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Schiffe unter Billigflagge stoppen?

Die Philosophie der Billigflaggenschiffe bzw. der Reedereien ist, Verantwortung zu entziehen und die Gewinne zu maximieren, indem sie dort, wo die Kosten günstig sind, daß heißt die Schiffssicherheit, Besatzungsheuer, Verpflegung et cetera, ihre Schiffe anmelden. Damit begrenzen sie die eigenen Verpflichtungen. Das ist ein rechtsfreier Raum. Länder wie Liberia, Panama und andere, sind keine maritimen Nationen, haben keine Tradition in diesem Sinne. Dort interessiert einzig die Kassierung der Registrierungsgebühren, ansonsten finden keinerlei Kontrollen statt. Es gibt auch vernünftige Billigflaggenschiffe, aber diese sind in der Minderheit. Hier taucht die Frage auf, wer die Verantwortung im Schadenfall trägt. Beispiele wie das jüngste Unglück bestätigen dies: Wer steht dafür gerade? Der Flaggenstaat? Der Verlader? Der Ladungsempfänger? Keiner! Nur die Minimalversicherungen, die nur einen Bruchteil der entstandenen Schäden zu decken in der Lage sind. Deshalb gehören Billigflaggenschiffe nicht auf die Weltmeere. Dabei könnte auch die Hafenstaatenkontrolle eine wichtige Rolle spielen. In der EU und einigen anderen Ländern (USA, Kanada und einigen Mittelmeerstaaten) werden jedoch nur 25 Prozent der in die Häfen einlaufenden Schiffe kontrolliert. Es sind 30.000 unter Billigflagge laufende Schiffe – davon nur 25 Prozent, die nur einmal kontrolliert werden. Dazu kommt, daß man kaum Handhabe hat, um ein Auslaufen der einwandigen Tanker zu verhindern. Außerdem wird kaum die Qualifikation der Seeleute überprüft. Deshalb sagt man zwar, es sollten homogene Besatzungen sein (etwa die Einsprachigkeit betreffend), was der Wirklichkeit jedoch kaum entspricht. Außerdem stehen die Kontrolleure unter gewissen Zwängen von Reederverbänden und Politikern, daß sie nicht allzu hart sein sollten – sonst würde man sich andere Häfen suchen, in denen die Kontrollen nicht so hart sind. Ali Memon ist Koordinator für die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) Deutschlands in Kiel. Das Pariser MOU on Port State Control hat in seinem neuesten Bericht über die im Jahre 2001 durchgeführten Sicherheitsüberprüfungen der internationalen Schiffahrt (Hafenstaatkontrolle) eine „Rangliste“ der Flaggen aufgestellt, die von einer „black list“ mit einem anhaltend schlechten Sicherheitsstandard über die Grauzone der „grey list“ mit durchschnittlichem Sicherheitsstandard bis zur „white list“ führt, in der die Flaggen aufgeführt sind, die eine anhaltend niedrige Festhalterate aufweisen. Dabei werden die Kontrollergebnisse über einen revolvierenden Zeitraum von drei Jahren ausgewertet, um Zufallsergebnisse auszuschließen. In der Liste dieser „Quality Flags“ sind die Flaggen Großbritanniens, Finnlands, Schwedens, Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande (in dieser Reihenfolge) am höchsten positioniert. Aber auch die Flaggen von Liberia, Singapur, Bermuda, Antigua und Barbuda und der Bahamas sind hier zu finden – ein klarer Hinweis darauf, daß Flaggen mit offenen Registern – landläufig als „Billigflaggen“ bezeichnet – nicht mit „Substandard“ gleichzusetzen sind. Die Fakten sprechen eben eine andere Sprache als oft wiederholte, aber ungeprüfte Behauptungen. Dies sind im übrigen die Flaggen der offenen Register, die von deutschen Reedern bevorzugt werden. Der Tanker „Prestige“, dessen Untergang zu der Forderung geführt hat, Billigflaggen in Europa zu verbieten, fuhr unter der Flagge der Bahamas, war also ein „Seelenverkäufer unter Billigflagge“, obwohl die Statistik der Hafenstaatkontrolle die Bahamas als „Quality Flag“ ausweist. Damit allein wird deutlich, daß es nicht um „Billigflaggen“ geht, die verboten werden müssen, sondern daß es nur um Schiffe gehen kann, die den internationalen Standards nicht entsprechen, die „Substandard“ sind und die deshalb eine Gefahr für die übrige Schiffahrt und die Umwelt darstellen. Solche Schiffe aus dem Verkehr zu ziehen, liegt im Interesse der seriösen Schiffahrt. Dipl. Volkswirt Klaus Köster ist Pressesprecher des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg.

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