Anzeige
Anzeige

Erster Start eines Düsenjägers: Messerschmitt Me 262: Eine Revolution am Himmel

Erster Start eines Düsenjägers: Messerschmitt Me 262: Eine Revolution am Himmel

Erster Start eines Düsenjägers: Messerschmitt Me 262: Eine Revolution am Himmel

Messerschmitt Me 262: Eine Revolution am Himmel Foto: picture alliance / Mary Evans Picture Library
Erster Start eines Düsenjägers
 

Messerschmitt Me 262: Eine Revolution am Himmel

Es war Punkt 8:40 Uhr, als die Motoren aufheulten. Das Flugzeug setzte sich langsam in Bewegung, nahm rasch an Fahrt auf und stieg in den Himmel über den Flugplatz Leipheim – zum ersten von zwei Erprobungsflügen an diesem Tag. Nüchtern schreibt Testpilot Fritz Wendel in seinen Bericht: „Beide Starts sowie die erste Landung wurden auf Betonbahn, die zweite Landung auf Gras durchgeführt.“ Tatsächlich hatte Wendel an diesem 18. Juli 1942 eine technische Revolution in der Militärgeschichte eingeläutet. Es war der erste Start eines Düsenjägers in annähernder Serienkonfiguration, der Messerschmitt Me 262.

Wie gewaltig dieser Sprung ist, wird an den damals schnellsten und modernsten Abfangjäger ersichtlich, der amerikanischen North American P-51 Mustang, die gerade im Truppenzulauf der Alliierten war. Gegen Ende des Krieges wird die P-51H mit mächtigem Vierblattpropeller und einem auf rund 1.630 kW gesteigerten 12-Zylinder-Motor 714 km/h in Bodennähe erreichen, was sie zu einem der schnellsten kolbengetriebenen Flugzeuge machte. Doch bereits bei seinem zweiten Testflug zog Wendel mit 720 km/h davon. Das spätere Serienmodell sollte mit 850 km/h und einem Schub von rund 5.150 kW alles deklassieren, was die Alliierten aufzubieten hatten.

Technisches Genie ermöglichte die Messerschmitt-Maschine

Dieser gewaltige Entwicklungsvorsprung der deutschen Luftfahrt nährt den Mythos vom militärisch-industriellen Komplexes des NS-Staates mit geheimnisvollen Wunderwaffen. Doch in diesem Fall waren es wohl eher technisches Genie und unternehmerischer Weitblick von einzelnen, die hinter dieser Meisterleistung standen. Da wäre beispielsweise der Erfinder Hans Joachim Pabst von Ohain, der sich Anfang der 30er Jahre mit den theoretischen Grundlagen einer Strahlturbine als Flugzeugmotor befaßte.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, daß das bisherige Antriebskonzept mit Kolbenmotor und Propeller an eine natürliche Grenze stoßen wird. Nicht nur, daß stärkere Kolbenmotoren irgendwann schlicht zu groß und zu schwer werden, um noch einen Leistungszuwachs erzielen zu können. Auch ändert sich das aerodynamische Verhalten eines umströmten Körpers, wenn dieser an die Schallgeschwindigkeit heranrückt. Das aber ist bei Blattspitzen von Propellern irgendwann der Fall, was zu Problemen führt, die kaum zu lösen sind.

Wie die Legende berichtet, experimentierte von Ohain an dem neuen Antriebskonzept in der Autowerkstatt eines befreundeten Mechanikers, als der Flugzeugkonstrukteur und Unternehmer Ernst Heinkel auf ihn aufmerksam wurde. Kurzerhand ernannte er ihn zum Chefingenieur und stellte sein Firmenvermögen zur Verfügung. Das Ergebnis war nicht nur ein finanziell fast ruiniertes Unternehmen, sondern auch die Heinkel He 178, die am 27. August 1939 als erstes Flugzeug mit dem heute so vertrauten Heulen abhob.

„Es ist, als wenn ein Engel schiebt“

Das Reichsluftfahrtministerium (RLM) verfolgte zwar aufmerksam das Projekt, doch erhielt ausgerechnet Heinkels ewiger Konkurrent Willy Messerschmitt den Zuschlag, ein Jagdflugzeug mit dem neuartigen Antriebskonzept zu bauen. Bereits im Sommer 1939 war mit dem Projektentwurf P 65 die spätere Me 262 im Wesentlichen festgelegt. Angesichts des technischen Neulands, das hier betreten wurde, ein gewaltiges Tempo. Dennoch wurde das Projekt von jemanden behindert und beinahe zum Scheitern gebracht, gegen den auch das RLM nicht ankam – Adolf Hitler.

Heute sind die Gründe nicht mehr nachzuvollziehen, warum Hitler geradezu einen Groll gegen das Projekt hegte. Die Meinung ausgewählter Jagdpiloten wie Adolf Galland war es jedenfalls nicht. „Es ist, als wenn ein Engel schiebt“, sagte dieser begeistert nach einem Probeflug im Mai 1943. Doch Hitler untersagte, den Abfangjäger weiter zu entwickeln. Stattdessen sollte aus der Me 262 ein „Blitzbomber“ werden, was einerseits technisch unsinnig, andererseits auch überflüssig war, da mit der Arado Ar 234 bereits ein strahlgetriebener Bomber zur Verfügung stand, der den Alliierten gleichfalls weit überlegen war.

Erstflug Me 262
Flugzeugkonstrukteur Willy Messerschmitt (l) gratuliert Testpilot Fritz Wendel nach dem ersten erfolgreichen Düsenstart am 18. Juli 1942 Foto: picture-alliance / dpa | dpa

So aber verzögerte sich die Entwicklung und Produktion der Me 262 unnötig. Erst in der letzten Kriegsphase wurde die eigentliche Rolle als Luftüberlegenheitsjäger wieder verfolgt und als eines der ersten Flugzeuge überhaupt mit Luft-Luft-Raketen ausgestattet. Dann aber zeigte die Me 262, was in ihr steckte. Am 18. März 1945 stießen über Berlin verblüffte US-Bomberverbände auf Rotten des neuartigen Flugzeugs. Innerhalb weniger Minuten stürzten Dutzende der fliegenden alliierten Stahlkolosse brennend ab.

Doch es war längst zu spät. Insgesamt hatten nur rund 1.200 Me 262 ihren Weg zur Front gefunden. Das Jet-Zeitalter wurde zwar von dem „Wunderflieger“ eingeleitet, aber zu neuen Ufern brachen dann andere auf.

Messerschmitt Me 262: Eine Revolution am Himmel Foto: picture alliance / Mary Evans Picture Library
Anzeige
Anzeige
Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Der nächste Beitrag