Keine Zuschauer

Der iranische Staatspräsident Mahmoud Ahmadinejad hat in mehreren Reden Israel massiv angegriffen. Die Ablehnung des Existenzrechts Israels ist unter den meisten arabischen und islamischen politischen Kräften Konsens – Ahmadinejad spricht sie nur in unverblümter, polemischer Schärfe aus, die mittlerweile auch wachsenden Kräften im Iran zu weit geht. Nun hat er durch seine jüngsten Äußerungen aber die Europäer auf ungewöhnliche und drastische Weise daran erinnert, daß sie sich nicht als neutrale Zuschauer betrachten dürfen, die an der Entstehung des Nahost-Konfliktes unbeteiligt wären. Wenn Europa sich für die Verbrechen an den Juden im Zweiten Weltkrieg verantwortlich fühle, lautet sein Vorschlag, dann solle es doch einem jüdischen Staat auf europäischem Boden bereitstellen, statt mit anzusehen, wie die Palästinenser drangsaliert werden: „Deutschland und Österreich können zwei oder drei ihrer Provinzen dem zionistischen Regime überlassen, so daß sie ein Land bilden können“, so der wütende Staatspräsident. In der Tat hat in erster Linie das NS-Regime durch die Verfolgung der Juden zwischen 1933 und 1945 der zionistische Bewegung den maßgeblichen Schwung und den Boden politisch zur Gründung des Staates Israel bereitet. Insofern ist dieser Staat nicht einfach vom Himmel gefallen. Deutschland und Europa tragen deshalb eine Verantwortung für die Lösung des Nahostkonfliktes und können sich nicht klammheimlich heraushalten.

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