Murat geht nach Oxford

Für 159 Euro pro Tag schickt das Kölner Jugendamt den 14-jährigen Türken Murat für eineinhalb Jahre in ein Internat in Pennsylvania, USA. Verdient hat sich der Junge diese kostspielige Elite-Förderung durch über 150 Straftaten seit seinem 11. Lebensjahr. Nach Durchsicht der Akte will keine deutsche Einrichtung mehr den Fall übernehmen. Da griff der Jugendrichter zur unkonventionellen Lösung. Was die Steuergelder angeht, hat er keine Bedenken: „Ein vergleichbarer Heimaufenthalt in Deutschland wäre noch teurer.“ Vielleicht steigt Murat nachher mit seinen Englischkenntnissen ins Big Business ein und braucht nicht mehr zu klauen. Doch jede Ironie vergeht einem, wenn man hört, was die Zöglinge in Glen Mills, jugendliche Straftäter allesamt, zu lernen haben, und wie sie es lernen. Es ist eine Schule „mit extremem Gruppen- und Leistungsdruck“, wie deutsche Pädagogen bemängeln. Von einer „Blockwart-Mentalität“ ist die Rede, da die Jungen gehalten sind, sich gegenseitig zu kontrollieren und zu disziplinieren. Dieses Verfahren hat sich besonders für die bewährt, die in Gangs großgeworden sind. Sport steht im Lehrplan ganz oben. Handwerkliche Tätigkeiten gehören zum Programm. Wer sich für die Gruppe einsetzt, steigt auf. Doch wer sich etwas zu schulden kommen läßt, wird rigoros ausgeschlossen. Das hört sich ganz nach einer ordentlichen „deutschen“ Erziehung an – nur daß sie in Amerika stattfindet und auf unsere Rechnung an junge Türken geht. Nur in dieser Form scheint Disziplin heute politisch korrekt zu sein.

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