Panzergrenadiere
Ostfront 1945: Deutsche Soldaten sind neben einem zerstörten Sowjet-Panzer in Stellung gegangen Foto: (c) dpa – Bildarchiv
Zweiter Weltkrieg

Schlacht um Bautzen 1945: Ein letzter Sieg

Während Hitler seinen 56. Geburtstag am 20. April 1945 im umkämpften Berlin beging, tobten im Reich noch die letzten Kämpfe des Zweiten Weltkriegs. Daß die deutschen Truppen auch angesichts des unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruchs noch in der Lage waren, dem Feind Niederlagen zu bereiten, zeigte sich in der Schlacht um Bautzen.

Im Zuge des russischen Angriffs auf die Reichshauptstadt sollten Einheiten der 2. polnischen Armee die südliche Flanke der Linie Dresden-Bautzen-Niesky sichern. In diesem Frontabschnitt lag auch die sächsische Stadt Bautzen, die wie viele zuvor zur Festungsstadt erklärt worden war.

Im Raum Bautzen und Oberlausitz standen Mitte April rund 50.000 deutsche Soldaten. Sie gehörten unter anderem zum Panzerkorps „Großdeutschland“. Zu diesem Verband zählte auch die Fallschirm-Panzer-Division 1 Hermann Göring. Die Einheit mit dem kuriosen Namen unterstand offiziell der Luftwaffe, kämpfte aber in Heeresverbänden. Sie war ursprünglich aus Freiwilligen von Parteiorganisationen gebildet worden und sollte die Verbundenheit von Wehrmacht und NSDAP ausdrücken.

Werbeplakat für die Division Hermann Göring aus dem Jahr 1943 Foto: picture-alliance / akg-images

Eingeschlossene leisteten erbitterten Widerstand

Die deutschen Einheiten verfügten über etwa 450 gepanzerte Fahrzeuge wie Sturmgeschütze, mehrere hundert Artilleriegeschütze und rund 300 Panzer. Darunter befanden sich auch zahlreiche Panzer IV. Dieser Panzerkampfwagen war in seinen unterschiedlichen Ausführungen seit Beginn des Zweiten Weltkrieges an allen Fronten im Einsatz. Auch wenn er in der öffentlichen Wahrnehmung hinter den berühmten Modellen „Panther“ und „Tiger“ zurücksteht, war der Panzer IV der meistgebaute und wichtigste Panzer der Wehrmacht. Nach mehreren Überarbeitungen konnte er es ab 1942 auch mit den russischen T-34 Panzern aufnehmen.

Über zahlreiche dieser Stahlkolosse verfügten auch die polnischen Truppen, die mit 90.000 Mann zum Kampf um Bautzen antraten. Die Polen waren zumeist unerfahren im Kampf. Jedoch gelang es ihnen, die Stadt einzukesseln und teilweise zu besetzen. Die in der Ortschaft verbliebenen Verteidiger leisteten weiterhin Widerstand. Im Wehrmachtsbericht vom 22. April heißt es: „Die Besatzung von Bautzen verteidigte sich hartnäckig gegen den mit starken Kräften angreifenden Feind.“

Am Tag zuvor hatte der deutsche Entsatzangriff auf Bautzen begonnen, um die eingeschlossenen Kameraden zu befreien. Trotz der aussichtslosen Gesamtkriegslage kämpften sich die Einheiten des Panzerkorps durch den polnischen Belagerungsring. „Im Südabschnitt der großen Schlacht zwischen den Sudeten und der Pommerschen Bucht drangen unsere Truppen in schwungvollen Gegenangriffen bis in den Raum hart östlich Bautzen vor. In der Stadt verteidigt sich die Besatzung weiter gegen starke Angriffe“, erwähnte der Wehrmachtsbericht die Vorgänge.

Bautzen sollte Hitler neue Hoffnung geben

Es gelang den Landsern, die polnischen Truppen zu spalten und ihre Versorgungswege abzuschneiden. Zahlreiche feindliche Panzer wurden zerstört oder erbeutet, als eine polnische Panzerbrigade aufgerieben wurde. Sie zerschlugen eine polnische Infanteriedivision und kesselten eine weitere ein. Nach offiziellen Angaben verloren knapp 5.000 Polen bei den Kämpfen ihr Leben, 2.800 galten als vermißt und 10.500 wurden verwundet. Etwa 6.500 Deutsche fielen dort in jenen Apriltagen.

Eine überarbeitete Version des deutschen Panzer IV Foto: Wikimedia.org/Bundesarchiv, Bild 101I-298-1759-25 / Scheck / CC-BY-SA 3.0

Am 26. April war Bautzen nach für beide Seiten verlustreichen Häuserkämpfen freigekämpft. Die russische Führung mußte handeln und schickte Einheiten, um die Polen vor ihrer völligen Vernichtung zu retten. Unter schweren Verlusten – Schätzungen gehen von 6.500 Toten aus – zogen sich schließlich die Alliierten zurück und die Gefechte im Raum Bautzen ebbten bis zur Kapitulation am 8. Mai ab. Bis dahin kam es immer wieder zu vereinzelten Scharmützeln. Die Stadt blieb bis Kriegsende in deutscher Hand.

Für den Ausgang des Krieges hatte dieser Sieg freilich keine Bedeutung mehr. Historiker sehen seine Erwähnung im Wehrmachtsbericht lediglich „als moralische Stütze für Hitler“, der sich offenbar noch der Hoffnung hingab, ein Entsatzangriff von Berlin könne noch erfolgen. Doch der Schlachterfolg blieb ein Zucken im Todeskampf der deutschen Armee, wie kurz zuvor die Schlacht um die Seelower Höhen.

Ostfront 1945: Deutsche Soldaten sind neben einem zerstörten Sowjet-Panzer in Stellung gegangen Foto: (c) dpa – Bildarchiv

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