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Kulturjahr 2026: Zu Gast in Berlin

Kulturjahr 2026: Zu Gast in Berlin

Kulturjahr 2026: Zu Gast in Berlin

Wachen am Ghenggis Khaan National Museum: Mongolische Kultur in Deutschland. Foto: Ghenggis Khaan National Museum. Ausstellung zu Gast in Berlin.
Wachen am Ghenggis Khaan National Museum: Mongolische Kultur in Deutschland. Foto: Ghenggis Khaan National Museum. Ausstellung zu Gast in Berlin.
Wachen am Ghenggis Khaan National Museum: Mongolische Kultur in Deutschland. Foto: Ghenggis Khaan National Museum
Kulturjahr 2026
 

Zu Gast in Berlin

Ob französische Impressionisten oder mongolische Horden: Das Kulturjahr 2026 verspricht einiges an Höhepunkten. In Berlin gibt es sogar eine Ausstellung, die sich vor allem an Türken richtet.
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Design-Ikonen wie Verner Panton, Menschenschlächter wie Dschingis Kahn und Malergenies wie Sandro Botticelli haben eines gemeinsam: Alle drei gehören kommendes Jahr zu den Höhepunkten der Ausstellungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK).

2026 ist das erste gesamte Jahr unter der neuen Präsidentschaft Marion Ackermanns, da sollte auch rangeklotzt werden. Immerhin erhält die SPK 2025 deutlich mehr Mittel als noch ein Jahr zuvor. Und darüber hinaus feiert die Nationalgalerie ihren 150. Geburtstag. Hier also ein Blick in die nahe Zukunft.

Ausstellung für Türken

„In Ausstellungen Menschen zusammenzubringen und ihnen prägende Erlebnisse oder tiefe Erkenntnisse zu vermitteln, ist ein zentraler Auftrag der Stiftung“, umreißt Ackermann ihre Aufgabe. „Im kommenden Jahr wird es nicht nur hochkarätige Sonderausstellungen geben, sondern auch Projekte, die durch Vernetzung und Verdichtung im SPK-Kosmos entstanden sind. Genau das ist ja unsere Stärke“, verspricht sie. Zusammengefaßt: Bildungsauftrag erfüllen, Reichweite und Einnahmen generieren.

Apropos Einnahmen: Immerhin erhält die SPK 2025 deutlich mehr Mittel, nämlich rund 388,4 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt, als noch ein Jahr zuvor. Da waren es 342,5 Millionen Euro. Damit wolle man ihren Transformationsprozeß stärken und die Zukunftssicherheit ihrer Einrichtungen, wie zum Beispiel der Museumsinsel, gewährleisten. Die Stiftung befinde sich in einem Transformationsprozeß und müsse sich international messen, begründete Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die Mittelerhöhung.

Eine Bevölkerungsgruppe, die sonst weniger in Museen zu finden ist, möchte die SPK gleich zu Beginn des Jahres mit der Ausstellung des Vorderasiatischen Museums „zu Göbeklitepe und seinem Umfeld“ ansprechen: die „türkische Community“. Auf die ist dann auch speziell das Begleitprogramm zugeschnitten. Wie man sich das vorstellen soll, steht in den Sternen. Ab Februar 2026 sind jedenfalls in der James-Simon-Galerie 12.000 Jahre alte Bilder, Alltagsgegenstände und Schmuck zu sehen.

Paukenschlag im Frühjahr

Barbara Helwing, Direktorin des Vorderasiatischen Museums, sagt: „Die Exponate zeugen von einer komplexen spirituellen Welt der frühen sesshaften Kulturen. Im Rahmen von Ritualen und Festen trugen sie zur Bekräftigung und Ordnung der Gemeinschaften bei. Eine lebendige Gemeinschaft war der Schlüssel für das Überleben und die Resilienz der frühen seßhaften Kulturen.“ Seltsam, das klingt doch irgendwie gar nicht nach bunter Vielfalt, oder? Die Ausstellung wurde jedenfalls gemeinsam mit dem Archäologischen Museum Şanliurfa und dem Forschungsprojekt Taş Tepeler der Universität Istanbul erarbeitet.

Das Frühjahr beginnt mit einem Paukenschlag: Das Centre Pompidou ist zu Gast in Berlin. Eine Win-win-Situation: Durch Umbaumaßnahmen in der weltberühmten Galerie dient sich die SPK als Vermieter auf Zeit an. Unterschlupf findet an der Spree der französischen Bildhauer Constantin Brancusi (1876–1957) mit über 150 seiner Skulpturen, Fotografien und Filme. „Wir werden in der oberen Halle der Neuen Nationalgalerie außerdem eine Teilrekonstruktion des berühmten Ateliers von Brancusi aufbauen“, sagt Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie. Es sei die erste umfassende Werkschau des Künstlers seit über 50 Jahren in Deutschland. Sie steht unter der gemeinsamen Schirmherrschaft der beiden Staatsoberhäupter Emmanuel Macron und Frank-Walter Steinmeier. Zu sehen sind Hauptwerke wie „Der Kuss“, „Vogel im Raum“, „Schlummernde Muse“ oder „Unendliche Säule“.

Die Mongolen kommen

Für die zweite Jahreshälfte ist die Ausstellung „Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus“ geplant. Paul Cassirer (1871–1926), ein berühmter Kunsthändler, warb engagiert für die französischen Impressionisten und verhalf ihnen so auch zum künstlerischen Durchbruch in Deutschland. Anette Hüsch, Direktorin der Alten Nationalgalerie: „Paul Cassirer war eine Schlüsselfigur seiner Zeit und hat Künstler wie Cézanne, Degas, Monet, Renoir, Manet und Vincent van Gogh hier erstmals bekannt gemacht, sich aber auch für den deutschen Impressionismus, die Berliner Secession und die Avantgarde eingesetzt.“ Die Ausstellung in Berlin zeigt entlang von über hundert Werken des Impressionismus und der klassischen Moderne das beeindruckende Engagement Paul Cassirers für die Kunst.

Zum Jahresende erobern dann die mongolischen Horden Berlin. Eine spektakuläre Ausstellung zu Leben und Werk Dschingis Khans verspricht die SPK ab Ende 2026 in der James-Simon-Galerie. 2027 jährt sich das Todesjahr des Begründers des mongolischen Weltreiches zum 800. Mal. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, sagt: „Wir können hier archäologische Schätze aus der Mongolei zeigen, von denen viele noch nie in einer Ausstellung außerhalb des Landes zu sehen waren! Sie geben einzigartige Einblicke in das ‘Mongolische Jahrhundert’, das zwischen 1250 und 1350 die Welt nachhaltig veränderte. Das hat mehr mit der Welt von heute zu tun, als wir uns das vorstellen können.“

Zur Ausstellung „Dschingis Khan – Die Welt der Mongolen“ steuern auch die Staatsbibliothek zu Berlin, die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin und das Museum für Islamische Kunst Leihgaben bei. Zum Beispiel keramische Innenausstattung des mongolischen Sommerpalastes in Tacht-e Suleyman aus dem Iran.

„Power, Pop und Plastik“

„Sexy-Mini-Super-Flower-Pop-op-Cola.“ Nein, es geht ab dem 13. November 2026 im Kulturforum nicht um den legendären Werbespruch von Charles Wilp. Aber es geht um eine ebenso legendäre Design-Ikone: den Architekten Verner Panton (1926–1998). Wer kennt sie nicht, die überaus unbequemen quietsch-bunten Plastikstühle von ihm. Möbelbeine mochte der Däne nicht, deshalb baute er bodennahe Sessel, die immer wegrollten und ebenso unbequem waren wie der Vitra-Freischwinger. Alles, die ganze Wohnung, sollte von ihm, also Panton sein.

 

Das ist ein cleveres Geschäftsmodell: Tische, Stühle, Tapeten, Vorhänge, Regale nur von einem Hersteller. Seinen 100. Geburtstag feiert gebührend das Kunstgewerbemuseum mit „Power, Pop und Plastik“. Die Behauptung der SPK, die Zeit der „guten Stube“ sei abgelaufen gewesen, „der Pop zog in die Wohnzimmer“, scheint allerdings beim Blick auch auf heutige Wohnzimmerarchitektur mit Schrankwänden und Samtvelour-Ecksofas etwas übertrieben. Sibylle Hoiman, Direktorin des Kunstgewerbemuseums, kommt doch da Panton und seinen Ideen näher, wenn sie von „Wohn-utopien“ spricht. Die sind aber allemal sehenswert.

Aus der JF-Ausgabe 02/26.

Wachen am Ghenggis Khaan National Museum: Mongolische Kultur in Deutschland. Foto: Ghenggis Khaan National Museum
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