BERLIN. Mutmaßliche Linksextremisten haben am Sonnabend die türkische Botschaft in Berlin mit Farbe beschmiert. Der Vorfall soll sich kurz nach Mitternacht ereignet haben, mit etwa 40 Tätern, die den Zaun der Staatsvertretung mit roter Farbe beschädigten, wie ein Sprecher der Berliner Polizei am Dienstag mitteilte. Nach der Farbattacke zündete die Gruppe mehrere sogenannte Nebeltöpfe. Außerdem beschmierte sie den Zaun der danebenliegenden südafrikanischen Botschaft.
Auch der Gehweg vor den Botschaften wurde laut Polizei mit „einer Parole“ in weißer Farbe beschmiert. Um welche Parole es sich dabei handelt, teilten die Beamten nicht mit. Die Polizei konnte zwei Personen, einen 19- und einen 20jährigen Mann, in der Nähe des Tatorts festnehmen. Die weiteren Ermittlungen führt der Staatsschutz, weil die Ermittler ein politisches Motiv für denkbar halten.
Am Dienstag tauchte auf der linksextremen Online-Plattform „Indymedia“ ein Selbstbezichtigungsschreiben auf. Darin heißt es: „Mit ordentlich Feuerwerk wurde eine klare Botschaft hinterlassen: DEFEND KOBANÊ!“ Die neue syrische Regierung bestehe aus „Jihadistenbanden“, die „mit internationaler Rückendeckung morden und die Revolution in Rojava angreifen“. Der nun erfolgte Farbanschlag sei „die Antwort der Internationalen Solidarität“, schreiben die mutmaßlichen Täter dazu.
Türkischer Staat ist Feindbild vieler Linker
Teile der linksextremen deutschen Szene betrachten den türkischen Staat als Feind. Neben Kritik am konservativ-islamischen Kurs der Regierung um Staatschef Recep Tayyip Erdoğan liegt das vor allem am Kurden-Konflikt. Die Türkei bekämpft die linksextremistische, separatistische kurdische Partei PKK militärisch. Die Gruppe wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft, im Mai vergangenen Jahres gab sie ihre Auflösung bekannt (JF berichtete).
Die kurdische Region Rojava und die Stadt Kobane haben eine große symbolische Bedeutung für Linksextremisten auf der ganzen Welt. In diesen Gebieten entstand 2012 ein staatenähnliches Gebilde, das auf Basisdemokratie, Rätestrukturen und Selbstverwaltung setzt. Auch die Rolle der Frau ist dort vergleichsweise egalitär gegenüber den Männern. Außerdem wurde in Kobane im Januar 2015 der IS nach mehrmonatiger Belagerung der Stadt vollständig besiegt – aus der Sicht vieler Linksextremisten ein symbolischer Triumph eines linken Systems gegen religiöse Fundamentalisten. (st)






