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Waldbrände und Extremwetter: Ist das noch Sommer, oder schon Klimawandel?

Waldbrände und Extremwetter: Ist das noch Sommer, oder schon Klimawandel?

Waldbrände und Extremwetter: Ist das noch Sommer, oder schon Klimawandel?

Berlin, Deutschland: Bundeskanzleramt: Klimabündnis fordert Hitzegipfel: Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer. Sie macht sich Sorgen vor Waldbränden.
Berlin, Deutschland: Bundeskanzleramt: Klimabündnis fordert Hitzegipfel: Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer. Sie macht sich Sorgen vor Waldbränden.
Die Fridays for Future-Lobbyistin Luisa Neubauer: Verbände fordern mehr Klimaschutz von der Bundesregierung. Foto: picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH
Waldbrände und Extremwetter
 

Ist das noch Sommer, oder schon Klimawandel?

Klimawandel und Waldbrandangst: Zwischen Alarmismus und Realität zeigt sich, dass Deutschlands Feuerwehren gut aufgestellt sind – und die Ursachen oft ganz woanders liegen.
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Hunderte Hektar Wald verbrennen jedes Jahr in Deutschland. Umweltverbände und Weltuntergangshysteriker geben der „menschengemachten Klimakrise“ die Schuld. „Es ist so unerträglich!“ Luisa Neubauers Stimme bebt bei der Demo vor dem Kanzleramt in Berlin am vergangenen Donnerstag. Der „Fridays for Future“-Flyer auf Instagram wirbt mit blutrot brennenden Bäumen und Überschriften wie: „Hitze kommt zurück und bringt Unwetter mit.“ Oder ebenso alarmistisch: „Waldbrände in Griechenland weiten sich aus.“ Und dazu Todeszahlen. Vor dem Kanzleramt hören ihr, so die Polizei auf Nachfrage von JUNGE FREIHEIT, 300 Menschen zu. Omas gegen Rechts und Omas for Future, aber auch zahlreiche junge Leute. „Über 10.000 Hitzetote einer menschengemachten Klimakrise. Was erleben wir? Ein donnerndes Schweigen“, kritisiert Neubauer.

Mit von der Partie sind Arbeiterwohlfahrt, BUND und andere „Zivilgesellschaftler“. In einer gemeinsamen Erklärung verlangen sie von Friedrich Merz die Erfüllung eines Fünf-Punkte-Plans: sofortiger Hitzegipfel, bundesweiter Hitzeschutzplan, Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankern, Klimaschutz und -anpassung finanzieren und die Abkehr von fossilen Brennstoffen. Auf Transparenten steht: „Wir brauchen Fritzefrei“ oder „Reiche enteignen“. Selbst die FAZ bombardiert ihre Leser fast zeitgleich mit Katastrophenszenarien und fast 10.000 Hitzetoten innerhalb von nur zwei Monaten in Deutschland.

Waldbrände sind keine Folge des Klimawandels

„Willst Du nen Sticker?“, fragt eine BUND-Dame. „Unterschreib unsere Petition, es gibt überall zu viele versiegelte Flächen. Wir brauchen mehr Bäume!“ Das stimmt. Auch die Kritik an der Neugestaltung des baumlosen Berliner Gendarmenmarktes ist berechtigt. Doch was nicht thematisiert wird, sind die wirklichen Ursachen der Waldbrände. Obwohl selbst Greenpeace eingesteht: „Die mit Abstand meisten Brände verursachen Menschen. Zu den häufigsten Brandursachen zählen Brandstiftung und Brandrodung.“ Wie der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) auf JF-Nachfrage mitteilt, ist der Mensch in 95 Prozent der Waldbrände Auslöser.

Die Grafik zeigt, wie sich Waldbrände in Deutschland entwickeln.
Waldbrände gab es schon immer, doch die Tendenz steigt: Linke Kräfte ignorieren oft die Auslöser. Quelle: Bundeslandwirtschaftsministerium Grafik: JF

Anders als Greenpeace nennt der Verband weitere Ursachen neben vorsätzlicher und fahrlässiger Brandstiftung: unachtsam abgestellte Kraftfahrzeuge, Funkenschlag durch bremsende Züge und explosive Munitionsreste. Nur fünf Prozent der Ursachen sind natürlich: Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge, sich entzündende Kohlenflöze und trockene Blitzeinschläge. Als Mythen erklärt der DFV folgende drei Auslöser: Glasscherben und klare Flaschen mit klarer Flüssigkeit als Brenngläser oder die Vorstellung, dass Wälder sich selbst entzünden. Denn Holz brennt erst ab 260 Grad Celsius. Allerdings braucht es dafür eine Zündquelle.

Die Feuerwehr ist gut aufgestellt

Der Klimawandel bringt das Thermometer auf höchstens knapp über 41 Grad. Da fehlen noch 220 Grad, bis die deutsche Eiche Feuer fängt. Trotz alledem: 2025 gab es in Deutschland laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 1.175 Waldbrände, die eine Fläche von 2.626 Hektar vernichtet haben. Das entspricht der Größe der Urlauberinsel Norderney. Ein Drittel Deutschlands ist weiterhin bewaldet. Das sind 11,5 Millionen Hektar. Und wie ist die Lage im restlichen Europa?

Ulrich Cimolino, Chef des DFV-Arbeitskreises Waldbrand und Mitglied des internationalen Feuerwehrverbandes CTIF, sieht die Brände in Westeuropa zwar unter Kontrolle, „aber noch nicht aus“. Wann sich die Lage entspannt, hänge vor allem davon ab, wann es wieder regne. „In Süd- bzw. Südosteuropa haben wir in den letzten Tagen dagegen weitere größere Brände verzeichnen müssen.“ Dabei seien fünf Einsatzkräfte ums Leben gekommen, „drei am Boden und zwei durch Hubschrauberabsturz“. Auf die Frage, ob die Brände in Frankreich und Spanien eine Auswirkung auf Deutschland haben werden, hat Cimolino eine gute Nachricht: „Ich gehe nicht davon aus, dass wir irgendwelche Schadstoffe signifikant hier in der Luft bemerken werden.“

Allerdings könnten die Preise für einige Produkte steigen. Personell steht die Feuerwehr in Deutschland trotz der Urlaubszeit gut da. Die föderale Struktur und das hohe ehrenamtliche Engagement der Bürger in der Feuerwehr sorgen dafür, dass Einflüsse der Urlaubszeit „nicht relevant“ sind, „weil man notfalls über größere Bereiche ausgleichen kann und wir über eine sehr breite und umfangreiche Basis an Einsatzkräften verfügen“.

Kein Grund zur Panik

Und auch wenn Deutschlands Feuerwehraufbau führend in Europa ist, dies sicherlich durch den enormen Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren, sind die Kosten intransparent. DFV-Sprecherin Silvia Oestreicher erklärt gegenüber der JF: „Feuerwehren sind kommunale Angelegenheiten. Es gibt keine Zahl, nicht einmal eine Größenordnung, wie viel der Staat dafür ausgibt. Baden-Württemberg wollte das mal ausrechnen, ist aber gescheitert.“

Auf seine Wünsche an die Politik angesprochen sagt Cimolino: „Hubschrauber zur Luftunterstützung kommen in Deutschland auf Anforderung von Landespolizei, Bundespolizei, Bundeswehr oder Privaten.“ Das ist aber „je nach Bundesland unterschiedlich, in der Regel langwierig“. Auch ein „Sondereinsatzmittel der Bundeswehr“ (etwa auf Munitionsverdachtsflächen) müsse im Amtshilfeverfahren angefordert werden und komme nur, wenn die Bundeswehr verfügbar ist – und gegen Kostenrechnung. Das Problem sei, dass die „Verfahren der Luftunterstützung“ zu unterschiedlich seien, meist zu lange dauerten und für kleine Gemeinden verheerende Kosten verursachten.

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Diese Altlasten betreffen meist den Osten. Erst im Juli brannte es wieder in der Gohrischheide in Sachsen. So wie voriges Jahr, als hier ein Brand ausbrach und etwa 2.400 Hektar Wald vernichtete. Das Naturschutzgebiet liegt auch auf einem 2.000 Hektar großen Truppenübungsplatz, samt Munitionsaltlasten der beiden Weltkriege. Eine vorsorgliche Entsorgung der Altlasten ist enorm teuer. Die Welt berichtete, dass laut Umweltminister Georg‑Ludwig von Breitenbuch (CDU) jeder Hektar rund eine Million Euro kosten würde.

Das Thünen-Institut für ländliche Räume, Wald und Fischerei untersteht dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Dessen Sprecherin Katrin Schiedung bewertet die Waldbrandgefahr und ihre Auswirkungen für Deutschland gegenüber der JUNGEN FREIHEIT eher zurückhaltend: „Das Thema Waldbrand darf nicht vernachlässigt werden, aber trotz katastrophaler Bilder aus anderen Ländern besteht hierzulande aktuell kein Anlass zur Panik.“

Aus der JF-Ausgabe 34/26.

Die Fridays for Future-Lobbyistin Luisa Neubauer: Verbände fordern mehr Klimaschutz von der Bundesregierung. Foto: picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH
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