WASHINGTON. Die Vereinigten Staaten haben offenbar mit der Planung eines Einsatzes von Bodentruppen im Iran begonnen. Wie eine Person aus Regierungskreisen der Washington Post berichtete, gehe es um die Besetzung der Insel Charg, auf der ein Großteil der iranischen Ölexporte abgewickelt wird. Die Mission sei eine Sache von „Wochen, nicht Monaten“, habe der Kontakt erläutert. Ein Kollege hingegen soll von „mehreren Monaten“ Einsatzdauer gesprochen haben.
Am Freitag erst hatte das Wall Street Journal berichtet, das Weiße Haus erwäge die Entsendung weiterer 10.000 Soldaten in die Krisenregion – die zu rund 5.000 Marines und 2.000 Fallschirmjägern vor Ort dazustoßen würden. Zuvor berichtete die US-amerikanische Nachrichtenplattform Axios von Planungen im Pentagon, der Islamischen Republik den militärischen „Endschlag“ zu versetzen.
Dieser bestehe neben massiven Raketenangriffen auch in einem Einsatz von Bodentruppen. Die Washington Post erklärte in ihrer Berichterstattung wiederum, keinen der beiden Berichte unabhängig bestätigen zu können.
„Das ist keine Planung in letzter Sekunde“
Ein ehemaliger hochrangiger Beamter aus dem Pentagon hingegen bestätigte der Zeitung, dass besagte Szenarios bereits auf höchster Ebene besprochen wurden. „Wir haben uns das alles schon einmal angeschaut. Es wurde alles schon einmal durchgespielt“, teilte der Ex-Mitarbeiter der Post mit. „Das ist keine Planung in letzter Sekunde.“
Charg liegt rund 30 Kilometer vom iranischen Festland entfernt und dient als Hauptumschlagplatz für das Ölgeschäft der Islamischen Republik. Die karge Insel mit mehreren Piers für Superfrachter ist etwa 6 Kilometer lang und 4 Kilometer breit und hat an die 10.000 Einwohner. An den Terminals werden Rohöl, Dünger und Flüssiggas verladen. Die Deponien auf Charg bieten Platz für mehrere dutzend Millionen Barrel auf einmal.

Bereits Anfang März hatten die Vereinigten Staaten die Insel unter Beschuss genommen und dabei eigenen Angaben zufolge mehr als 90 iranische Stellungen zerstört. Satellitenaufnahmen zeigten, dass die Insel auch nach der Attacke für den Ölexport genutzt wurde.
Erwarten die Iraner die US-Soldaten bereits?
Laut Informationen der Washington Post ist anzunehmen, dass die iranischen Revolutionsgarden – eine über hunderttausend Mann starke paramilitärische Spezialeinheit – sich bereits auf der Insel eingegraben haben und auch dazu bereit sind, die reichen Ölreserven vor Ort als Waffe gegen die Angreifer einzusetzen.
Bei den Einsätzen der Vereinigten Staaten gegen den Iran sind im vergangenen Monat bereits 13 US-Soldaten getötet und mehr als 300 weitere verwundet worden. Die amerikanische Öffentlichkeit ist nach wie vor stark gespalten bei der Frage, ob die USA ihren Einsatz im Iran fortsetzen sollten oder nicht.
In den vergangenen Tagen hatte das Weiße Haus sich immer wieder zuversichtlich über laufende Verhandlungen mit dem Iran geäußert – der den Kontakt zur US-Regierung aber sogleich dementierte. Nun warnte die Sprecherin des Präsidenten Karoline Leavitt, Trump sei „bereit, die Hölle loszulassen“, wenn Teheran nicht sein Atomprogramm aufgebe und die Drohgebärden in Richtung USA beende.
„Sie schießen immer noch“
Der Iran zeigte sich indes nur wenig beeindruckt von den durchgesickerten Plänen der US-Regierung in Washington, Bodentruppen zu entsenden. Man warte ungeduldig darauf, amerikanische Soldaten auch im Feld zu schlagen, teilten die iranischen Streitkräfte dem Wall Street Journal zufolge mit.
Recherchen der Washington Post zufolge hat die Militärinfrastruktur des Landes nach vier Wochen Krieg jedoch bereits erhebliche Schäden davongetragen. So seien bereits vier Fabriken für ballistische Raketen und 29 Abschussstellen bei Angriffen von Israel und den Vereinigten Staaten zerstört worden.
Satellitenauswertungen zeigten, dass die Fähigkeit des Irans zur Produktion neuer Langstreckenwaffen empfindlich gestört sei. Völlig zerstört sei das Raketenprogramm allerdings nicht. „Sie schießen immer noch. Das ist ein Kernindikator“, kommentierte der Militäranalyst Tom Karako vom Center for Strategic and International Studies in Washington gegenüber der Post. (fw)