Nur die Besten überleben

Das Krisengewitter in der Medienbranche ist an seinen Ausgangsort zurückgekehrt. Nachdem es unter den Nachahmern die Runde gemacht und einen nach dem anderen, Kirch, Messier, Middelhoff, durch Blitz und Donner erledigt hat, hat es nun auch Steve Case erwischt, den Gründer und Chef von „AOL Time Warner“. Case muß, von der Aktionärsversammlung gezwungen, seinen Hut nehmen. Mit ihm hatte der Fusionswahn, der Größenwahn, begonnen. Die Vereinigung des Internetdienstes AOL mit dem Verlags-, Film- und Televisionsriesen Time-Warner zum „größten Medienkonzern der Welt“ war sein Werk. Und sie war von Anfang an Unsinn. Nichts klappte seitdem mehr, weder bei AOL noch bei Ted Turners Time-Warner-Firma. Statt Synergien setzte es nur noch hausinterne Streitereien. Die Riesenverluste des Internetdienstes legten sich wie Blei auf die Geschäfte der Fernseh- und Filmgesellschaften und verhagelten die Bilanz. Die Aktien des Unternehmens fielen ins Bodenlose. Ted Turner hatte früh gewarnt, und er will jetzt als künftiger Vorstandsvorsitzender retten, was noch zu retten ist. Auf der Tagesordnung stehen Entflechtung, weitgehendste Unabhängigkeit der Einzelfirmen, genaueres Sich-Einlassen und Sich-Kümmern um arteigene Projekte und Inhalte. „Der Tauschwert geht gegen Null, wenn der Gebrauchswert der Produktionen vernachlässigt wird.“ Ein Wort von Turner, das auch außerhalb der Medienbranche seine Gültigkeit hat. Letztlich überlebt nicht der Größte, sondern der Beste.

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