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Anja Arndt, AfD

Nachlass der Schriftstellerin: Banines unerfüllte Liebe zu Ernst Jünger

Nachlass der Schriftstellerin: Banines unerfüllte Liebe zu Ernst Jünger

Nachlass der Schriftstellerin: Banines unerfüllte Liebe zu Ernst Jünger

Der konservative Schriftsteller Ernst Jünger arbeitet an seinem Schreibtisch. Ein neues Buch befasst sich mit seiner Bekanntschaft mit Umm el-Banine Assadoulaeff.
Der konservative Schriftsteller Ernst Jünger arbeitet an seinem Schreibtisch. Ein neues Buch befasst sich mit seiner Bekanntschaft mit Umm el-Banine Assadoulaeff.
Der konservative Schriftsteller Ernst Jünger arbeitet an seinem Schreibtisch. Foto: IMAGO / United Archives Sven Simon Archive
Nachlass der Schriftstellerin
 

Banines unerfüllte Liebe zu Ernst Jünger

Sie verband eine langjährige Freundschaft mit Ernst Jünger: Die neu herausgegebenen Erinnerungen von Umm el-Banines werfen ein neues, weiblich geprägtes Licht auf den konservativen Schriftsteller. Till Kinzel rezensiert.
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Als Ernst Jünger im Zweiten Weltkrieg als Offizier der Besatzungsarmee nach Paris kam, lebte dort bereits seit längerer Zeit eine muslimische Aserbaidschanerin, Umm el-Banine Assadoulaeff (1905–1992). Diese war schon 1925 vor einer sie bedrückenden Ehe – und letztlich auch dem Islam – aus ihrem Heimatland geflohen, das durch den sich in der Kaukaususregion durchsetzenden Bolschewismus ungemütlich geworden war.

Ihre faszinierenden Erinnerungen an Kindheit und Jugend in Baku und am Kaukausus liegen seit 2021 vor („Kaukasische Tage“). In Paris dagegen hatte sie ein zweites, befreites Leben begonnen, wie sie in ihrem bisher nicht ins Deutsche übersetzen Erinnerungsbuch über diese Stadt schrieb („Jours parisiens“; 1947). Dazu gehörte eine neue sexuelle Freiheit – das Verhältnis zu dem Schriftsteller Jünger war jedoch anders gelagert.

Die sehr persönlichen Erfahrungen mit Jünger, die nun mit „Liebe ist Dir verboten“ vorliegen, gehören zu einem vollständigeren Bild ihrer Persönlichkeit. Noch fehlt eine Biographie Banines. Was jetzt aus dem Nachlass von dem Jünger-Kenner Alexander Pschera herausgegeben wurde, sind die Erinnerungen und Reflexionen einer im Letzten hoffnungslos in Jünger verliebten Frau. Diese sagen unter dem Strich mehr über Banine aus als über den Autor, der im Laufe seiner Schriftstellerkarriere von nicht eben wenigen Frauen angehimmelt und verehrt wurde.

Unter diesen war zum Beispiel in der Zeit des Zweiten Weltkrieges die Schriftstellerin Luise Rinser – mit der Banine viel später Kontakt aufnahm, wovon sie ebenfalls berichtet. Vor allem aber pflegte Jünger in Paris ein Verhältnis mit der Kinderärztin Sophie Ravoux, der gegenüber Banine entsprechend reserviert war.

Alexander Pschera (Hrsg.): Banine: Liebe ist Dir ­verboten. Ernst Jünger und ich. Aufzeichnungen 1941–1991. Friedenauer Presse, Berlin 2026, gebunden, 300 Seiten, 28 Euro

Jünger plagte ein Rechtsstreit mit Louis-Ferdinand Celine

Obwohl Banine in Frankreich mehrere Bücher über Jünger schrieb, ist das vorliegende, das auf ihren Tagebüchern beruht, eine Besonderheit: Es erscheint zuerst in deutscher Übersetzung und bietet eine radikale weibliche Perspektive auf Jünger. Diese kann nicht das Zentrum seines Werkes erfassen, aber auch Anekdoten und Klatsch sind dann, wenn man sich überhaupt für die Biographie eines Autors interessiert, nicht ohne einen gewissen Erkenntniswert.

In immer neuen Anläufen reflektiert Banine ihre Verliebtheit, mit der sie Jünger sicherlich auch etwas auf die Nerven ging – so wie es für den Leser anstrengend sein kann, wenn er wieder und wieder lesen muss, dass sie ganze Tage ihrer unerfüllten Sehnsucht nach Jüngers Liebe wegen verweinte. So blieb es nicht aus, daß sie ihm Kälte und Egoismus vorwarf. Doch sie stellte sich auch immer wieder vor, wie es gewesen wäre, hätte Jünger sie und nicht die Archivarin Liselotte Lohrer geheiratet, obwohl ihr klar war, dass sie selbst für den Ehestand, wie ihn Jünger brauchte, nicht geeignet gewesen wäre. Einmal nur, so scheint es, kurz vor der Abreise aus einem gemeinsamen Mittelmeer-Urlaub in Antibes, ließ sich Jünger gehen …

Interessanter sind freilich die gelegentlichen Einblicke in die gemeinsame Arbeit an Übersetzungen. Dabei kommt es zu einem Eklat, als in der französischen Übersetzung der „Pariser Tagebücher“ zwar einige Namen verschlüsselt werden, nicht aber der des Schriftstellers und rabiaten Antisemiten Louis-Ferdinand Céline, da dieser, so Banine, keine Rücksichtnahme verdiente. Daraus ergab sich jedoch ein langjähriger Rechtsstreit, der für Jünger höchst unangenehm war.

Banine blieb vom deutschen Autor begeistert

Während Banine über Jahrzehnte immer neue emotionale Energie investieren musste, um mit Jünger und seiner oft schroffen Art ins reine zu kommen, empfand sie zunehmend das Bedürfnis nach einer religiösen Wandlung. Lange bevor Jünger im hohen Alter den Schritt in die katholische Kirche machte, konvertierte seine Verehrerin Banine. Sie schrieb darüber ein Buch mit dem prononciert antimarxistischen Titel „Ich wählte das Opium“, indem sie auf Marx’ These anspielte, Religion sei das Opium des Volkes.

Die Freundschaft Banines mit Jünger hielt Jahrzehnte. Dieser rief sie regelmäßig an; immer wieder kam es zu Treffen; Banine übernahm die Aufgabe einer französischen Korrespondentin Jüngers, die auch Recherchen für ihn anstellte, so über Pariser Parfüme für dessen Kriminalroman „Eine gefährliche Begegnung“.

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Und Banine hatte nun genug Distanz gewonnen: „Ich lebe weiter in seinem Schatten, aber in Gelassenheit.“ Sie blieb begeistert vom Autor Jünger, aber war weniger enthusiastisch, was den Denker Jünger anging. Hier erschien er ihr zu konservativ und starr, vor allem seine undifferenzierte Kritik an der modernen Technik hielt sie für falsch.

Aus der JF-Ausgabe 25/26.

Der konservative Schriftsteller Ernst Jünger arbeitet an seinem Schreibtisch. Foto: IMAGO / United Archives Sven Simon Archive
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