Ein deutscher Bomber vom Typ Dornier Do-17Z fliegt mit weiteren Maschinen in Formation während der Kämpfe über England Foto: picture alliance/Mary Evans Picture Library
Ein deutscher Bomber vom Typ Dornier Do-17Z fliegt mit weiteren Maschinen in Formation während der Kämpfe über England Foto: picture alliance/Mary Evans Picture Library
Luftschlacht um England 1940

„… wir stellen den britischen Löwen“

Nach dem Sieg über Frankreich im Sommer 1940 richtete das Deutsche Reich seinen Blick gen England. Das Vereinigte Königreich war im Westen der verbliebene Gegner und sollte wie zuvor Holland, Belgien und Frankreich in die Knie gezwungen werden. Jedoch war absehbar, daß es keinen „Blitzkrieg“ geben würde.

Die deutschen Militärplaner sahen die Erringung der Lufthoheit als Voraussetzung für eine erfolgreiche Invasion. Zu diesem Zweck wurden insgesamt fünf deutsche Luftflotten zusammen gezogen, um die Royal Air Force im Idealfall durch einen mächtigen Schlag noch am Boden zu vernichten.

Ungeachtet dessen war eine erfolgreiche Invasion der Wehrmacht in Großbritannien unrealistisch. Militärhistoriker geben zu bedenken, daß weder geeignete Transportmittel noch entsprechende Ausrüstung für das Heer vorhanden waren. Ein solches Unternehmen war während der Aufrüstungsphase des Dritten Reiches schlicht nicht bedacht worden.

Propagandalieder sollten Deutsche auf Kampf einstimmen

Die Zahlen der versammelten Flugzeuge lesen sich beeindruckend. So bot die deutsche Luftwaffe von Reichsmarschall Hermann Göring rund 1.500 Bomber, 809 einmotorige Jäger vom Typ Bf 109E und 300 zweimotorige Jäger vom Typ Bf 110 auf.

Britische Piloten stürmen zu ihren Hurricane-Jägern Foto: picture alliance/Mary Evans Picture Library
Britische Piloten stürmen zu ihren Hurricane-Jägern Foto: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Die Briten konnten dagegen circa 800 Jäger ins Feld führen. Darunter befanden sich auch 250 einmotorige Spitfires. Ihre zu diesem Zeitpunkt verfügbaren 500 Bomber spielten für den bevorstehenden Abwehrkampf nur eine untergeordnete Rolle.

Neben der militärischen Vorbereitung sollten auch Propagandalieder die Deutschen auf den Kampf gegen das „perfide Albion“ einstimmen. So wurde das Lied „Bomben auf Polenland“ von 1939 um entsprechende Strophen erweitert und anlaßbezogen zu „Bomben auf Engelland“. Ursprünglich war es im Film „Feuertaufe. Der Film vom Einsatz unserer Luftwaffe im polnischen Feldzug“ verwendet worden.

Am „Hardest Day“ erlitten beide Seiten hohe Verluste

Die ersten deutschen Angriffe auf alliierte Konvois im Ärmelkanal am 10. und 11. August waren erfolgreich. Fortan sollten bis auf weiteres keine Versorgungsschiffe mehr dort fahren. Vom 12. bis 23. August konzentrierte die Luftwaffe ihre Attacken auf küstennahe militärische Ziele. Die Propaganda beider Seiten bemühte sich, einzelne Tage als besondere Höhepunkte herauszustellen. So feierte man in Deutschland den Großangriff der Luftflotten am 13. August als „Adlertag“.

Nur zwei Tage später bejubelte die britische Propaganda den „Greatest Day“ ihrer Luftstreitkräfte. Da Görings Bomber bei einem Angriff auf den Norden Englands auf Begleitjäger verzichteten, konnten die britischen Jäger viele Maschinen abschießen.

Die Kämpfe über Britannien und der See steuerten schließlich auf den als „Hardest Day“ bekannten Tag mit den höchsten Verlusten auf beiden Seiten zu. Am 18. August verlor die deutsche Luftwaffe insgesamt 100 Flugzeuge. Die Briten verzeichneten sogar 136 zerstörte Flugzeuge. Davon wurden 60 bereits am Boden vernichtet.

Deutschland gingen die Piloten aus

Allerdings verloren die Streitkräfte des Königreichs an jenem Tag nur 30 Piloten. Auf deutscher Seite lagen die Verluste mit 62 mehr als doppelt so hoch. Das lag daran, daß abgeschossene Briten, die sich per Fallschirm retten oder notlanden konnten, gleich wieder für Einsätze zur Verfügung standen. Die deutschen Piloten gingen nach einem Abschuß über England in Kriegsgefangenschaft.

Je länger die Luftschlacht tobte, desto schwerer wurde es für die Luftwaffe, den Verlust der Maschinen zu kompensieren. Denn während die deutschen Waffenschmieden im Sommer 1940 pro Monat 230 Jagdflugzeuge produzierten, konnten die Briten monatlich 440 Jäger in Dienst stellen. Außerdem wogen die Verluste an Piloten für Deutschland schwerer, da im Gegensatz zu seinem Feind Flieger aus verbündeten Staaten fehlten, die freiwillig mitkämpften. So saßen beispielsweise Polen am Steuer britischer Jäger.

Deutsche Piloten gehen in britische Kriegsgefangenschaft, nachdem sie abgeschossen wurden Foto: (c) dpa - Bildarchiv
Deutsche Piloten gehen in britische Kriegsgefangenschaft, nachdem sie abgeschossen wurden Foto: (c) dpa – Bildarchiv

Heimvorteil der Briten

Als in den folgenden Tagen auch immer öfter Ziele im Landesinneren angegriffen werden sollten, zeigte sich ein weiteres Problem. Während die deutschen Bomber die Strecken problemlos bewältigen konnten, hatten ihre Begleitjäger nur Sprit für 30 Minuten Luftkampf, wenn sie die britische Küste erreichten. Lediglich die zweimotorige Messerschmidt Bf 110 konnte genug Treibstoff aufnehmen, um den Bombern zu folgen. Doch sie war den britischen „Spitfire“-Jägern unterlegen. Hinzu kam der Heimvorteil der britischen Flieger, die keine langen Anflugwege zum Feind hatten.

So zeichnete sich ab, daß ein Sieg über die Royal Air Force nicht gelingen würde. In dieser Situation sollte ein Strategiewechsel die britische Regierung zur Kapitulation zwingen.

Der zweite Teil über die Luftschlacht um England erscheint am 4. September.

Ein deutscher Bomber vom Typ Dornier Do-17Z fliegt mit weiteren Maschinen in Formation während der Kämpfe über England Foto: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

aktuelles