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Werner Patzelt, Deutschlands blaues Wunder, AfD

Karlheinz Weißmann stellt neues Buch vor: „Freiheit ist kein rechter Begriff“

Karlheinz Weißmann stellt neues Buch vor: „Freiheit ist kein rechter Begriff“

Karlheinz Weißmann stellt neues Buch vor: „Freiheit ist kein rechter Begriff“

JF-Autor Karlheinz Weißmann in der Bibliothek des Konservatismus: Referiert über die Anfänge der Nachkriegsrechten. (Themenbild/Collage)
JF-Autor Karlheinz Weißmann in der Bibliothek des Konservatismus: Referiert über die Anfänge der Nachkriegsrechten. (Themenbild/Collage)
JF-Autor Karlheinz Weißmann in der Bibliothek des Konservatismus: Referiert über die Anfänge der Nachkriegsrechten. Fotos: FKBF /// Edition JF JF-Montage
Karlheinz Weißmann stellt neues Buch vor
 

„Freiheit ist kein rechter Begriff“

Eine Zeitreise, voller Saal und zahlreiche Diskussionen: Bei der Vorstellung von „Zwischen Reich und Republik“ in der Bibliothek des Konservatismus erklärt Karlheinz Weißmann nicht nur die Geschichte der Rechten.
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Umfrage - soll CDU mit AfD koalieren?

Historiker, Publizist, Lehrer, Gegenaufklärer aus Leidenschaft: In der Berliner Bibliothek des Konservatismus ist Karlheinz Weißmann ein willkommener Gast. Ein „gutes Dutzend Mal“ sei er hier gewesen, erwähnt Bibliotheksleiter Wolfgang Fenske. Wie auch jetzt am Mittwoch abend. Mehr als 100 Gäste füllen den Lesesaal, auch ein Journalist vom Deutschlandfunk ist dabei. Eigentlich soll Weißmann nur sein jüngstes Buch „Zwischen Reich und Republik“ über die Geschichte der deutschen Nachkriegsrechten vorstellen. Doch der Vortrag beginnt und endet mit der Gegenwart der Rechten.

„Vielleicht geht dieser lange Marsch durch die Wüste für die politische Rechte in Deutschland jetzt zu Ende“, äußert er vorsichtig. Vor wenigen Tagen wählte erstmals jeder fünfte Bürger eine Kraft rechts der CDU und CSU, die AfD. „Die Oase ist vielleicht in Sicht. Aber da ich ein Historiker bin und nur ein rückwärtsgewandter Prophet, der das im Nachhinein immer besser weiß, verzichte ich jetzt darauf, darüber hinaus irgendwelche Prognosen von mir zu geben.“

Karlheinz Weißmann: Zwischen Reich und Republik. Geschichte der deutschen Nachkriegsrechten. 325 Seiten, JF-Edition. Jetzt im JF-Buchdienst bestellen.

Die Rechte spielte dank Bürgerblock eine Rolle

Zwei Stunden lang bleibt Weißmann also bei dem, was war. Er erinnert an die Zeiten ohne Brandmauern, an den „Bürgerblock“ der CDU, CSU, FDP und der Deutschen Partei unter dem ersten CDU-Bundeskanzler Konrad Adenauer. An das Selbstbewußtsein, mit dem die Rechte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Werte verteidigt habe. An die schwierigen Anfänge der Nachkriegsrechten bis ins kleinste Detail. Und an die Flüche, die die Kräfte rechts des „Bürgerblocks“ und deren Nachfolger über Jahrzehnte verfolgt haben.

„Ununterbrochene Auseinandersetzungen um die Führungspositionen, ununterbrochene ideologische Querelen, auch um kleinste Kleinigkeiten“, so Weißmann. „Und dann trägt natürlich das Auftreten all der halb oder total Verrückten dazu bei, daß so ein politisches Konzept einfach zum Scheitern verurteilt ist.“

Hier darf auch die Frühphase der NPD, heute Die Heimat, nicht fehlen. „Mir hat ein ehemaliger Bundestagskandidat der NPD vom Jahr 1969 gesagt: ‘Ich habe mich nicht getraut, auch nur meine guten Freunde mit zu Parteiversammlungen zu nehmen, weil mir das immer so peinlich war.’“ Damals verpaßte sie die Fünf-Prozent-Hürde mit 4,3 Prozent.

Ohnehin hätten die Sechziger eine Wende markiert – mit dem Mißerfolg der NPD, dem Rücktritt Adenauers und dem anschließenden Scheitern Ludwig Erhards als sein Nachfolger, dem Rückzug des nationalliberalen Lagers aus der FDP und dem Niedergang der Deutschen Partei. Dann noch die Niederlage des „Liberalenfressers“ – wie Weißmann sagt – Franz Josef Strauß, die sozialliberale Koalition bei der Bundestagswahl abzulösen. Unter CDU-Kanzler Helmut Kohl galten andere Vorstellungen. „Die Union ist die Mitte, die Mitte, die Mitte. Das muß ich eigentlich auch gar nicht weiter erklären, das erklärt sich von selbst“, betont Weißmann.

„Kulturmarxismus ist ein Begriff, den ich nicht mag“

Erklären muß er aber auch Tagespolitisches und Zukunftsfragen, auch als Historiker. „Halten Sie die Metapolitik für unwichtiger als Parlamentspolitik?“, fragt Deutschlandfunk-Journalist Nils Schniederjann. Ein junger Mann mit Brille und im blauen Pullover, der den Begriff aus der Sezession kennt. „Ich sehe das rechts der Mitte nicht“, kontert Weißmann. „Der Erfolg der AfD ist ein spontaner Prozeß der Opposition und des Protestes. Wenn Sie schon mal bei einer AfD-Veranstaltung waren, werden Sie vielfach mit ideologisch Desinteressierten zu tun haben.“ Anders als bei der Linken, wo eine Überzeugung herrsche, Theorie sei wichtig für die politische Arbeit.

„Würden Sie der Links-Rechts-Trennlinie einen Totenschein ausstellen?“, will ein älterer Herr wissen. Weißmann widerspricht prompt. Schon deshalb, weil in den Begriffen „links“ und „rechts“ Axiome steckten, die sich immer wieder nachweisen ließen, im Gegensatz zu anderen Begriffen. „Es gibt heutzutage viele, die sagen, Freiheit ist ein rechter Wert. Nö. Wer soll das denn glauben?“ Denn keine politische Bewegung hätte darauf verzichtet, die Freiheit zu definieren.

Bei manchen Fragen darf er zurück in die Rolle des Geschichtskenners schlüpfen. „Könnten Sie etwas zum Kulturmarxismus der heutigen CDU sagen?“, fragt eine Zuschauerin. Kulturmarxismus? „Das ist ein Begriff, den ich nicht mag“, kontert Weißmann. „Ich glaube auch nicht, daß das sehr weit führt, wenn man diesen Begriff benutzt. Weil man dann garantiert an irgendeiner Stelle auf diejenigen trifft, die sagen, zeigen Sie mir mal, an welcher Stelle sich irgendwer auf Marx bezieht. Das werden Sie kaum können.“ Womit man zu tun habe, sei aber ohne Frage von einer „merkwürdigen Fortschrittsidee“ gespeist.

„Hitlers Vorstellungen passen auf der Linken nicht“

Was nicht geklärt werden kann, ist die Frage, ob es ein universelles „Erfolgsrezept“ für die Rechte gebe. „Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungen in den europäischen Staaten läßt sich das nicht generalisieren.“ Doch ein paar Inspirationen nennt der Historiker: Benjamin Disraeli, Lord Robert Arthur Salisbury, Otto von Bismarck. „In meinem Arbeitszimmer hängt nur das Porträt eines einzelnen Mannes und das ist Bismarck – hat schon Gründe.“ Andere Geschichtsfragen lassen sich leichter klären.

„Wie stehen Sie zur These, Hitler sei gar nicht rechts gewesen?“, fragt ein Mann in Bezug auf eine Behauptung der AfD-Chefin Alice Weidel. „Er hat ein brutal biologistisches Menschenbild gehabt“, betont Weißmann. Er glaubte weder an die Gleichheit der Menschen noch an die ihrer Würde. Auch glaubte er nicht daran, ein Zustand der „Nachgeschichte“ ließe sich erreichen, sondern an Geschichte als ununterbrochenen Kampfprozeß. „Das paßt alles auf der Linken nicht.“

An dieser Stelle folgt eine Ankündigung: „Haben Sie noch ein bißchen Geduld. Lesen Sie mein nächstes Buch. Da werde ich das in extenso erklären.“

JF-Autor Karlheinz Weißmann in der Bibliothek des Konservatismus: Referiert über die Anfänge der Nachkriegsrechten. Fotos: FKBF /// Edition JF JF-Montage
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