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Berlins Regierender Bürgermeister: Lieber dreimal lügen als nur einmal

Berlins Regierender Bürgermeister: Lieber dreimal lügen als nur einmal

Berlins Regierender Bürgermeister: Lieber dreimal lügen als nur einmal

Kai Wegner, der sich dem Vorwurf der Lüge ausgesetzt sieht.
Kai Wegner, der sich dem Vorwurf der Lüge ausgesetzt sieht.
Im Lügennetz verstrickt: CDU-Bürgermeister Kai Wegner. Foto: picture alliance / Sipa USA | PRESSCOV
Berlins Regierender Bürgermeister
 

Lieber dreimal lügen als nur einmal

Erst sagt Kai Wegner die Unwahrheit, dann lügt er zweimal, um die Unwahrheit besser aussehen zu lassen. Wie soll man einem solchen Politiker noch vertrauen? Trotzdem ist nicht ausgemacht, dass die CDU ihn jetzt auswechselt. Ein Kommentar.
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Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, sagt der Volksmund. Wer dreimal lügt, dem soll man aber offenbar weiterhin vertrauen – das sagt allerdings nicht der Volksmund, sondern die politische Realität im Deutschland des Jahres 2026. Anders lässt sich kaum erklären, warum Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner immer noch im Amt ist.

Denn im Zusammenhang mit dem Stromausfall in der Hauptstadt Anfang des Jahres hat der Christdemokrat ein unglaubliches Lügengebäude aufgebaut, das nun seit einem halben Jahr Stück für Stück in sich zusammenbricht. Ja, der Begriff Lügengebäude passt hier wirklich gut, denn Wegner hat vor den Augen der Öffentlichkeit eine Unwahrheit auf der anderen aufgebaut, um jeweils die vorhergehende Unwahrheit besser aussehen zu lassen.

Mit dem Tennismatch fing es an

Es begann damit, dass der Regierende behauptete, er habe sich am ersten Tag des Stromausfalls den ganzen Tag „zu Hause eingeschlossen“. Kurz darauf kam heraus, dass Wegner in Wahrheit mittags mit seiner Lebensgefährtin und zugleich Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch Tennis gespielt hatte. „Zu Hause eingeschlossen“? Lüge Nummer eins!

Um sich aus dieser peinlichen Lage herauszuwinden, behauptete Wegner anschließend, er habe „in der Tat um 8:08 begonnen, die Telefonate zu führen“. Der Regierende weiter: „Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz. Ich habe vor allen Dingen auch mit der Bundesregierung gesprochen, mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Bundesinnenminister (…), und ja, dann habe ich von 13 Uhr bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf frei kriegen wollte.“

Das war Lüge Nummer zwei, denn im März fand der Tagesspiegel heraus, dass es in Wahrheit vor dem Tennismatch keine Telefonate mit Stromnetz Berlin und keine Kontakte zum Kanzleramt und zum Bundesinnenministerium gegeben hatte (wohl aber danach). Führte Wegner am Vormittag womöglich sogar gar kein einziges Telefonat? Das konnte der Tagesspiegel zu dem Zeitpunkt noch nicht herausfinden.

Zeitung musste erst klagen

Die Senatskanzlei wies die Annahme gegenüber der Zeitung seinerzeit, also kurz nach Entlarvung der zweiten Falschbehauptung Wegners, aber als „unzutreffend“ zurück – und tischte der Öffentlichkeit damit Lüge Nummer drei auf. Denn wie der Tagesspiegel am Dienstag berichtete, musste der Senat jetzt auch noch zugeben, dass „vor 12:45 Uhr kein Telefonat geführt“ worden sei. „Vielmehr fand der Austausch per Textnachrichten statt.“

Die zweite und die dritte Lüge wurden überhaupt erst dadurch bekannt, dass der Tagesspiegel den Senat auf Auskunft verklagte – nachdem der sich geweigert hatte, entsprechende Informationen preiszugeben. Damit ist auch die Annahme kaum haltbar, Wegner habe nur versehentlich falsche Angaben gemacht. Der Regierende hat sich vielmehr in ein Lügennetz verstrickt, aus dem er nicht mehr herauskam.

Was soll die CDU nun tun?

Die Hauptstadt-CDU gerät dadurch nun in eine ziemlich unangenehme Lage. Bis zu den Abgeordnetenhauswahlen am 20. September sind es nur noch gut zwei Monate hin. Wechseln die Christdemokraten Wegner aus, müssen sie kurzerhand einen anderen Spitzenkandidaten auftreiben, wobei kaum noch Zeit bliebe, ihn den Berlinern bekannt zu machen.

Hält die CDU dagegen an ihrem Regierenden fest, muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, die dreiste politische Lüge salonfähig zu machen. Wie soll man einem Politiker auch nur in irgendeiner Sache, die er tut, noch vertrauen, wenn er sich als derartiger Lügner erwiesen hat? Bezeichnend ist nun, dass man fast den Eindruck gewinnt, die CDU würde dann strategisch klug handeln, wenn sie an Wegner festhält, statt ihn fallen zu lassen.

Denn so richtig bekommt man nicht den Eindruck, dass Lüge Nummer drei noch als echter Skandal wahrgenommen wird. Ja: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Wer aber zweimal lügt und immer noch im Amt bleibt, bei dem wundert man sich über eine dritte Lüge dann auch nicht mehr. Oder um es wiederum mit dem Volksmund zu sagen: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.

Im Lügennetz verstrickt: CDU-Bürgermeister Kai Wegner. Foto: picture alliance / Sipa USA | PRESSCOV
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