FRANKFURT AM MAIN. Erstmals seit 2023 hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen angehoben. Mit der Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent reagierte die Währungsbehörde mit Sitz in Frankfurt am Main auf den Ölpreisschock und die steigenden Verbraucherpreise, die nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs einschlugen. „Durch den Krieg im Nahen Osten entsteht Druck auf die Inflation“, heißt es von der EZB.
Mittelfristig sei der EZB-Rat „fest entschlossen, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation“ beim Zielwert von zwei Prozent einpendle. Es gehe darum, „die reibungslose Funktionsfähigkeit der geldpolitischen Transmission aufrechtzuerhalten“. Die Notenbank dämpfte im Zuge der Maßnahme ihre Wachstumsprognose für die Eurozone auf durchschnittlich 0,8 Prozent für 2026. Im März ging die EZB noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent aus. Für 2027 erwartet die Behörde eine Wachstumsrate von 1,2 Prozent.

Lob und Kritik an EZB-Leitzins-Erhöhung
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, begrüßte die Entscheidung. „Die EZB handelt richtig, wenn sie die Zinsen erhöht. Der starke Anstieg der Inflation infolge des Iran-Kriegs und der höheren Energiepreise zwingt sie zum Handeln.“ Es gebe jedoch auch Risiken. „Die Wirtschaft im Euroraum ist schwach, die deutsche Wirtschaft besonders verwundbar“, sagte der DIW-Chef. So könnten höhere Zinsen „Investitionen bremsen, Unternehmen zusätzlich belasten und das Rezessionsrisiko erhöhen“. Entscheidend sei daher Flexibilität.
Kritik gab es aus dem Gewerkschaftslager. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Stefan Körzell, empörte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Es gibt keine ökonomische Rechtfertigung für eine Zinserhöhung, denn die Preise steigen nicht durch eine überhitzte Wirtschaft.“
Seit dem Iran-Krieg haben die Verbraucherpreise enorm angezogen. Im Mai lagen sie 3,2 Prozent über jenen des Vorjahresmonats. Tanken ist seitdem wesentlich teurer, aber auch die Kosten anderer Brennstoffe und Güter wie Düngemittel sind gestiegen. Dadurch sind in vielen Bereichen, unter anderem in der Landwirtschaft oder Industrie, Mehrkosten entstanden, die teils an die Verbraucher weitergegeben wurden.
Kredite werden teurer
Mit dem Schritt macht es die EZB effektiv teurer, Geld zu leihen. Die Zentralbank legt die Leitzinsen im europäischen Währungsraum fest – vor allem den Einlagensatz, also was Banken für Einlagen bei der EZB bekommen, und den Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken Geld bei der Währungsbehörde leihen können.
Banken müssen nun mehr Zinsen zahlen, wenn sie sich Geld von der EZB leihen, und geben dies an ihre Kunden in Form von teureren Krediten und höheren Sparzinsen weiter. (rsz)






