Selbstbedienung im AStA

Mit den spektakulären Fällen von Veruntreuung studentischer Gelder an den Universitäten in Braunschweig und Berlin geriet das Finanzgebaren der Allgemeinen Studentenausschüsse (AStA) wieder einmal in den Fokus der Presse. Was bei der verständlichen Erregung auf der Strecke bleibt: nicht die wenigen großen, sondern die vielen kleinen zweckentfremdeten Summen machen den Skandal. Es sind die unzähligen Frauen-Lesben-Referate, Friedensforen, Anti-Atom-Plenen und Antifa-Aktionen, die – obschon in der Minderheit – lautstark ihre Ansprüche anmelden und sich aus den Töpfen der Studentenschaft bedienen. Droht der Abschub in die Opposition, wird vorher noch einmal kräftig zugelangt. Die zuständigen Ministerien sehen es gelassen, da sie sich nicht in die studentische Selbstverwaltung einmischen wollen und es schließlich keine Steuergelder sind, die da verbraten werden. Kann sich der einzelne Student dagegen wehren? Nein, er ist qua Zwang Mitglied der „verfaßten Studentenschaft“ und muß die Beträge abführen, ansonsten droht die Exmatrikulation. Die mangelnde Empörungsbereitschaft der unpolitisch-bürgerlichen Mehrheit (die noch nicht einmal an den Uniwahlen teilnimmt) fordert also ihren Tribut. Dabei zeigt der Widerstand Wirkung. In Göttingen beispielsweise konnte die Herausgabe studentischer Beiträge wegen drohender Zweckentfremdung per Gerichtsentscheid verhindert werden. Torsten Scharf war von März 2002 bis April 2003 Vorsitzender des (bürgerlichen) AStA der Georg-August-Universität Göttingen.

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