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Outing bei Stranger Things: „Woker Things“ – Netflix hat es schon wieder getan

Outing bei Stranger Things: „Woker Things“ – Netflix hat es schon wieder getan

Outing bei Stranger Things: „Woker Things“ – Netflix hat es schon wieder getan

Schauspieler Noah Schnapp sorgte mit seinem Outing nicht nur bei Fans der Serie für Schnappatmung. Foto: picture alliance / Jiji Press Photo | Morio Taga
Schauspieler Noah Schnapp sorgte mit seinem Outing nicht nur bei Fans der Serie für Schnappatmung. Foto: picture alliance / Jiji Press Photo | Morio Taga
Schauspieler Noah Schnapp sorgte mit seinem Outing nicht nur bei Fans der Serie für Schnappatmung. Foto: picture alliance / Jiji Press Photo | Morio Taga
Outing bei Stranger Things
 

„Woker Things“ – Netflix hat es schon wieder getan

Eine Szene kurz vor dem Finale kippt die Stimmung bei den „Stranger Things“-Zuschauern. Die Fans strafen Netflix dafür ab. Nicht aus Intoleranz – sondern weil Moral plötzlich wichtiger ist als Geschichte, Tempo und Spannung.
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Eine Szene aus dem großen Finale der erfolgreichsten Netflix-Serie aller Zeiten, „Stranger Things“, hat über die Feiertage eine Debatte ausgelöst. In der Episode outet sich einer der Hauptdarsteller in einem langen, emotionalen Monolog als homosexuell – just in dem Moment, in dem sich die Gruppe auf die entscheidende Konfrontation mit dem Seriengegner vorbereitet. Die Reaktion darauf ist meßbar: Es handelt sich inzwischen um die von den Zusehern am schlechtesten bewertete Folge der gesamten Serie.

Viele Zuschauer beanstanden nicht das „Was“, sondern das „Wie“. Nicht die Figur, sondern die Inszenierung. Nicht die Existenz eines homosexuellen Charakters – dessen Orientierung seit der ersten Staffel angedeutet wurde –, sondern die Tatsache, daß sein Innenleben plötzlich wichtiger sein soll als das äußere Geschehen, das diese Serie groß gemacht hat.

„Stranger Things“ lebte von Spannung, Bedrohung und Tempo. Von Monstern, Angst und Eskapismus. In der Folge „The Bridge“ tritt all das zurück hinter einen erklärenden Monolog, der wirkt, als müsse er noch rasch einen Anspruch einlösen. Nicht beiläufig, nicht organisch, sondern auffällig gesetzt, mit dem Tonfall einer Botschaft, nicht mit dem Rhythmus einer Erzählung.

Immer wieder Netflix

Netflix ist in den vergangenen Jahren wiederholt dadurch aufgefallen, daß erzählerische oder historische Stoffe sichtbar nach heutigen Moralmaßstäben „korrigiert“ wurden. In Bridgerton etwa wird das England des 19. Jahrhunderts ethnisch neu besetzt, ohne es als Phantasiewelt kenntlich zu machen. In der Dokuserie Queen Cleopatra wurden historische Fakten demonstrativ überschrieben – unter dem Etikett einer „neuen Perspektive“. Der Protest kam nicht aus ideologischen Echokammern, sondern von Historikern und aus Ägypten selbst (die JF berichtete).

Der gemeinsame Nenner ist erkennbar: Es geht nicht um Vielfalt, sondern um Deutungshoheit. Nicht um Figuren, sondern um Signale. Und genau dieses Muster erkennen viele Zuschauer nun auch bei „Stranger Things“ wieder. Die Szene wirkt nicht wie ein natürlicher Schritt der Figur, sondern wie ein bewußter Einschub – als müsse noch vor dem eigentlichen Finale demonstriert werden, daß man auf der richtigen Seite steht.

Das lächerlich oder zumindest deplatziert zu finden, ist nicht homophob. Es ist eine ästhetische Reaktion. Viele Kritiker betonen ausdrücklich, daß sie kein Problem mit Wills Sexualität haben, wohl aber mit der klobigen Exposition, dem Timing und der erzählerischen Schwerfälligkeit dieser Szene. Selbst wohlwollende Kritiken sprechen von schwacher Dramaturgie und stagnierender Figurenentwicklung.

Die anschließende Empörung folgt dennoch einem bekannten Muster. Kritik wird moralisch aufgeladen, Einwände werden etikettiert, Geschmack wird politisiert. Aus einer Frage der Erzählkunst wird eine Gesinnungsprüfung.

Am Ende bleibt eine nüchterne Feststellung: Wenn eine einzelne Szene zur schlechtestbewerteten Folge einer ansonsten hochgelobten Serie wird, liegt das Problem nicht beim Publikum. Gute Serien überzeugen durch innere Logik, nicht durch demonstrative Signale. Wenn Erzählen zur Nebensache wird und das Setzen von Zeichen zur Hauptsache, verliert selbst ein einst starkes Format genau das, was es erfolgreich gemacht hat.

Schauspieler Noah Schnapp sorgte mit seinem Outing nicht nur bei Fans der Serie für Schnappatmung. Foto: picture alliance / Jiji Press Photo | Morio Taga
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