VETSCHAU. Die Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotré hat am Donnerstagabend an einem Vortrag des österreichischen, rechten Publizisten Martin Sellner im Spreewald teilgenommen. Zuvor hatten führende Vertreter der Partei gefordert, den ursprünglich geplanten Termin abzusagen.
Die Veranstaltung war zunächst auf Einladung Kotrés vorgesehen. Nach parteiinternem Widerspruch intervenierten die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie der brandenburgische Landesvorsitzende René Springer und verlangten, den Termin zu stoppen. Die Veranstaltung wurde daraufhin abgesagt, fand jedoch am selben Abend an einem anderen Ort auf Einladung Sellners statt. Kotré erschien als Gast.
Kotré fordert Abschiebungen, „bis die Startbahn glüht“
Eine Distanzierung von der Veranstaltung lehnte die Abgeordnete ab. „Ich schäme mich nicht dafür“, sagte Kotré laut der Welt. Während des Abends äußerte sie sich auch zu Fragen der Abschiebepolitik. Die mögliche Ausweisung deutscher Staatsbürger gehöre nicht zum Konzept der AfD, sagte Kotré. Zugleich erklärte sie, sie begrüße es, daß es „progressive“ Köpfe gebe, die in dieser Frage „weiterdenken“.
Nach einem Bericht des Tagesspiegels sprach Kotré zudem von der Notwendigkeit „millionenfacher“ Abschiebungen. Sollte sie eines Tages Innenministerin werden, werde „abgeschoben, bis die Startbahn glüht“, sagte sie demnach. Das Publikum reagierte laut dem Bericht mit Beifall.
NGO soll Sellners Remigrationskonzept wissenschaftlich begleiten
Sellner stellte bei dem Auftritt sein Konzept der Remigration vor. Nach eigenen Angaben wolle er deutsche Staatsbürger nicht abschieben. Er sprach von einer Politik der Leitkultur und Assimilation, die in Verbindung mit Heimkehranreizen dazu führen solle, daß parallele Gesellschaften verschwänden. Als Beispiel nannte er ein Burka-Verbot. Sein Konzept bezeichnete Sellner als legal.
Zugleich wies der frühere Kopf der Identitären Bewegung in Österreich den Vorwurf zurück, er plane eine weitreichende Deportation. Den Begriff habe er nie verwendet, sagte Sellner. Er kündigte außerdem an, eine international tätige Nichtregierungsorganisation gründen zu wollen, die sich wissenschaftlich mit dem Thema Remigration befassen solle.
Gegen die Veranstaltung kam es zu Protesten. Das nach eigenen Angaben überparteiliche Bündnis „Vetschau für alle“ erklärte, Sellner sei nicht willkommen. Sprecherin Anna Kurz sagte, man wolle niemanden abschieben. Ob die Teilnahme Kotrés parteiinterne Konsequenzen nach sich zieht, ist bislang nicht bekannt. Eine entsprechende Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT bei AfD-Landeschef Springer blieb bislang unbeantwortet. (sv)




