehr an finanziellen Mitteln für Hartz-IV-Familien noch die längst von sämtlichen regierungsrelevanten Parteien eingeforderte Ausweitung der außerhäuslichen Kinderbetreuung wird aus der Krise der Jugendverwahrlosung weisen. Schon gewohnheitsmäßig wird übersehen, daß Deutschland mit seinen – in viele Einzelleistungen zersplitterten – finanziellen Leistungen für Eltern weltweit führend ist, daß nie zuvor Kinder- und Erziehungsgeldleistungen, Baukindergeld und ähnliches in einer Höhe ausgeschüttet wurden wie heute. Schließlich haben auch die seit etlichen Jahren sukzessiv steigenden Angebote an Nachmittagsbetreuung nicht zu einer erzieherischen Verbesserung – vom nebenbei angepeilten Geburtenanstieg zu schweigen! – geführt. Höhere Transferleistungen an sozial schwache Eltern führen erfahrungsgemäß eher zu einem neuen DVD-Spieler statt zu Turnstunden oder Musikunterricht, vermehrte Hortplätze zu einer Verlagerung der erzieherischen Probleme an zu Recht überforderte Betreuer. Staatliche Unterstützung armer Familien: ja – gerne großzügig, aber bitte strikt zweckgebunden. Die allseits geforderte ganztägige Fremdbetreuung, vor allem die davon erwarteten Effekte aber gehören ins Reich der Utopien – und nicht einmal der wünschenswerten.

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