MÜNCHEN. Schwere Vorwürfe hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gegen die Weimer Media Group erhoben. Die Firma des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer bewege sich mit dem Ludwig-Erhard-Gipfel in einer „erkennbaren Grauzone“. Söder erklärte auf einer Pressekonferenz deshalb, sein Bundesland werde 2026 nicht mehr am Ludwig-Erhard-Gipfel teilnehmen, der vom 28. bis zum 30. April stattfinden soll. Der Freistaat werde „sowohl mit der Schirmherrschaft, der Teilnahme als auch einem entsprechenden Staatsempfang“ aufhören, teilte Söder bei einer Pressekonferenz in Bamberg mit.
Söder kritisiert „offensives Anbieten von Kontakten beim Staatsempfang“
Söder konkretisierte, was ihm an den Geschäftspraktiken der Weimer Media Group besonders missfällt: „Insbesondere das sehr offensive Anbieten auch von den Kontakten über den Staatsempfang.“ Die von Weimer gegründete Verlagsgruppe bewarb für Teilnehmer des Gipfels Kooperationspakete ganz offen mit „Einfluß auf die politischen Entscheidungsträger“ sowie „Premiumvernetzung“ am Tegernsee, berichtet Apollo News.
Für den Gipfel im April 2026 sind vier Bundesminister angekündigt: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU). In Begleitemails zur Einladung war hervorgehoben worden, daß bei der exklusiven „Executive Night“ auch „die Minister“ anwesend seien. Das Spitzenpaket „Mont Blanc“ beinhaltet darüber hinaus eine „Besprechungs-Lounge für vertrauliche Gespräche“.

Minister für 80.000 Euro treffen
Die Preise der Pakete waren nach Berggipfeln gestaffelt. Das „Zugspitze“-Paket für 40.000 Euro bietet zehn Konferenztickets, Werbeleistungen und eine Panelteilnahme neben Regierungsmitgliedern. Das „Matterhorn“-Paket (60.000 Euro) und das „Mont Blanc“-Paket (80.000 Euro) erweitern den Zugang um exklusive Abendessen, persönliche Gesprächsmöglichkeiten und eine große Standpräsenz im Konferenzzentrum.
Keine Schirmherrschaft, kein Geld, kein Staatsempfang. „Es fehlen Gutachten von der Weimer Media Group.“ Markus Söder gibt den Rückzug vom Ludwig-Erhard-Gipfel bekannt. #Weimer pic.twitter.com/98EwlTvD40
— Dieter Stein (@Dieter_Stein) January 12, 2026
Vorausgegangen waren Vorwürfe gegen den Veranstalter, den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, er habe Unternehmern gegen Geld Zugang zu Regierungsministern versprochen (JF berichtete). Weimers Verlagsgruppe, die „Weimer Media Group“, hatte die Veranstaltung damit beworben, daß beim Ludwig-Erhard-Gipfel „Einfluß auf die politischen Entscheidungsträger“ genommen werden könne.
Infolge dessen hatte Mitte November vergangenen Jahres die bayerische Staatsregierung eine Prüfung eingeleitet, ob der Gipfel weiterhin staatliche Gelder erhalten soll. Diese Prüfung ist noch nicht abgeschlossen. Söder betonte mit Blick auf die Situation, bei der aktuellen Entscheidung handele es sich um „keine Verurteilung, auch keine vorläufige Bewertung“, sondern „einfach eine faire Balance“.
„Erkennbare Grauzone“ – Markus Söder wirft Weimar Media Group vor, sich in einer „Grauzone“ zu bewegen und kritisiert „insbesondere das sehr offensive Anbieten auch von den Kontakten über den Staatsempfang“. Daher Rückzug der Staatsregierung vom Ludwig-Erhard-Gipfel. #weimer pic.twitter.com/JJQuGva0wE
— Dieter Stein (@Dieter_Stein) January 12, 2026
Merz stellt sich vor Weimer
Nachdem die öffentliche Kritik an Weimer lauter wurde, hatte er sich vorläufig von seinen Anteilen an der „Weimer Media Group“ getrennt. Während seiner Amtszeit als Kulturstaatsminister gehören diese 50 Prozent des Unternehmens nun einem Treuhänder. „Ich vollziehe diese Trennung allein, um jeglichen Anschein eines Interessenkonflikts zu vermeiden, der indes tatsächlich nie bestanden hat“, hatte der parteilose Minister die Entscheidung begründet.
Auf dem Höhepunkt der Debatte hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Weimer in Schutz genommen. „Die Vorwürfe, die gegen Wolfram Weimer erhoben worden sind, haben sich alle als falsch erwiesen“, hatte Merz der ARD nach dem G20-Gipfel in Johannesburg gesagt. In den vergangenen Jahren hatten sowohl Merz als auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) beim Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee teilgenommen. (st)






